Traeger Pelletgrill 575 im Test - DER SPIEGEL
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Pelletgrill im Test Dem Raucher gelingen auch schwierige BBQ-Jobs

Schluss mit glühenden Kohlen! Pelletgrills garen Fisch, Fleisch und Gemüse im heißen Rauch aromatischer Hölzer. Am Beispiel eines Traeger-Grills hat unser Autor Vor- und Nachteile dieser Methode ausgelotet.
Eine Pelletgrill ermöglicht eine Mischung aus Grillen und Smoken: Das Tomahawk-Steak ist innen saftig und außen rauchig
Eine Pelletgrill ermöglicht eine Mischung aus Grillen und Smoken: Das Tomahawk-Steak ist innen saftig und außen rauchig

Eine Pelletgrill ermöglicht eine Mischung aus Grillen und Smoken: Das Tomahawk-Steak ist innen saftig und außen rauchig

Foto: Peter Wagner

Wenn es sich trotz Klimawandels einbürgert, dass der gefühlte Winter in unseren Breiten bis in den Mai reicht, werden die Besitzer von Allwetter-tauglichen Grillgeräten übers Jahr gesehen klar im Vorteil sein. Zu diesen Geräten gehören neben Smoker-Ungetümen im »Chuckwagon«-Look auch die Holzpellet-Grills. In einem mehrmonatigen Langzeit-Test habe ich ein Gerät des Pellet-BBQ-Erfinders Traeger gegen eine Weber-Gasgrillstation und einen Baumarkt-Kugelgrill antreten lassen.

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Traeger Pelletgrill 575

Grills, in denen ein elektrischer Schneckenantrieb glimmende Holzpellets in die Brennkammer schaufelt, gibt es seit 1986. Der Amerikaner Joe Traeger ließ sich das Prinzip damals patentieren, ist mit seinen Geräten seither ununterbrochen US-Marktführer in diesem Bereich. Auch hierzulande wird das Grillen mit den zu kleinen Würmchen gepressten Sägeresten von Aromahölzern wie Apfel, Hickory und Kirsche immer beliebter.

Nach einigen Monaten mit dem System 575, das preislich wie größenmäßig im Mittelfeld des Traeger-Portfolios liegt, bin ich begeistert – zumindest im Rahmen dessen, was mit Pelletgrills möglich ist. Denn als alleiniges »Grillsportgerät« ist die Pellet-Technologie nicht geeignet. Zwar lässt sich damit perfekt rauchgaren, das direkte Rösten von Grillgut bei Temperaturen über 200 °C ist aber nicht möglich. Wer Dinge wie Würstchen, Lammkoteletts, Gemüse-Spieße und Fischfilets rasch bei großer Hitze kross rösten möchte, wird um die Anschaffung eines Zweitgrills, zusätzlich zum Traeger, nicht herumkommen.

Der Traeger 575 rauchte mehrere Monate lang auf der Terrasse neben unserer altbewährten Gasgrillstation (Weber Genesis E320) und einem kompakten No-Name-Holzkohle-Kugelgrill aus dem Baumarkt, den wir hin und wieder zum Picknick mitnehmen. Aufgebaut ist der gut einen Meter breite und 60 Kilogramm schwere Traeger zu zweit in zwei bis drei Stunden, das Einbrennen dauert eine weitere Stunde. Die Steuerung per App konnte ich nicht testen, weil der Grill nur WLANs mit der alten 2,4-GHZ-Technik unterstützt, meines aber im 5-GHZ-Bereich funkt. Traeger empfiehlt notfalls die Anschaffung eines 2.4 GHz-WLAN-Routers, nur für den Grill, aber das war mir der Spaß dann doch nicht wert.

