Spargel- und Sparschäler im Test Haut ab!
Die Schale muss runter. Aber nur so weng wie nötig
Foto: Petra Schneider-Schmelzer / imago imagesDieser Testbericht ist erstmals am 1. Mai 2021 erschienen. Wir haben ein neues Produkt getestet und den Artikel aktualisiert.
Bei wenigen Gemüsen kann man in der Küche so viele Fehler machen wie beim Asparagus officinalis. Der gemeine weiße Stangenspargel ist die vielleicht deutscheste aller Speisenobsessionen. Andererseits haben Kochfehler den Vorteil, gute Lehrmeister zu sein – weil wir dabei am eigenen Leib erfahren, was man alles falsch machen kann.
Wie zum Beispiel unsere weitgereiste, polyglotte neue Nachbarin. Eines Abends klingelte sie völlig verzweifelt an unserer Tür: Fast zwei Stunden koche nun schon ihr Spargel vor sich hin, doch er sei immer noch so hart wie zuvor.
Wohl wissend, dass sie ihr bisheriges Leben vor allem in den USA, Ägypten und England verbracht hatte, musste ich nicht mit runter in ihre Küche gehen. Die Ferndiagnose war einfach: In diesen Ländern gibt es nur den per Natur bereits küchenfertig geernteten grünen Spargel. Niemand hatte ihr erzählt, dass man den Weißen vor dem Kochen schälen muss.
Ein kleines hämisches Grinsen habe ich mir verkniffen, weil ich sonst erst einmal vor meiner eigenen Spargelpatzer-Tür hätte kehren müssen. Denn immer wieder war auch ich auf diverse Versprechen der Küchengeräteindustrie hereingefallen, immer in der Hoffnung, die lästige Spargelschäl-Fronarbeit in der Zeit von Mitte April bis zum Abstechen am Johannistag (24. Juni), abzukürzen.
Wir teilen nämlich diese deutsche Obsession und essen während der Saison derart oft Spargel, dass uns die Stangen Mitte Juni schon aus den Ohren zu wachsen scheinen. Inzwischen sind meine Versuche, mit neu erdachten Kochrezepten aus dem Spargel-Kartoffel-Hollandaise-Alltag auszubrechen, so zahlreich geworden, dass daraus sogar ein kleines Kochbüchlein entstanden ist.
Preisabfragezeitpunkt
17.10.2026 09.29 Uhr
Keine Gewähr
Dafür musste ich auf der Technikseite immer wieder Enttäuschungen erleben. Eine der teuersten Fehlinvestitionen war der längst nur noch auf Flohmärkten gehandelte »Der clevere Spargelschäler 2012« von Lurch. Diese komplizierte und nach Gebrauch kaum zu reinigende senkrechte Schälvorrichtung versprach, die Stangen in einem Rutsch zu schälen.
Doch dieses Versprechen hielt sie nicht einmal mit Spargel durchschnittlicher Dicke ein. Dünnere Exemplare fielen auf den Boden und zerbrachen, dickere blieben stecken, mittlere verloren entweder den Kopf oder mussten dreimal durchgezogen werden, bis endlich keine der beim Essen ungemein lästigen Spelzenstreifen mehr an den Stangen hingen.
Privat
Der zwischen Hamburg und Palma de Mallorca pendelnde Food-Journalist Peter Wagner kocht länger, als er für Geld schreibt: Seit seinem 16. Lebensjahr ist das Schnippeln, Simmern und Sautieren sein liebstes Hobby. Als furchtloser Esser mag der ehemalige Musikkritiker im Grunde alles, solange es mit Liebe und Verstand aus frischen Zutaten gekocht wird. Seit vielen Jahren beschäftigt er sich auch hauptberuflich mit Kochen, Essen, Reisen und Genießen und hat längst den Gegenwert eines Mittelklassewagens in der Gastronomie verzecht. Peter Wagner veröffentlicht Ernährungssachbücher und Kochbücher, schrieb die samstägliche Küchenkolumne »Hobbykoch« und ist Gründer und Herausgeber des Männerkochmagazins www.kochmonster.de . Aktuell ist sein Buch »MALLORCA – Essen, Trinken, Erleben« im Handel – ein Genuss-Reiseführer für die beliebte Urlaubsinsel.
Noch am selben Abend landete das Teil auf Ebay und ich holte reumütig meinen sturmerprobten Zangenschäler aus der Schublade. Der muss aber nicht für jedermann und -frau die richtige Lösung sein. Deshalb treten hier neben dem Klassiker noch drei Alternativen zum Schälwettstreit an. Denn beim Gemüseschälen ist es wie beim Karneval: Jede Jeck is anders.
