Dioxin-Skandal: Preis für Schweine bricht ein - DER SPIEGEL
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Dioxin-Skandal Preis für Schweine bricht ein

Es ist ein selten dagewesener Preisverfall: Innerhalb einiger Tage brach der Preis für Schweine um 17 Prozent ein. Landwirte verdienen dadurch pro Tier 34 Euro weniger als noch vor wenigen Wochen.
Schwein auf einem Betrieb in Schleswig-Holstein: Enormer Preiseinbruch
Schwein auf einem Betrieb in Schleswig-Holstein: Enormer Preiseinbruch

Schwein auf einem Betrieb in Schleswig-Holstein: Enormer Preiseinbruch

Foto: Bodo Marks/ dpa
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Dioxin-Skandal

Bonn/Berlin - Zunächst waren es nur die gesperrten Betriebe, denen der hohe finanzielle Verluste bescherte. Doch nun bekommen weitere Landwirte die Folgen zu spüren. Besonders hart trifft es Schweinemäster. Denn der Preis für Schweine ist auf einen neuen Tiefstand gesackt: Ein Kilo Schlachtfleisch kostete zuletzt nur noch etwa 1,13 Euro. Zum Jahresende waren es noch 1,31 Euro pro Kilo.

Am Freitag brach der Preis um 23 Cent ein, teilte die Agrarmarkt Informations-GmbH (AMI) mit. Das sei ein Minus von 17 Prozent und ein Preisverfall, der "in dieser Höhe vielleicht noch nie dagewesen ist", sagte ein Sprecher. "Wir haben aus der Vergangenheit nichts Vergleichbares gefunden." Für die Landwirtschaft bedeute dies innerhalb weniger Wochen einen Erlösrückgang von mehr als 34 Euro je Schwein. Verschärft werde die Lage zusätzlich dadurch, dass in den vergangenen Wochen die Futterkosten stark gestiegen seien.

Jeden Freitag legen die deutschen Landwirte den Kilopreis neu fest. Er orientiert sich an Angebot und Nachfrage. Mitte Juni hatten die Erzeuger pro Kilo noch 1,57 Euro erlöst - das war der Höchststand 2010. Auf dem Höhepunkt der Grillsaison im Jahr 2008 erzielten die Schweinebauern Ende August/Anfang September nach AMI-Angaben sogar 1,83 Euro pro Kilo.

Die Verbraucher kauften wegen des Dioxin-Skandals weniger Fleisch vom Schwein, erklärten die Marktbeobachter den Preiseinbruch. Dadurch sei ein Überangebot entstanden. Die deutsche Schweinefleisch-Branche gilt als sehr exportabhängig, doch die Ausfuhren sind derzeit gering. Denn China und Südkorea importieren derzeit kein Schweinefleisch aus Deutschland. Auch aus anderen Ländern wie Russland, Polen oder Frankreich sei die Nachfrage schwach, teilte die AMI mit. Das Angebot übertreffe die schwache Nachfrage "bei weitem".

Die Landwirte hofften nun, dass mit dem neuerlichen Abschlag "der Preis seinen Boden gefunden hat", sagte der AMI-Sprecher. Nun hänge viel davon ab, wie schnell die Verbraucher im In- und Ausland wieder Vertrauen hätten.

Auch bei Eiern ist der Absatz infolge des Giftskandals eingebrochen. Er ging nach Angaben der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie um circa 20 Prozent zurück. Auch vor Hühnerfleisch schrecken die Verbraucher demnach zurück.

mmq/dpa/AFP