»Everything«-Schnecken: Heiß und lecker gefüllt
Foto: Sebastian Maas / DER SPIEGELKochen ohne Kohle Everything-Bagel-Schnecken im »Bacon, Egg & Cheese«-Style, für 1,70 Euro das Stück
Wer linke, grüne oder sozialdemokratische Freunde und Familienmitglieder hat, konnte in der vergangenen Woche etwas Ungewohntes auf deren Gesichtern beobachten. Die Mundwinkel waren sonderbar nach oben gerichtet, und in ihren Augen glomm ein schüchternes Licht. Ich selbst konnte es bei mir zwischenzeitlich erhaschen, wenn ich morgens in den Spiegel sah. Könnte das … Hoffnung sein? Hatten wir die nicht begraben, als Donald »MAGA« Trump und Friedrich »Stadtbild« Merz gewählt wurden?
Der Grund für dieses zaghafte Wiedererwachen von etwas anderem als Weltschmerz ist nicht etwa, dass in Trumps Verstand zunehmend die Sonne untergeht, sondern der überragende Erfolg des linksflügeligen Demokraten Zohran Mamdani bei der Bürgermeisterwahl in New York. Der charismatische Mittdreißiger hat es geschafft, im Herzen des Weltkapitalismus mit linken Themen wie »Mietpreisbremse«, »bezahlbare Lebensmittel« und »kostenlose Busse« zu gewinnen. Obwohl reiche Großspender Millionen aufwendeten, um ihn zu verhindern.
Bafög oder Azubigehalt sind schon wieder fast aufgebraucht? Der Obstkorb beim unbezahlten Agenturpraktikum war geräubert? Und bitte nicht schon wieder Pizzatoast? Alles kein Problem: In dieser Kolumne zeigt SPIEGEL-Redakteur und Hobbykoch Sebastian Maas, wie man trotz Flaute auf dem Konto leckere und besondere Gerichte zaubern kann. Dabei gibt es nur zwei Regeln:
Eine Portion darf maximal so viel kosten wie ein Essen in der Mensa, also drei Euro.
Teure Spezialgeräte sind tabu.
Ganz ähnliche Themen eigentlich wie bei Heidi Reichinnek, der erfolgreichsten deutschen Politikerin auf TikTok. Meine nicht so steile These: Akut steigende Lebenshaltungskosten und anhaltend unfaire Vermögensverteilung sind relevanter für die meisten Menschen als rechte Kulturkampf-Chimären.
Für einen kurzen Moment jedenfalls fühlte es sich wieder so an, als könnte man als »eher links« denkender Mensch doch alles haben: Spaß, Hoffnung, Perspektive, Zukunft und kurz mal keine Angst vor dem Erstarken des Totalitarismus.
Zu Ehren dieses Gefühls gibt es heute ein Fusion-Gericht, das von der Stadt inspiriert wurde, die Mamdani gewählt hat: Angelehnt an zwei legendäre New Yorker Kulturgüter, den »Everything-Bagel« und das »Bacon, Egg & Cheese Sandwich« (die ich beide im Januar bei meinem New-York-Trip im Übermaß genossen habe) zaubere ich eine in doppelter Hinsicht günstige Kreation.
Sesamsaat
Mohnsaat
grobes Meersalz
getrockneter oder granulierter Knoblauch
getrocknete Zwiebeln / Röstzwiebeln
andere Saaten und Gewürze nach Wahl
Eine feste Dosierung oder genaue Mengenangaben gibt es nicht, weil jeder Bagelbäcker seinem eigenen Rezept folgt. Tipps aber: Sparsam mit Knoblauch/Zwiebeln sein und eventuell verwendete Röstzwiebeln klein hacken, damit sie angenehmer zu essen sind.
Weil ich den Bagel aus der Rechnung herausnehme, sparen wir viele Kalorien und Kohlenhydrate. Stattdessen nehme ich Reispapier und wickle die Füllung aus Rührei, Käse und angebratenem Bacon darin ein. Weil ich an meine linksgrünen Freunde denke, nehme ich heute aber natürlich Veggie-Bacon-Würfel. Bestreut wird die Schnecke mit meinem selbst gemachten »Everything«-Gewürz.