Große Fleischstücke sind die Stärke von Pelletgrils. Das abtropfende Fett fließt über ein Blech in einen Auffangeimer

Große Fleischstücke sind die Stärke von Pelletgrils. Das abtropfende Fett fließt über ein Blech in einen Auffangeimer

Foto: Peter Wagner

Ohnehin bot die Bedienung mittels Eingabefeld in Verbindung mit dem integrierten Temperaturfühler alles, was ich benötigte, um großartig rauchgegrillte Cuts genießen zu können. Abgesehen von seiner exakten Temperaturführung ist der Traeger in dieser Konstellation nicht smarter als herkömmliche Grills, bei denen man sich von einem Grillthermometer auf das Erreichen der Zieltemperatur aufmerksam machen lassen kann. Alternativ lässt sich der Traeger bei fest eingestellter Temperatur auch über den integrierten Timer steuern.

Keine Flammen, nur Aromen

Für die zunehmende Popularität von Pelletgrills sorgen unter anderem große Grillwettbewerbe in den USA. Beim »American Royal« in Kansas City tritt inzwischen mehr als die Hälfte der etwa 500 Teams mit Pelletgeräten an und gewinnen in Smoker-Disziplinen wie »Brisket« (Rinderbrust) und »Pulled Pork«. Kein Wunder, denn obwohl diese Grills mit Holz heizen, lassen sie sich durch raffinierte Technik so exakt regeln wie Gasgeräte. Zudem haben sie ein schräg verlaufendes Blech, das austretendes Fett auffängt und in einen Eimer tropfen lässt – aber nie ins Feuer. Deshalb können keine Stichflammen hochschlagen, die ungesunde Verbrennungsreste am Grillgut hinterlassen würden.

Anders als beim Holzkohle- oder Gasgrill kommt es beim Pelletgrill nicht zur klassischen Maillard-Bräunungsreaktion durch Strahlungshitze. Die Folge: Dünnere Steaks bleiben in der Konvektionswärme der heißen Pellet-Luft blass wie im Backofen, Würstchen platzen auf. Dafür produziert das langsame indirekte Grillen von größeren Fleischteilen im aromatischen Rauch parfümierte und himmlisch zart-saftige Ergebnisse, wenn man etwa bis zu drei Hühnchen nebeneinander, ganze Lammkeulen oder bis zum 6-Kilo-Prime Rib am Stück gart. Dasselbe gilt für sogenannte »Long Jobs«, also die heilige Dreifaltigkeit des Smokens: Beef Brisket, Pulled Pork und Spareribs.

Weder im Kugelgrill noch auf dem Weber-Gasgrill bekamen wir auch nur annähernd so perfekte und delikate BBQ-Jobs wie Grillhuhn, Tomahawk-Steak, im Ganzen gesmokter Blumenkohl oder Fall-Off-The-Bone-Ribs hin. Und das auch in den Wintermonaten: Selbst bei Minusgraden hält der Traeger die eingestellte Garraumtemperatur bis zum Maximum von 260 °C in einem Bereich von Plus/Minus 5 °C konstant. Wem selbst diese minimalen Schwankungen zu viel sind, kann als Zubehör eine Winter-Ummantelung für den Grill erwerben.

Alles im Blick: Die maximale Grilltemperatur von 260 °C schwankt um maximal fünf Grad, die per Fühler gemessene Fleisch-Kerntemperatur ist noch sieben Grad vom Zielwert 90 °C entfernt

Alles im Blick: Die maximale Grilltemperatur von 260 °C schwankt um maximal fünf Grad, die per Fühler gemessene Fleisch-Kerntemperatur ist noch sieben Grad vom Zielwert 90 °C entfernt

Foto: Peter Wagner

Finger weg von Billig-Pellets

Unabhängig von ihren systembedingten Einschränkungen hat die Pellettechnik im Vergleich zu Kugel- und Gasgrill in ein paar Disziplinen die Nase vorn. So benötigt der Traeger etwa 15 Minuten, bis er 200 °C Innentemperatur erreicht, in etwa so lange wie meine Gas-Grillstation. Der Holzkohle-Kugelgrill braucht doppelt so lange.