Microplane Profi Y-Schäler mit gezahnter Klinge
Der vergleichsweise junge US-Hersteller, der aktuell das 30-jährige Firmenjubiläum feiert, ist mit seinen ultrascharfen Reiben weltweit in vielen Profi-Küchen vertreten. Auch die Klingen der Obst- und Gemüseschäler aus diesem Hause gehören zum Schärfsten, was der Markt zu bieten hat. Und doch scheiterten selbst diese Schneiden immer wieder am kniffeligsten aller Schäler-Jobs: dem Enthäuten vollreifer, weicher Tomaten. Meist enden solche Versuche mit einem Rückgriff auf die viel aufwendigere klassische Methode, dem Blanchieren mit anschließendem Eisbad. Aber erst, nachdem man die Überreste der zuvor versehentlich zerdrückten Tomaten weggewischt hat.
Für diese und vergleichbare Situationen – zarte Pelle auf weichem Kern – gibt es mit der gezahnten Version des Y-Schälers aus Microplanes »Professional«-Serie endlich ein Universalwerkzeug. Die Doppelklinge ist durch das bei allen Schneiden dieses Herstellers angewendete chemische Veredelungsverfahren rasiermesserscharf, die mikrofeinen Zähnchen hinterlassen auf dem Schälgut nur minimale Spuren.
Die Zahnung sorgt auch bei sehr empfindlichen und dünnen Obst- und Gemüse-Häuten für Halt und Führung. Noch nie zuvor konnte ich selbst voll ausgereifte Tomaten, Paprikaschoten, Mangos, Kiwis sowie Aprikosen, Pfirsiche und Nektarinen derart problemlos hauchdünn schälen, ohne sie dabei zu beschädigen. Weiche Papayas, die auf Druck oft mit braunen Stellen reagieren, lassen sich auf der Arbeitsfläche liegend schälen, weil die flexibel aufgehängten Messer der Kontur ohne jeglichen Anpressdruck folgen.
Der Y-Schäler ist ein Werkzeug, das nicht nur bekannte Probleme löst, sondern dazu animiert, es für allerlei vom Hersteller nicht geplante Dinge zu nutzen. So konnte ich mit dem Microplane-Schäler etwa unglaublich dünne Parmesanspäne vom Käse hobeln, Stangensellerie, Mangoldstiele und Rhabarber damit sauber von ihren Fäden befreien.
Sehr praktisch: Der Schäler darf sogar in die Spülmaschine. Muss er aber nicht, denn auch unter dem Wasserhahn wird er blitzschnell sauber.
Was ist das? Einer der wenigen Schäler, mit denen sich sogar vollreife Tomaten pellen lassen.
Wer braucht das? Jeder, der Paprika, Kiwi oder Mangos ohne Druckstellen oder Wasserbad schälen will.
Was kostet das? 22 Euro.
Westmark Spargelschäler
Theoretisch kann man mit jedem der drei Schäler-Grundprinzipien die Spargelhaut abziehen oder andere stangenartige Gemüsesorten von Karotten bis Schwarzwurzeln schälen. Da es aber nur beim Spargel zwei wirklich unterschiedliche Enden gibt, muss man sich entscheiden, in welche Richtung gearbeitet werden soll. Ich selbst vertraue auf die Frischheit und damit auf die Stabilität meines Einkaufs und schäle die am Kopf gehaltenen Stangen vom Körper weg.
Zu Beginn und ganz am Ende der Saison kann dabei (wie auch bei nicht top-frischer Ware) mal ein Köpfchen abbrechen, aber das passiert sehr selten. Der Vorteil für mich ist, dass bei dieser Bewegungsrichtung die Schalen gleich in den Wassertopf fallen, in dem ich sie zusammen mit den abgeschnittenen Enden zu jener Spargelbrühe auslauge, in der anschließend nach dem Abseihen auch die Stangen gegart werden.
Bei der Effizienz der Schalenentfernung hilft mir die Zangenkonstruktion des auch nach Jahren noch ohne Rostansatz oder Nachlassen der Zangenspannung robusten Westmark. Mit dem in der Bauart ähnlichen Schäler mit je einem Messer auf beiden Zangenflanken kommen manche Hobbykochenden im Gegensatz zu mir gut klar, was ich ihnen ein bisschen neide, weil sie damit um einiges schneller arbeiten können. Aber auch mit der Einfach-Version – durch doppelseitigen Messerschliff ebenfalls für Linkshänder geeignet – geht das Spargelschälen flott und sicher von der Hand.
