Welche Zwiebeln Sie nehmen, bleibt Ihnen überlassen. Ich nehme einen Mix aus Gemüsezwiebeln und roten Zwiebeln, dazu ein paar Schalotten.
Foto: Sebastian Maas / DER SPIEGELKochen ohne Kohle Luxus für 1,75 Euro: Französische Zwiebelsuppe trifft italienische Gangsterpasta
Eigentlich teile ich in dieser Kolumne am liebsten Rezepte, die ich mir selbst ausgedacht habe – oder zumindest selbst verfeinert und umgebaut, damit sie zum Beispiel ohne teure Spezialzutaten gezaubert werden können. Manchmal findet man aber ein so geniales Rezept bei anderen Köch:innen, dass man sich nur noch verneigen möchte. Heute gibt es eins von dieser Sorte – erdacht vom US-amerikanischen Internetkoch Jeremy Scheck. Der begann bereits als Zehntklässler, Rezepte auf seinem Blog zu teilen und ist nun, mit Anfang 20, ein Stern am Foodie-Himmel. Vor ein paar Jahren hatte er auf TikTok den Durchbruch, wo ihm inzwischen zwei Millionen Fans folgen. Einer davon bin ich, spätestens seit diesem Rezept .
Also, worum geht’s? Ach ja, Sie haben ja schon die Überschrift gelesen und sind bereits voll im Thema: Französische Zwiebelsuppe trifft italienische Pasta al’Assassina. Diese Fusion macht wahrscheinlich traditionsbewusste Kulinariker in gleich zwei Ländern traurig, mich hingegen sehr, sehr glücklich. Aus mehreren Gründen. Erstens sind Zwiebeln trotz der Inflation immer noch bezahlbar. Zweitens ist der Herbst angebrochen und damit die Jahreszeit, in der man wieder guten Gewissens dunkelorange bis dunkelbraune Lebensmittel servieren kann. Und drittens wollte ich die Technik von Spaghetti al’Assassina hier schon lange mal vorstellen.
Die Nudeln werden bei der Urform dieser »Mörderpasta« (so die Übersetzung) roh zu einer scharfen Paste aus Chili, Tomate und Knoblauch in die Pfanne gegeben und immer wieder mit nur wenig Wasser übergossen, ähnlich wie bei Risotto. Dabei werden sie herrlich röstig und karamellisieren ein wenig. Die austretende Stärke bleibt in der Pfanne und wirkt als cremiges Bindemittel.
Moritz Jekat / DER SPIEGEL
Psychische Belastungen sind kein Tabu mehr, viele sprechen offen darüber, im Freundeskreis, gegenüber der Familie, auf Instagram und TikTok. Aber gilt diese neue Offenheit genauso fürs Arbeitsleben? Kann man, sollte man mit Vorgesetzten beispielsweise über eine psychische Erkrankung sprechen? Antworten gibt es in der neuen Ausgabe von SPIEGEL START. Weitere Themen: Studieren unter dem Eindruck des Israel-Gaza-Krieges. Und: Geld spenden, ohne viel zu haben – geht das?
Jeremy Scheck pfeift auf die Tomatenpaste und legt noch eine Schippe drauf: Er karamellisiert vorher jede Menge Zwiebeln, wie man es für eine französische Zwiebelsuppe tun würde, und kocht die Spaghetti dann darin, unter Zugabe von kleinen Mengen Brühe. Das dauert natürlich ein wenig. Also eigentlich sogar ziemlich lange, denn wer behauptet, Zwiebeln in 15 Minuten karamellisieren zu können, der lügt. Eine Stunde sollte man ihnen schon geben, größeren Mengen gern auch zwei, wenn man nicht mit mehreren Pfannen arbeitet. Aber es ist wirklich jede Minute wert.
Das Ergebnis wird auch ohne Zugabe von Sahne herrlich cremig. Die Schärfe der rohen Zwiebeln verfliegt, was bleibt, ist ein herzhaftes und herbstlich-gemütliches Abendessen mit einer luxuriös-süßlichen Unternote. Also einfach einen schönen Podcast oder ein Hörbuch auf die Ohren und ran ans Werk.
