Kochbuchtipps In 80 Töpfen um die Welt
Kochen, was die Welt bewegt: Mit den richtigen Rezepten wird das ein schmackhafter Trip
Foto: Yiu Yu Hoi / Moment / Getty ImagesEinmal den zimtigen Geschmack von Stinkwanzen als Tacofüllung in Mexiko erleben? Ein ofenwarmes Broa de milho in Portugal brechen? Ein Lamm-Muluchiya in Bethlehem schlürfen? Nun, dazu müsste man nach Mittelamerika, Lissabon oder Jerusalem fliegen. In Zeiten von Flugscham und fossilen Energiepreisschocks ist das für viele Genießer keine gute Idee. Die Lösung: Drei wunderschön illustrierte Kochbücher, die uns auf diese Reisen mitnehmen und zugleich das Nachkochen der Sehnsuchtsspeisen ermöglichen.
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Cecily Wong und Dylan Thuras: »Gastro Obscura – Entdeckungsreisen zu den kulinarischen Wundern der Welt«
Mit dem Zeigefinger über Landkarten oder den Globus zu reisen hatte schon immer einen großen Vorteil gegenüber echten Trips: Man kann dabei auf dem Sofa liegen. Im Fall dieses global-kulinarischen Entdeckungswälzers sogar tagelang. So lange kann es nämlich dauern, bis Augen und Hirn dessen unfassbare Detailfülle verarbeitet haben. Zusammengetragen wurde der 464 Seiten lange Führer durch die weltweite Welt des Essens von den in Oregon und New York lebenden Mitgründern des legendären »AtlasObscura«-Projekts, Cecily Wong und Dylan Thuras.
In ihrem Buch beantworten sie eine Fülle von Fragen. Etwa die, warum manche Stinkwanzen in Mexiko nach Zimt und Minze schmecken. Warum sich die Mongolen zu ihrem Neujahrsfest Tsagaan Sar, einen Schuhsohlenkuchen, backen. Und warum die Brasilianer den Mörtel für ihre Kirche Capela Nossa Senhora das Neves mit Wein statt Wasser angerührt haben.
Wong und Thuras haben von jedem Kontinent, bis hinunter zur Antarktis (Tipp: der Drei-Dollar-Whiskey in der ukrainischen »Wernadski-Station«), allerlei obskure Geschichten zusammengekratzt. Von Dingen, die man anderswo auf der Welt eher für ungenießbar halten würde, die regional aber als hochgeschätzte Spezialitäten gelten.
So herrlich gruseligen Spaß das macht – bei den Obscura aus Deutschland ist den Autoren nicht viel Interessantes ein- oder aufgefallen. Keine Spur von Bauer Vossbuhrs Dachsbraten, Unterammergauer Gamsleberpastete oder wenigstens fränkischen Sauren Zipfeln. Stattdessen eher unobskure Langweiler-Einträge zu Eiswein, Handkäs mit Musik, Franzbrötchen, Bamberger Rauchbier und Filderkraut. Einziger Lichtblick: Details zu den im Wolfsburger Volkswagenwerk seit 1973 unter der Artikel Nr. 199398500A vom Band laufenden hauseigenen Currywürsten.
Insgesamt aber ist dieses Buch ein Muss auf dem Beistelltisch einer jeden Gourmet- und Gourmande-Couch. Doch Vorsicht – nicht alles gleich in den Mund nehmen, sondern erst mal die Warnung auf Seite 4 lesen: »Ein wichtiger Hinweis an unsere Leserinnen und Leser – nicht alles in ›Gastro Obscura‹ sollte gegessen werden. Manche Gerichte in diesem Buch sorgen beim Lesen für Staunen, können beim Verzehr aber schädlich sein. Für den Rest gilt: Probieren Sie es aus!«
Wer braucht das? Alle, die alles wissen wollen über die kulinarischen Seltsamkeiten dieser Welt.
Typisches Rezept? Akutaq – Eskimo-Eis mit zermahlenem Karibufleisch
Was kostet das? 36 Euro
Gastro Obscura
Cecily Wong, Dylan ThurasPreisabfragezeitpunkt
17.10.2026 09.30 Uhr
Keine Gewähr
Laurel Kratochvila: »Neues Backen – 99 Rezepte aus ganz Europa«
Weil auch das Backwerk-Repertoire ambitionierter Hobbybäckerinnen und -bäcker mit der Zeit ein wenig eintönig werden kann, ist es ein Segen, dass es Bücher wie dieses gibt: Laurel Kratochvila, Betreiberin des Cafés Fine Bagels in Berlin-Friedrichshain, hat Dutzenden von Kollegen und Kolleginnen in ganz Europa deren ganz persönliche Lieblingsbackrezepte aus den Rippen geleiert – Stoff genug für 272 spannende und entdeckungswürdige Buchseiten.
