Vier Gerichte, zusammen für rund zehn Euro: Los geht’s!
Foto: Sebastian Maas / DER SPIEGELKochen ohne Kohle Einfaches Weihnachtsessen für vier – für weniger als drei Euro pro Person
Rund um das Jahresende befindet sich die Zeit in einer Art Quantenzustand, denn man hat gleichzeitig zu viel und zu wenig davon. Zumindest mir geht es oft so: Einerseits bin ich gehetzt und fahre Hunderte Kilometer zwischen verschiedenen Teilen der Familie(n) hin und her. Andererseits kann sich die Zeit auf der Couch von Oma manchmal endlos lang anfühlen. Besonders, wenn man sich mit jemandem über Politik unterhält, der nach ein paar Gläsern Rotwein erzählen möchte, was er auf Telegram gelesen oder brandheiß auf WhatsApp geteilt hat. Ob es in diesem Jahr eher um den Klimawandel, die Grünen oder angeblich verbotene Weihnachtsbäume in Kitas gehen wird? Ich nehme noch Wetten an.
Wo es geht, verziehe ich mich lieber in die Küche. Dort kann ich anderen eine Freude machen und muss mich mit niemandem über Unsinn streiten. Anders als im Wohnzimmer ist Zeit hier aber ein kostbares Geschenk.
Deshalb gibt es heute gleich vier Rezepte, die nicht nur günstig im Einkauf, sondern auch ziemlich einfach gemacht sind. Sie ergeben zusammen ein leckeres Abendessen, können einzeln aber problemlos mit anderen Menüs kombiniert werden. Es beginnt mit einem gehobelten Rote-Bete-Carpaccio, dazu kommen zwei einfache Beilagen (Ofenkartoffelsalat und Restaurant-Level-Karotten) mit je etwa fünfzehn Minuten Arbeitsaufwand. Zuletzt gibt es einen sicherlich nicht unumstrittenen rauchig-süßen, honigglasierten Selleriebraten. Der ergibt ein schönes Herzstück für die weihnachtliche Tafel – wer keinen Sellerie mag, wird daran aber wenig Freude finden. Als Alternative bietet sich Blumenkohl an, der ist gerade jedoch recht teuer. Alles zusammen sollte für die verbrauchten Zutaten nicht mehr als drei Euro Warenwert pro Person kosten.*
Die Gerichte in diesem Beitrag sind jeweils für vier Personen gedacht, als Beilage oder Komponente eines größeren Menüs. Für den Preis (und die Umwelt) habe ich auf tierische Produkte verzichtet, wer aber etwa den Salat mit Ziegenkäse aufpeppen möchte oder die Kartoffeln neben seinen Gänsebraten stellen möchte, kann das natürlich gern tun.
Rote-Bete-Carpaccio, ein Salat (fast) ohne Schnippelei
Ein Hobel erspart heute stundenlanges Gemüseschneiden – und sorgt gleichzeitig für eine noble Präsentation. Wer das mit dem Messer hinbekommen möchte, braucht mehr Zeit und Geduld.
Foto: Sebastian Maas / DER SPIEGEL1 Rote Bete, roh
1 Orange
8 Radieschen
1/2 Paket Feldsalat
etwas Salz und Öl
einen möglichst feinen Gemüsehobel
Was kostet das? Zusammen etwa 2,60 Euro, also 65 Cent pro Portion
Wie lange dauert das? Etwa fünfzehn Minuten
Die Rote Bete schälen und in feine Scheiben hobeln. Diese flach auf einem großen Teller verteilen, leicht salzen.
Die Radieschen gut waschen, ebenfalls hobeln und ringförmig auf der Bete verteilen.
Den Feldsalat gut waschen, eventuell vorhandene Wurzeln einfach abknipsen. Den Salat zu einem kleinen Berg auf dem Teller aufrichten.
Die Orange schälen und filetieren (wie das geht, habe ich hier mal genauer erklärt). Die Filets nonchalant auf den Salat legen.
Den Saft aus der restlichen Orange kurz vor dem Servieren über dem Salat verteilen, ebenso wie etwas Öl. Fertig!