Nach kurzer Backzeit wird daraus eine genial knusprige Frühstücksschnecke mit etwa 25 Gramm Protein auf 350 Kilokalorien. Die Idee dafür habe ich von Koch Josh Gale – der bei sich auch eine gewichtigere »Big Mac«-Variante im Angebot hat.
Das benötigt man für zwei Low Carb »Bacon, Egg and Cheese«-Rolls
Schwer zu sehen, da fast durchsichtig: Vier große Blätter Reispapier reichen für zwei Schnecken.
Foto: Sebastian Maas / DER SPIEGEL4 Blätter Reispapier (Durchmesser >20 cm)
4 Eier
30 g (Veggie-)Bacon- oder Schinkenwürfel
60 Gramm Streu- oder Reibekäse nach Wahl
2 Lauchzwiebeln
2 EL Everything-Bagel-Gewürz (siehe Kasten)
Salz und Pfeffer, Öl
Wie lange dauert das? Etwa 25 Minuten
Was kostet das? Etwa 1,70 Euro pro Schnecke
Gar es ohne Bares!
Sebastian MaasPreisabfragezeitpunkt
17.10.2026 06.33 Uhr
Keine Gewähr
So macht man Low Carb »Bacon, Egg and Cheese«-Rolls
Etwas Öl in eine heiße Pfanne gießen, dann die Schinkenwürfel für wenige Minuten darin anbraten.
Die Lauchzwiebeln waschen und klein hacken. In die Pfanne geben.
Drei Eier in eine Schüssel aufschlagen, eine Prise Salz und Pfeffer dazu, dann mit einer Gabel verquirlen. Die Eier dann zum Schinken in die heiße Pfanne geben. Etwa zwei bis drei Minuten durchgaren, dabei immer wieder mit einem Pfannenwender durchrühren und wenden. Dann alles von der Hitze nehmen.
Das letzte Ei in einen großen Teller aufschlagen und mit etwa derselben Menge Wasser verquirlen. Pro Schnecke zwei Blätter Reispapier kurz hineintauchen, dann auf einer sauberen Arbeitsfläche oder einem großen angefeuchteten Brettchen ausbreiten. Zwei Blätter sollten sich an einer Seite etwas überlappen, um eine große Fläche zum Füllen hinzubekommen.
(Wer keine Übung mit Reispapier hat, probiert das erst mal ohne Füllung und Eier-Streich aus, nur mit kurz angefeuchtetem Reispapier. Es wird in kurzer Zeit erst flexibel, dann weich, dann sehr klebrig. Das richtige Tempo ist hier entscheidend.) Jeweils die Hälfte des Rühreis und geriebenen Käses mittig darauf verteilen, rechts und links etwas Platz lassen. Das untere Ende des Reispapiers über die Füllung schlagen, die Enden rechts und links einklappen, dann alles wie eine Schlange nach oben hin zusammenrollen.
Die Schlange aus Reispapier an einem Ende nach innen schlagen und dann wie eine Schnecke aufrollen. Oben mit jeweils einem EL »Everything«-Gewürz bestreuen, dann im vorgeheizten Ofen bei etwa 180 Grad rund zehn Minuten backen. Im Airfryer geht’s noch etwas schneller.
Der legendäre Cheese-Pull ist mir nicht gelungen, aber fotografieren Sie mal mit dem Handy, während Sie sich beide Hände an einer heißen Schnecke verbrennen.
Foto: Sebastian Maas / DER SPIEGELWer gern »Mealprep« macht, sich also seine Mahlzeiten länger im Voraus vorbereitet, kann solche Schnecken auch einfrieren und dann nach Bedarf aufbacken. Dann kann es sich lohnen, ein wenig mit den Zutaten zu spielen und auch mal Kidneybohnen, Paprika oder verschiedene Käsesorten mit in den Mix aufzunehmen.
Der Lieblings-Bagel von Zohran Mamdani ist laut »New York Times«-Interview übrigens ein getoasteter Mohnbagel mit Lauch-»Schmear«. Wer das nachmachen möchte, findet hier mein Rezept für hausgemachte Bagels und die passende Frischkäsecreme.
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