Was langfristig für den Westmark spricht, sind die Ersatzklingen, die es für weniger als zwei Euro im Küchenbedarf nachzukaufen gibt. Nur so schafft man eine Allianz fürs Leben.
Was ist das? Ein preiswerter, sicherer und nachhaltiger Spargelschäler.
Wer braucht das? Jeder, der oft Spargel schält und mit den anderen Bauweisen nicht so gut klarkommt.
Was kostet das? 7 Euro
Lurch Sparschäler Sange
Generell müssen Partner für solche Lebensallianzen halbwegs miteinander klarkommen, sonst wird das nix. So wie bei den vertikalen Pendelschälern und mir. Jedes Mal, wenn ich sehe, wie jemand mit diesem Tool flott und sicher eine Kartoffel, eine Möhre oder gar Spargel schält, reibe ich mir die Augen und frage mich, was ich falsch mache. Wann immer ich damit herumeiere, bleibt am Ende schlampig geschältes Gemüse, nicht selten mit ein paar feinen Nagelsplittern versetzt, die ich mir ungewollt bei der Arbeit mit diesen Teilen abhoble.
Der Verzehr von kleinen Hornteilchen – das weiß jeder Fingernagelkauer – ist ebenso gesundheitlich unbedenklich wie bei der Bewirtung von Gästen unverzeihlich. Zur Ehrenrettung dieser Schäler sei gesagt, dass die Probleme mit der Solidität der Konstruktion, die hier ja sehr oft aus Billigplastik besteht, abnehmen.
Der Lurch Sparschäler (nicht zu verwechseln mit der Fehlkonstruktion von 2012) liegt mit seinem dick gepolsterten Silikongriff sogar in meiner Hand ganz gut und schält einigermaßen ermüdungsfrei auch Spargel und Salatgurken vorbildlich hauchdünn.
Die angebliche »Spülmaschinentauglichkeit« würde ich nicht wörtlich nehmen, denn dadurch wird das Messer rasch stumpf, und es gibt leider keine Ersatzklingen zum Auswechseln. Und dann hilft nach ein paar Monaten auch die nachhaltigste (weil dünnste) Schälstärke dem Planeten nicht weiter.
Was ist das? Ein für die vertikale Bauart außergewöhnlich gut verarbeiteter Schäler.
Wer braucht das? Jeder, der am liebsten mit dieser Konstruktionsweise sein Gemüse schält.
Was kostet das? 15 Euro,
WMF Profi Plus Pendelschäler
Nachhaltigkeit bedeutet in der Küche ja auch, sich immer dann noch ein paar Extragedanken zu machen, wenn die Anschaffung eines Teils ansteht, das man so ähnlich längst in der Schublade oder im Schrank hat. Deshalb benutze ich seit Jahrzehnten nur zwei Schäler, bei denen sich jeweils die Klingen nachkaufen lassen.
Der andere neben den nur für Spargel und Schwarzwurzeln benutzten Monopol ist an meiner Küchengeräteleiste der WMF Profi Plus Pendelschäler. Der löste vor langer Zeit seinen bauähnlichen Vorgänger von Rösle ab, weil der trotz auch hier versprochener Spülmaschinentauglichkeit binnen weniger als 18 Monaten von der scharfen Spül-Lauge so angegriffen war, dass der Schälkopf oben aus dem Griff brach. Diese Sollbruchstelle ist beim WMF komplett aus Edelstahl gefertigt, weswegen trotz Maschinenreinigung inzwischen schon die fünfte Ersatzklinge (ca. 5 Euro inkl. zweier neuer Befestigungsschrauben) im Einsatz ist – alle eineinhalb bis zwei Jahre kommt eine neue dran.
Der Profi Plus ist mit seinem ausgewogenen Gewichtsverhältnis, der sich jedem Schälgut perfekt anpassenden Pendelkonstruktion und den Klingen mit guter Schnitthaltigkeit bei mir täglich im Einsatz und schont auch bei sehr großen Gemüsehaufen die Sehnen der Hand. In meinem Fall der rechten, ein Linkshändermodell gibt es nicht.
Was ist das? Ein robustes und nachhaltiges Arbeitstier für alle Schäl-Fälle.
Wer braucht das? Ein solch guter Allrounder sollte in jeder Küche zu finden sein.
Was kostet das? 18 Euro