Dieser Ansatz bringt echte Abwechslung in den Alltag von Hobbybackenden. Beispielsweise mit Rezepten für Holunder-Maritozzi, Bialys, Baklava-Plunder, Powidl-Kolatschen, Pain café caramélisé und portugiesisches Maisbrot Broa de milho. Mit den durchweg gelingsicher rezeptierten Anleitungen und den appetitanregenden Fotos kann man sich nach und nach durch ganz Europa backen. Zusätzlich porträtiert Kratochvila ein knappes Dutzend Kollegen und Kolleginnen, so etwa Roberta Pezella aus Frosinone, Xavier Netry aus Paris, den Londoner Ben McKinnon sowie Zara Boréas und Mia Boland von der Lille Bakery in Kopenhagen.
Schön, dass einige etwas kniffelige Rezepte reich bebildert sind. Allein die Herstellung eines Sablage-Kuchenbodens mit der Mürbteigvariante des französischen Pâte sablée wird mit 21 Fotos erklärt, der Fettziegel-Blätterteig mit 22 Bildern.
Es gibt also viel zu tun – backen wir's an!
Wer braucht das? Scheuklappenfreie Freunde des gepflegten Backwahns.
Typisches Rezept? Tropézienne mit Mascarpone und Feige
Was kostet das? 32 Euro
Preisabfragezeitpunkt
17.10.2026 09.30 Uhr
Keine Gewähr
Daniel Speck: »Terra Mediterranea – Eine kulinarische Reise ums Mittelmeer«
Der mit dem Grimmepreis dekorierte Münchner Filmhistoriker und Drehbuchautor Daniel Speck ist dafür bekannt, mit tief eingefühlten Geschichten Brücken zwischen Kulturen zu bauen – wie in seinem als Dreiteiler verfilmten Roman »Bella Germania« oder dem Reisebestseller »Piccola Sicilia«.
In seinem aktuellen Buch »Terra Mediterranea« lädt er nun ein zu einer kulinarischen Reise rund ums Mittelmeer, bei der wir immer wieder auch an die Herde dreier für die jeweilige Region stehende Starköche und -köchinnen geführt werden. Obwohl Martina Caruso (Salina), Jacob Lellouche (Tunis) und Fadi Kattan (Bethlehem) insgesamt 58 leicht nachkochbare Rezepte beisteuerten, stehen die Kochanleitungen nicht im Mittelpunkt der Erzählungen. Aber sie bieten die einmalige Chance, die in Specks einfühlsamen Texten vermittelten optischen Assoziationen auch auf die Zunge zu bekommen.
Die von dem Sizilianer Giò Martorana opulent und kunstvoll mit Fotos begleiteten Geschichten führen uns auf 272 Seiten zu drei Stationen dieses Kulinarik-Trips. Auf die Insel Salina vor der Nordküste Siziliens etwa. Und in die Märkte, Hinterhöfe und Esszimmer von Tunis. Schließlich aber auch in die Levante, wo sich in Bethlehem die Schnittstellen der libanesischen, syrischen, irakischen, jordanischen, palästinensischen und israelischen Küchen zu einer Völker-verständigenden panarabischen Genussformel materialisieren.
Und immer wieder treiben einen die verführerischen Rezepte von der Lesecouch an den Herd: Auberginen-Bottoni in Bergminzesud, Muluchiya mit Lamm und Klippfisch a Ghiotta – überall scheint plötzlich die warme Sonne des Mare Nostrum aus unseren Pfannen und Töpfen.
Manchmal beschert einem das Kochen schon eine wundersame Zeit.
Wer braucht das? Jeder, der die Sonne des Mittelmeeres in seine Küche scheinen lassen will.
Typisches Rezept? Zwiebel-Kapern-Salat mit Kreuzkümmel
Was kostet das? 29,90 Euro
Preisabfragezeitpunkt
17.10.2026 09.30 Uhr
Keine Gewähr