Das benötigt man für vier Portionen French Onion Spaghetti
1 kg Zwiebeln (jede Farbe oder Kombination okay)
400 g ungekochte Spaghetti
1 Liter Gemüse- oder Rinderbrühe
4 bis 8 Zehen Knoblauch
50 g Butter oder Olivenöl
2 EL getrocknete Kräuter der Provence
100 g Käse, z. B. Gruyère
etwas Petersilie
Salz, Pfeffer, Wasser
Optional: 300 ml trockener Weißwein
Was kostet das? Insgesamt habe ich rund 7 Euro bezahlt, also etwa 1,75 Euro pro Portion. Am teuersten ist der Gruyère, man kann aber auch günstigeren Käse nehmen oder es vegan halten.
Wie lange dauert das? Es kann schon zwei bis drei Stunden dauern, wenn man den Zwiebeln Zeit geben möchte.
Ende Oktober erscheint Schecks erstes Buch »ScheckEats – Cooking Smarter: Friendly Recipes with a Side of Science« (auf Englisch). Deshalb empfehle ich heute an dieser Stelle nicht mein eigenes Buch, sondern seins:
So macht man French Onion Pasta
Zunächst einmal sollte man sich ein Brot schmieren, wenn man gerade Hunger hat. Das Essen braucht nämlich noch ein paar Stunden.
Nun die Zwiebeln schälen, halbieren und in etwa einen Zentimeter breite Streifen schneiden. Es muss keine Detailarbeit sein, die Zwiebeln zerfallen später sowieso.
Die Zwiebeln mit Butter/Öl, zwei großen Prisen Salz und etwa 300 ml Wasser oder Weißwein in einer breiten Pfanne aufkochen lassen. Die Hitze auf die mittlere Stufe reduzieren, sobald die Flüssigkeit verdampft ist, und dann leicht brutzeln lassen. Die Zwiebeln sollen nicht anbraten und nicht kross werden, daher regelmäßig mit einem Pfannenwender durchrühren. Und warten.
Den Knoblauch und die Kräuter der Provence nach etwa 30 bis 40 Minuten zu den Zwiebeln geben und weiter dampfen lassen.
Die Evolution der Zwiebel
Foto: Sebastian Maas / DER SPIEGELWenn die Zwiebeln irgendwann karamellisiert sind – sie sehen dann zerfallen, cremig und dunkelbraun aus – die trockenen Spaghetti oben auflegen.
Etwa die Hälfte der Brühe aufgießen und dann alle paar Minuten in kleinen Schluck mehr dazugeben. Die Pasta soll durchgaren, aber nicht in zu viel Flüssigkeit schwimmen. Wenn die Pasta nach ein paar Minuten elastischer wird, kann man immer wieder durchrühren, damit alles gleichmäßig kocht.
Den Käse in kleine Würfel schneiden und einrühren, wenn die Pasta fast gar ist – also nach etwa 15 Minuten.
Die Petersilie hacken, die Hälfte mit einrühren und den Rest zum Garnieren aufbewahren.
Wichtig: Je nach verwendeter Brühe kann das Gericht bereits sehr salzig sein oder noch etwas mehr Salz vertragen. In der Pfanne also final abschmecken.
Die Pasta schön auf einem Teller mit der übrigen Petersilie und (im besten Fall frisch gemahlenem) schwarzem Pfeffer anrichten und heiß servieren.
French Onion Soup Pasta nach Jeremy Scheck: Cremig, herzhaft, lecker
Foto: Sebastian Maas / DER SPIEGELDie Zwiebelsuppenpasta schmeckt auch am nächsten Tag noch super, man kann sie in der Pfanne mit einem Schluck Brühe oder Wasser einfach noch einmal aufkochen lassen. Damit sich das Tränenvergießen beim Zwiebelschneiden und die lange Kochzeit am Vortag auch gelohnt haben.
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