Neue Studie Abwaschen entfernt Pestizide auf Obst nicht vollständig
Abspülen reicht nicht: Manche Pestizide fand man auch unter der Schale
Foto: Yiu Yu Hoi / Moment / Getty ImagesObst und Gemüse soll man vor dem Verzehr abwaschen. Mit dieser Regel ist man auf der sicheren Seite, die Pestizide und andere Schadstoffe werden einfach weggespült – so die landläufige Meinung. Doch neue Forschertests legen nun nahe, dass das nicht ausreichen könnte. Der Grund: Die Pestizide dringen von der Schale ins Fruchtfleisch ein. »Das Risiko der Aufnahme von Pestiziden aus Früchten lässt sich also nicht durch einfaches Waschen, sondern nur durch Schälen vermeiden«, heißt es in der Studie, die im Fachjournal »Nano Letters« der American Chemical Society veröffentlicht wurde.
Die Forschenden entwickelten für die Studie eine Methode mithilfe der Nanotechnologie, um Spuren von Pestiziden auf und in Lebensmitteln genauer zu messen. Durch die sogenannte »oberflächenverstärkte Raman-Spektroskopie« (SERS) werden Metallnanopartikel verwendet, um die Signale von Molekülen zu verstärken, wenn sie einem Laserstrahl ausgesetzt werden. Durch die anhand des Streulichtes erzeugten Muster können die Forschenden auch kleine Mengen chemischer Verbindungen erkennen. Die chinesischen Forscher um den Chemiker Dongdong Ye legten eine metallbeschichtete Membran um das Obst.
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In einem Experiment mit Äpfeln konnten sie nachweisen, dass die Pestizide auch noch rund 0,03 Millimeter (30 Mikrometer) unter der Schale vorhanden waren, heißt es in dem Beitrag. »Durch herkömmliche Verfahren zur Obstreinigung können Pestizide nicht vollständig entfernt werden«, schlussfolgern die Autorinnen und Autoren deshalb. Man könne beweisen, dass die Pestizide durch die Schalenschicht bis in die Fruchtfleischschicht vorgedrungen seien. Die Pestizidbelastung nahm hingegen beim Schälen des Apfels stark ab.
Wie schädlich sind Pestizide?
Umstritten ist, wie schädlich Pestizide in welcher Menge sind. So gibt es etwa in den USA seit Monaten einen Konflikt zwischen dem US-Landwirtschaftsministerium und einer Verbraucherorganisation um Pestizidgrenzwerte. Die Behörde hatte 99 Prozent aller getesteten Obst- und Gemüsesorten für gesundheitlich unbedenklich erklärt. Zwar wiesen mehr als 72 Prozent der über 10.000 Lebensmittelproben nachweisbare Pestizidrückstände auf – diese seien aber nicht gesundheitsschädlich.
Die Verbraucherorganisation Consumer Reports hingegen erkannte bei 20 Prozent von fast 60 Obst- und Gemüseproben »erhebliche Risiken« für die Verbraucher. Sie nahm jedoch niedrigere Grenzwerte an als das Ministerium. Sie werfen den Behörden vor , die geltenden Standards entsprächen nicht dem neuesten Stand der Wissenschaft.