Kochen ohne Kohle Osterfrühstück zum Eierverstecken: Göttliche Shakshuka für 2,70 Euro
Shakshuka ist zu jeder Tageszeit das beste Katerfrühstück
Foto:Sebastian Maas / DER SPIEGEL
Nach einer eskalierten Party mit zwölf Freunden einige Tage lang für tot gehalten werden und dann mit viel Trara aus meiner Höhle herauskommen? Während meiner Studienzeit passierte mir das jedes Jahr auf der »Kieler Woche« (eine Art sommerliches Oktoberfest für Menschen mit Segelschuhen). Trotzdem habe ich nicht gleich eine Weltreligion begründet!
Heute erscheint mir die Geschichte dennoch unglaubwürdig – denn zwölf Freunde auf einmal habe ich dank Corona schon lange nicht mehr gesehen. Gerade deshalb fühle ich mich nach dem vergangenen Jahr seltsam verkatert. Und dagegen hilft mir damals wie heute meist eine herzhafte, bodenständige Mahlzeit.
Zur Feier von Jesus' Wiedergeburtstag (und der damit aus unerfindlichen Gründen zusammenhängenden Tradition, Eier zu verstecken) gibt es heute Shakshuka: ein komplett in der Pfanne zubereiteter Tomaten-Schmortopf mit versunkenen, pochierten Eiern. Weil wir nicht am Mittelmeer wohnen, nehme ich statt frischer Tomaten lieber welche aus der Dose. Die haben immer den perfekten Reifegrad und kosten weniger.
Bafög oder Azubigehalt sind schon wieder fast aufgebraucht? Der Obstkorb beim unbezahlten Agenturpraktikum war geräubert? Und bitte nicht schon wieder Pizzatoast? Alles kein Problem: In dieser Kolumne zeigt SPIEGEL-Redakteur und Hobbykoch Sebastian Maas, wie man trotz Flaute auf dem Konto leckere und besondere Gerichte zaubern kann. Dabei gibt es nur zwei Regeln:
Eine Portion darf maximal so viel kosten wie ein Essen in der Mensa, also drei Euro.
Teure Spezialgeräte sind tabu.
Shakshuka ist in den vergangenen Jahren wohl vor allem dank der israelischen Version von Starkoch Yotam Ottolenghi in aller Munde gewesen. Eigentlich brachten es dorthin aber tunesische oder marokkanische Juden aus ihrer Heimat mit . Darauf deutet auch der Name hin: Shakshuka meint im nordafrikanischen Maghreb-Arabisch einfach »Mischung« – denn es ist ein Eintopf mit zig verschiedenen Interpretationen.
Wie so oft bei »Kochen ohne Kohle« kann man bei der Zubereitung also kaum etwas falsch machen und seiner Kreativität freien Lauf lassen. Eine halbe Packung Feta liegt noch im Kühlschrank? Rein damit! Den Rest aus der Tube Harissa vom Urlaub vor drei Jahren? Na klar! Etwas, das angeblich »vegane Chorizo« sein soll? Wenn's sein muss!
Weil ich niemandem vorschreiben will, was er oder sie zu tun hat (ich bin ja nicht Ihr Heiland), zeige ich also ein einfaches Basisrezept, das man beliebig ergänzen kann.
Weil saftige und reife Tomaten im Supermarkt Mangelware sind, greifen wir zu denen aus der Dose
Foto: Sebastian Maas / DER SPIEGELEinkaufsliste für zwei hungrige Personen
800 Gramm Dosentomaten
1 Chilischote
1/2 Bund Petersilie oder Koriander
1 Zwiebel
2 kleine Paprika
4 Bioeier ohne Kükenschreddern
1 Teelöffel Salz
1 Teelöffel Cumin
1 Teelöffel Paprikapulver
Öl zum Braten
Als Beilage und Besteckersatz etwas Weiß- oder Fladenbrot
Was kostet das?
