Tsatsiki: Kaum eine griechische oder griechisch inspirierte Mahlzeit kommt ohne aus
Foto: Sebastian Maas / DER SPIEGELKochen ohne Kohle How to Tsatsiki – für wenig Geld
Vergangenes Jahr war ich im Hochsommer in Griechenland. Die Hälfte der Zeit war Waldbrandgefahr, im Mietwagen waren es mit Klimaanlage 44 Grad und ohne Lichtschutzfaktor 50+ konnte ich nicht mal morgens auf dem Balkon rauchen, ohne danach wie ein Hummer auszusehen. Aber: Ich hatte die beste Zeit. Denn egal, welche kleine Dorfkneipe oder welches teure Strandrestaurant ich besuchte, die Leute waren herzlich und das Essen immer der Wahnsinn. Nicht erst seitdem ist »Griechischer Wein« meine erste Wahl als Karaokesong.
Einziges Manko: Es gab immer nur winzige Mengen Tsatsiki, sodass ich zu jeder Bestellung einen Nachschlag ordern musste. Was sicher System hatte – aber ich bin nicht nachtragend, wenn es lecker schmeckt.
Bafög oder Azubigehalt sind schon wieder fast aufgebraucht? Der Obstkorb beim unbezahlten Agenturpraktikum war geräubert? Und bitte nicht schon wieder Pizzatoast? Alles kein Problem: In dieser Kolumne zeigt SPIEGEL-Redakteur und Hobbykoch Sebastian Maas, wie man trotz Flaute auf dem Konto leckere und besondere Gerichte zaubern kann. Dabei gibt es nur zwei Regeln:
Eine Portion darf maximal so viel kosten wie ein Essen in der Mensa, also drei Euro.
Teure Spezialgeräte sind tabu.
Zurück zu Hause versuche ich seitdem, den Geschmack bestmöglich nachzuahmen. Das klappt natürlich nicht immer, meine Versuche werden aber besser. Hauptproblem ist hierzulande meist der verfügbare Joghurt, denn für guten Tsatsiki darf er nicht zu flüssig sein. Ich könnte den Joghurt selbst machen oder gekauften über einem Sieb und einem Passiertuch austropfen lassen. Aber ernsthaft, wer hat die Zeit? Zumal der Tsatsiki später auch noch einmal ziehen soll.
Also kaufen wir einfach Naturjoghurt und legen los. Griechische oder türkische Sorten mit mehr als 10 Prozent Fett eignen sich oft besser, in einigen sind aber künstliche Verdickungsmittel drin, die wir nicht gebrauchen können. (Wer auf die Kalorien achtet, darf auch einfach fettarmen Naturjoghurt nehmen. Tippen Sie es nur nicht so laut in die Kommentarspalte.)
Um das Endprodukt nicht zerfließen zu lassen, ist nicht nur der richtige Joghurt, sondern auch der richtige Umgang mit der Salatgurke gefragt. Die besteht zu einem Großteil aus Wasser, das wir erst aus ihr herauspressen wollen, bevor sie in unserem Dip landet. Das ist noch echte Handarbeit.
Zuletzt benötigt man Olivenöl. Das ist durch Klimawandel und generelle Speiseöl-Inflation inzwischen ein absolutes Luxusprodukt geworden. Entscheiden Sie gern selbst, wie viel Sie da bereit sind, auszugeben.
Was wir nicht brauchen: Quark, Sahne, Frischkäse, Sour Cream – alles schon gesehen. Das wird dann leckerer Kräuterquark, aber eben kein Tsatsiki.
Das benötigt man für vier Portionen Tsatsiki
Olivenöl ist wichtig, aber auch schweineteuer. Schauen Sie selbst, wie viel Sie nehmen wollen.
Foto: Sebastian Maas / DER SPIEGEL1 große Salatgurke
500 g Naturjoghurt, idealerweise griechischen
1⁄2 Bund Dill, frisch
2 TL getrocknete Minze
4+ Knoblauchzehen
1 Biozitrone, Saft und Schale
20 bis 50 ml Olivenöl – soviel man sich leisten kann
Salz, Pfeffer
Was kostet das? Das kommt aufs Olivenöl an. Mit einem Schluck günstigen Öls landet man bei etwa 1,20 Euro pro Portion, mit teureren Ölen oder größeren Mengen gerät es schnell außer Kontrolle.
Wie lange dauert das? Etwa 25 Minuten Arbeit, plus eventuelle Ziehzeit
So macht man griechischen Tsatsiki
Gar es ohne Bares!
Sebastian MaasPreisabfragezeitpunkt
17.10.2026 06.34 Uhr
Keine Gewähr
Die Gurke waschen, trocknen und dann mit der groben Seite einer Reibe in ein Sieb reiben, das auf einer Schüssel liegt.
Die Raspeln leicht salzen, etwas massieren und dann fünf Minuten ziehen lassen, damit das Salz die Flüssigkeit herauszieht. Das Sieb hilft dabei, die Flüssigkeit direkt abtropfen zu lassen.
Derweil: Den Dill waschen, die feinen Blätter abzupfen und gründlich hacken. Zusammen mit der getrockneten Minze in den Joghurt mischen.
Den Knoblauch schälen und fein reiben, ebenfalls in den Joghurt mischen.
Die Gurkenraspeln nun mit beiden Händen kräftig auspressen. RICHTIG. STARK. AUSPRESSEN. Idealerweise bleibt nur noch ein etwa faustgroßer Ball aus gepressten Gurkenraspeln übrig. Das salzige Wasser weggießen, die Raspeln in den Joghurt mischen.
Die Zitrone heiß abwaschen und abtrocknen. Die Schale fein abreiben, dann die Frucht auspressen. Saft und Schale in den Joghurt mischen.
Zum Tsatsiki passen Pita und Gyros, oder Reis und Touflaki – also Tofu-Souvlaki
Foto: Sebastian Maas / DER SPIEGELEinen guten Schluck Olivenöl zugeben und dann alles durchrühren. Mit Salz abschmecken – je nachdem, wie gründlich man mit der Gurke gearbeitet hat, kann man jetzt mehr oder weniger benötigen. Mit weiteren Dillfäden, etwas schwarzem Pfeffer und mehr Olivenöl garnieren.
Fertig!
Der Tsatsiki kann direkt genossen werden. Sein Geschmack wird aber intensiver, wenn er ein paar Stunden durchziehen durfte – am besten über Nacht im Kühlschrank. Und noch besser natürlich, wenn man ihn mit Meerblick direkt in Griechenland genießt. Dazu passen alle Arten von Broten wie Pita, gegrilltes Gemüse, Fisch und Fleisch oder griechisch gewürzte Touflaki-Würfel aus Tofu. Das Rezept dafür bekommen Sie das nächste Mal.
Zuletzt möchte ich mich bei allen griechischen Köchinnen und Köchen entschuldigen, denn irgendwas werde ich sicher weiterhin falsch gemacht haben. Zu wenig Knoblauch, zu viel Salz? Fehlende Petersilie? Ich bin gespannt. Fragen, Kritik und Anmerkungen gern an kochenohnekohle@spiegel.de schreiben. Oder suchen Sie Rezepte, die wenig Geld kosten? Dann folgen Sie mir gern auf Instagram .