Spaghetti all’assassina: Scharf und scharf angebraten
Foto: Sebastian Maas / DER SPIEGELKochen ohne Kohle Spaghetti all’assassina, mordsgute Pasta für 1,20 Euro
Ich weiß nicht, was in Ihren Timelines und in Ihren Newsfeeds so los ist – meine sind jedoch seit Wochen voller Videos rund um Luigi M. Der 26-Jährige ist in den USA angeklagt, weil er am 4. Dezember Brian Thompson, den Chef der US-Krankenkasse United Healthcare, erschossen haben soll. In einem Land, das 2024 über 16.000 Waffentote zu betrauern hatte, eigentlich fast keine Nachricht. Doch um Luigi M. hat sich in den Wochen seit der Tat eine Art Heldenkult entsponnen – es gibt Luigi-Merchandise, Luigi-Dragshows, Luigi-Liebeslieder.
Die profitorientierten Krankenkassen in den USA sind bei vielen verhasst, lehnen sie doch häufig die Anträge auf Kostenübernahme lebensnotwendiger medizinischer Behandlungen ab. 64.000 Menschen sterben daher jedes Jahr. Die Luigi M. – der auf »nicht schuldig« plädiert – zugeschriebene Tat wird so von einigen als Widerstand gegen den Raubtierkapitalismus gesehen, in dem Menschenleben weniger wert sind als Rendite. Überraschenderweise, und das ist das Besondere an dem Fall, sind sich da viele US-Amerikaner über die starren Parteilinien hinaus einig. Es ist tragisch, dass erst jemand sterben musste, damit arme Menschen verstehen, dass sie eigentlich auf derselben Seite stehen.
Trotz der überraschend großen Unterstützung aus der US-Bevölkerung wurde Luigi dann jedoch geschnappt, weil ihn ein McDonald’s-Mitarbeiter erkannte und verpfiff, um ein Belohnungsgeld zu erhalten. Welches womöglich nie ausgezahlt wird.
Ich könnte jetzt noch Stunden über die Hunderte von Videos, Theorien und Kritiken schreiben, die seitdem in meinen Feed gespült wurden. Und dabei fast vergessen, dass ich hier ja eine Kochkolumne habe und nicht die Maas’sche Gesellschaftskritik verfassen soll. Wie leite ich jetzt über...? Ein (mutmaßlicher) Mörder mit italienischen Wurzeln, der in die Pfanne gehauen wurde: Da fällt mir ein Rezept zu ein! Wir machen heute einfach Spaghetti all’assassina, zu Deutsch: Mörderpasta. Verzeihen Sie mir den Wortwitz. Der Name beschreibt angebratene und leicht angebrannte Spaghetti, die in einer scharfen Tomatensoße serviert werden.
Von der Entstehungsgeschichte des Gerichts gibt es mehrere Varianten. Eine geht so, dass ein Koch seine Pasta auf dem Herd vergaß, anbrennen ließ und so »umbrachte«. Einer anderen zufolge beschwerten sich Gäste bei ihrem Restaurantbesuch in der italienischen Küstenstadt Bari wegen der Schärfe, ob man sie umbringen wolle. Wie es auch entstanden ist, heraus kam ein sehr einfach gemachtes und günstiges Nudelgericht mit vieeeel Geschmack. Am besten sind die karamellisierten und knusprigen Nudelstückchen. Also, lassen wir nichts anbrennen und kochen los.
Das benötigt man für zwei Portionen Spaghetti all’assassina
Wer mag, kann noch Kräuter oder Käse dazugeben, für das Grundrezept kommt man aber sehr günstig weg
Foto: Sebastian Maas / DER SPIEGEL250 g Spaghetti
5 EL Öl, idealerweise Olivenöl
3 EL Tomatenmark
3 Zehen Knoblauch
200 ml passierte Tomaten
getrocknete Chiliflocken, je nach präferierter Schärfe 1⁄2 bis 3 TL
eine Pfanne, die breit genug ist, um die trockenen Spaghetti hineinzulegen
Salz, Wasser
Optional: italienische Kräuter, Käse wie Stracciatella di bufala oder Burrata
Was kostet das? Etwa 1,20 pro Person
Wie lange dauert das? Etwa 25 Minuten
So macht man Spaghetti all’assassina
Den Knoblauch grob hacken und dann mit dem gesamten Öl in einer anfangs kalten Pfanne langsam erhitzen und anschwitzen. Darauf achten, dass er nicht braun wird.
Nach ein paar Minuten die passierten Tomaten zugießen, die Chiliflocken einstreuen, gut durchmixen und kurz aufköcheln lassen. Dann die trockenen Spaghetti in die Mitte der Pfanne legen und gut andrücken. Die Soße mit einem Löffel über die harten Nudeln löffeln und diese für drei bis fünf Minuten richtig gut anbraten lassen.
Derweil in einem Topf etwa einen halben Liter Wasser mit dem Tomatenmark vermengen, eine große Prise Salz (und optional die italienischen Kräuter) dazugeben. Kurz aufkochen lassen.
Die Spaghetti in der Pfanne wenden, damit auch die bisherige Oberseite etwas am Boden anknuspern kann. Noch zwei, drei Minuten braten lassen und dann Kelle für Kelle langsam die angesetzte Tomatenbrühe in die Pfanne gießen. Dabei immer wieder Pausen machen, in denen das Wasser verdampfen kann. Wie bei einem Risotto.
Mörderspaghetti, nachdem sie in die Pfanne gehauen wurden
Foto: Sebastian Maas / DER SPIEGELJe nach Hitze, Sorte und Menge der Pasta sowie Größe der Pfanne dauert es jetzt noch etwa zehn bis 15 Minuten, damit die Pasta durchgart und al dente wird. Zwischendurch am besten einfach mal eine Nudel probieren und gegebenenfalls nachsalzen oder mehr Chili zugeben.
Die Pasta heiß servieren. Manche Lokale in Bari servieren Stracciatella di bufala oder Burrata dazu, aber jeder cremige Weichkäse rundet das scharfe Gericht ab. Auch Kapern, Oliven und Sardellen passen prima, toben Sie sich aus.
Guten Appetit und bleiben Sie gesund!
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