Ofenkartoffelsalat mit gebackenem Knoblauch und Lauch
Weihnachten und Kartoffelsalat: Passt seit jeher gut zusammen. Im Nachhinein hätte ich den Lauch jedoch gern kleiner geschnitten – auch Kochkolumnisten machen Fehler.
Foto: Sebastian Maas / DER SPIEGEL1 kg kleine Kartoffeln mit Schale
1 Knolle Knoblauch
2 Stangen Lauch / Porree
Etwas Petersilie
Salz und Öl
Was kostet das? Etwa 3,60 Euro, also 90 Cent pro Portion
Wie lange dauert das? Zehn Minuten Arbeit und 40 Minuten Backzeit
Die Kartoffeln gründlich waschen, grüne Stellen großzügig mit dem Messer wegschneiden, ansonsten aber die Schale dran lassen. Die Kartoffeln halbieren.
Den Lauch putzen, längs halbieren und unter fließendem Wasser gründlich waschen. Dann in kleinere Stücke schneiden, ob Ringe, Streifen oder Filets.
Ein Backblech mit Backpapier auslegen und eine großzügige Menge Öl darauf verteilen. Kartoffeln darauf verteilen und kräftig salzen. Pro-Tipp: Die halbierten Kartoffeln mit der Schnittkante nach unten legen. Umso mehr Oberfläche das heiße Blech berührt, umso knuspriger können die Kartoffeln werden.
Den Knoblauch ungeschält köpfen, also etwa die obersten zehn Prozent abschneiden. Die Knolle oben etwas mit Öl begießen, salzen und in Alufolie einschlagen. Mit aufs Backblech legen und alles für rund 40 Minuten backen, bei 190 Grad Ober- / Unterhitze. Nach 20 Minuten den Lauch auf die Kartoffeln legen, alles mit einem Pfannenwender etwas durchmischen und weiter backen.
Lauch und Kartoffeln in eine Salatschüssel umfüllen. Den nun weichen Knoblauch (Vorsicht, heiß!) aus seiner Schale herauspressen und mit etwas Öl vermengen. Dieses als Dressing an Lauch und Kartoffeln geben.
Etwas Petersilie hacken und drüber streuen. Fertig!
Honig-Thymian-Karotten wie im Restaurant
Warum Gemüse im Restaurant oft besser schmeckt als zu Hause? Wegen Butter und Zucker
Foto: Sebastian Maas / DER SPIEGEL600 bis 800 g Karotten
ein paar Stiele Thymian
1 Esslöffel Honig oder Ahornsirup
1 großes Stück Butter, alternativ Öl
etwas Salz, mindestens 100 ml Wasser
Optional: etwas Orangensaft
Was kostet das? Etwa 2 Euro, also 50 Cent pro Portion
Wie lange dauert das? Zehn Minuten fürs Schneiden, weitere 15 auf dem Herd.
Die Karotten schälen, beide Enden entfernen. Längs halbieren und in asymmetrische, mundgerechte Stücke hacken. Wer Angeber-Karotten mit Grün hat, kann dieses auch nur leicht kürzen und dranlassen. Dann aber besonders gut waschen!
Die Karotten in eine breite Pfanne geben und in dem Öl oder der Butter zwei bis drei Minuten anschwitzen, um die natürliche Süße herauszukitzeln. Ein paar Stiele Thymian abzupfen und ein paar komplett lassen. Die »leeren« Stiele können weg, der Rest und die gezupften Kräuter wandern mit in die Pfanne.
Das Wasser, die Hälfte des Honigs und eine Prise Salz zugeben, aufkochen und auf mittlerer Hitze einfach verkochen lassen. In der Zeit kann man die Karotten einfach auf dem Herd in Ruhe lassen. Sollte das Wasser zu schnell verkochen, kann man den Schritt einfach wiederholen.
Wenn die Karotten gar sind (einfach mal eine probieren), die Hitze abstellen und den restlichen Honig oder Ahornsirup darüber verteilen. Wer vom Salat noch etwas Orangensaft übrig hat, gibt noch ein paar Spritzer davon auf die Karotten. Durchschwenken und warm servieren. Fertig!