Ich habe alle Zutaten vor dem Kochen bei einem der bekannten Vier-Buchstaben-Discounter gekauft. Insgesamt habe ich Lebensmittel für 5,40 Euro verbraucht, das macht 2,70 Euro pro Portion.
Wie lange dauert das?
Etwa 30 Minuten
Hülsenfrüchte wie Bohnen oder Kichererbsen und dazu Dosentomaten: Das hat mir früher so manches Monatsende gerettet. Ein gut gefüllter Vorrats- und Tiefkühlschrank ist nicht erst seit der Corona-Hamster-Ära Gold wert. Tiefgefrorenes und in Dosen konserviertes Gemüse ist in vielen Fällen nämlich nicht nur günstiger als die frische Variante, sondern auch leckerer. Und manchmal sogar gesünder.
Bei TK-Ware liegt das vor allem daran, dass die Nährstoffe erhalten bleiben, wenn Obst und Gemüse erntefrisch schockgefrostet wird: »Wenn der Spinat nach vier Stunden schon verpackt ist, hat er gar keine Zeit, Nährstoffe zu verlieren«, erklärt Britta Klein vom Bundeszentrum für Ernährung.
Fertiggerichte wie Dosensuppen und gezuckertes Obst mal ausgenommen, sind auch viele Gemüsekonserven reich an gesundem Geschmack. Dosentomaten etwa enthalten mehr Lycopin (ein Farbstoff, der das Krebsrisiko senken könnte) als frische Tomaten. Und wegen der langen Haltbarkeit muss man sich auch weniger Sorgen darüber machen, Gekauftes wegwerfen zu müssen.
So macht man Shakshuka selbst
Die Zwiebeln, den Knoblauch und die Chilischote grob hacken. Wer es nicht so scharf mag, entfernt die Kerne und das Kerngehäuse der Schote und nimmt nur eine halbe. Anschließend alles in der Pfanne mit reichlich Öl auf mittlerer Hitze für einige Minuten anschwitzen. Derweil die Paprika hacken. Sind die Zwiebeln glasig, gibt man die Gewürze und die Paprika dazu und brät alles für weitere drei bis vier Minuten an.
Für Leute mit kurzer Aufmerksamkeitsspanne: Shakshuka in drei Schritten
Sebastian Maas / DER SPIEGEL
Die Blätter der Kräuter von den Stielen zupfen. Die Stiele klein hacken und mit in die Pfanne geben, die Blätter als Garnitur für den Schluss beiseitelegen.
Nun die beiden Dosen Tomaten in die Pfanne geben und alles zusammen auf mittlerer Flamme für 15 bis 20 Minuten reduzieren lassen. Dabei regelmäßig umrühren und die Pfanne nicht komplett mit einem Deckel verschließen, damit die Feuchtigkeit entweichen kann und die Soße bis zur gewünschten Konsistenz eindickt. Die Faustregel lautet: Wenn man mit einem Löffel kleine Mulden in die Soße drücken kann, die nicht wieder volllaufen, sind wir glücklich.
Denn dann können die Eier in die Mulden aufgeschlagen werden. Für den optischen Effekt kann man das Eiweiß noch ein wenig mit einer Gabel in die Tomatensoße ziehen. Dann weiter köcheln lassen, bis das Eiweiß komplett gestockt ist, die Eigelbs (Rest in Peace, Bernd) aber noch etwas weich sind.
Weiß- oder Fladenbrot eignet sich perfekt als Beilage – und als Besteckersatz
Foto: Sebastian Maas / DER SPIEGELNun nur noch die Petersilie über die Pfanne streuen und eben jene auf den Tisch stellen. Am leckersten ist Shakshuka nämlich, wenn man etwas Brot zerreißt und damit alles direkt aus der Pfanne löffelt.
Beteavon – guten Appetit!
Haben Sie das Rezept nachgekocht? Oder kennen Sie tolle Gerichte, die wenig Geld kosten? Schreiben Sie mir – oder schicken Sie mir ein Bild davon.