Bei den Long Jobs spielt der Traeger-Grill dann seine Marathon-Qualitäten aus: Beim Kugelgrill muss man nach spätestens drei Stunden Briketts nachlegen, der Gasgrill mit drei Brennern benötigt nach ca. 20 Stunden eine neue 11-kg-Flasche, der Traeger hingegen hält, je nach Jahreszeit und Grilltemperatur, mit einer Pelletfüllung mehr als 24 Stunden durch. Länger kann nur ein Elektrogrill: Der heizt, solange die Stromrechnung bezahlt wird.

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Ein Nachteil des langen Pellet-Atems ist der hohe Preis für das Brennmittel. Trotz der stark gestiegenen Gaspreise liegen die Verbrauchskosten meines Weber-Gasgrills bei knapp unter einem Euro pro Grillstunde. Dasselbe gilt in etwa auch für den Holzkohle-Kugelgrill. Beim Traeger indes muss man, je nach verwendeter Pellet-Sorte, mit Kosten von 1,70 bis 2,00 Euro pro Stunde rechnen. Die – verbotene – Nutzung billiger Heizungspellets ist übrigens keine empfehlenswerte Alternative, denn deren Weichholzharze erzeugen im Grill giftige Phenole.

Mit den maximal acht Kilogramm Pellets in der seitlichen Brennstoffbox kann man gut 20 Stunden lang grillen

Mit den maximal acht Kilogramm Pellets in der seitlichen Brennstoffbox kann man gut 20 Stunden lang grillen

Foto: Peter Wagner

Was man wissen sollte: Pelletgrills benötigen einen Stromanschluss. Und zwar sowohl für den Schneckenmotor, der die Pellets in die Brennkammer transportiert, als auch für den Ventilator, der die Glut anbläst. Und: Für unterwegs ist der Traeger mit seinen knapp 60 Kilogramm eher ungeeignet. Allerdings ist auch der große Gasgrill von Weber nicht gerade leicht beweglich, eher schon der Kugelgrill, der zur Not auch auf das Lastenrad passt. Auch die Lagerung des Brennstoffs ist beim Traeger knifflig, denn die Pellet-Säcke vertragen keine Feuchtigkeit. Dafür verbrennen die kleinen Holzpillen besser als Holzkohle oder Briketts, hinterlassen deutlich weniger Asche.

Wo Preis und Platz keine Rolle spielen, darf ein Pelletgrill also durchaus Inhalt des Nachtgebetes sein. Dann aber idealerweise in Kombination mit einem Zweitgerät zum direkten Rösten, also einem kleinen Holzkohlegrill, einem Gasgrill mit Hochtemperatur-Zone oder einem Oberhitze-Grill. Die gibt es inzwischen schon für 80 Euro.

Was ist das? Eine kompakte BBQ-Station zum Pellet-getriebenen Rauchgrillen von größeren Fleischstücken und ganzem Geflügel.

Wer braucht das? Jeder, der auf das direkte Röst-Grillen von Steaks und Würstchen verzichten kann – und Zeit sowie Platz genug hat, dies mit einem zweiten Gerät zu erledigen.

Was kostet das? 899 Euro


Vor- und Nachteile des Traeger 575 im Überblick

Vorteile

Nachteile

Perfektes indirektes Grillen

Kein direktes Grillen möglich

Sehr genaue Temperatursteuerung

Vergleichsweise teures Brennmittel

Nachwachsender Brennstoff

Steckdose nötig

Verschiedene Aromahölzer zur Auswahl

App-Steuerung nur in 2.4 GHz-WLAN

Kaum Ruß auf dem Fleisch

Das Absaugen der Asche ist umständlich

Kann unbeaufsichtigt betrieben werden

Starke Rauchentwicklung beim Aufheizen

Mehr als 24 Stunden Dauergrillen pro Füllung

Nur ca. 100 g Asche bei 10 kg Pellets

Leise

Hintergrund: Produkttests im Ressort Tests