Weihnachtlich glasierter Selleriebraten
Glasierter Sellerie: Der vegetarische Bruder vom Weihnachtsbraten
Foto: Sebastian Maas / DER SPIEGEL1 große Knolle Sellerie
3 Esslöffel Honig oder Ahornsirup
1 gehäufter Esslöffel Fruchtmarmelade, z.B. Cranberry
1 Teelöffel Misopaste (oder Sojasoße)
je 1/2 gestrichener TL Knoblauchpulver, geräuchertes Paprikapulver und Salz
Optional: etwas Zimt und Nelke
Was kostet das? Etwa 3,20 Euro für die verbrauchten Zutaten, also 80 Cent pro Portion.
Wie lange dauert das? Etwa zwei Stunden – sehr viel schneller geht es, wenn man den Sellerie halbiert. Das Meiste passiert jedoch im Ofen.
Die Wurzeln mit einem Messer vom Sellerie abschneiden, am besten so, dass eine gerade Schnittkante auf der Unterseite entsteht – dann steht der Sellerie besser im Ofen. Die restliche Schale mit einem Sparschäler entfernen.
Nun die schwere Entscheidung treffen: Soll der Sellerie als imposanter Braten in der Mitte des Tisches stehen (was mehr Garzeit bedeutet)? Oder reicht es, wenn er halbiert serviert wird (was Zeit und Energie spart)?
Einen großen Topf mit Wasser zum Kochen bringen, den Sellerie darin vorkochen. Eine ganze Knolle etwa 30 bis 40 Minuten, 20 bis 30 für halbierte. Optional: Das Wasser mit etwas Zimt und Nelke würzen. Nach dem Ende der Kochzeit das Wasser abgießen.
Alle Gewürze, Marmeladen und Soßen miteinander zu einer rauchig-würzig-süßen Paste vermengen. Den vorgekochten Sellerie in eine kleine Backform oder auf ein mit Backpapier ausgelegtes Blech legen und mit einem Viertel der Glasur bestreichen, entweder mit einem Pinsel oder einfach einem Löffel.
Den Ofen auf 190 Grad (Ober- / Unterhitze) bringen und den Sellerie backen, je nach Größe kann das 45 oder auch 90 Minuten dauern. Alle fünfzehn Minuten herausholen und mehr von der klebrigen Glasur aufstreichen. Aufpassen, dass nicht zu viel davon danebengeht – auf dem Backblech kann die schnell verbrennen.
Fertig ist er, wenn man ein Messer problemlos hineinschieben kann und die Messerspitze sich nach 5 Sekunden im Sellerie heiß anfühlt. Den Braten mit eben jenem Messer in dünne Scheiben schneiden und gemeinsam mit den anderen Beilagen servieren. Ein bisschen Biss darf er noch haben, das ist kein Problem.
Braten, Salat und Beilagen: Für die verbrauchten Zutaten habe ich um die zehn Euro ausgegeben – und ein Weihnachtsessen für vier gezaubert
Foto: Sebastian Maas / DER SPIEGELWer alle Gerichte am selben Tag zubereiten möchte, startet am besten mit dem Selleriebraten und macht dann mit den Kartoffeln weiter, die problemlos auf einem zweiten Blech im selben Ofen backen können. Den Salat bekommt man dann prima hin, während die Karotten auf dem Herd vor sich hin brutzeln.
Wie Sie es auch machen – ich wünsche Ihnen schöne Festtage. Und wenn im Wohnzimmer schon wieder darüber diskutiert wird, ob der Klimawandel vielleicht doch nicht existiert? Dann machen Sie einfach noch ein Dessert. Zeit haben Sie ja.
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*Und noch ein Hinweis zu den Preisen: Ich habe beim Discounter eingekauft und jeweils die verbrauchten Zutaten berechnet – wenn ich etwa einen Sack mit fünf Orangen kaufen musste, habe ich nur den Preis der einen verwendeten angegeben. Die restlichen kommen im Laufe der Woche ja auch noch auf den Tisch und landen nach dem Kochen nicht in der Tonne.