Cold-Brew-Zubereiter im Test Alles kalter Kaffee?
Trendgetränk Cold Brew: Kein abgekühlter Kaffee, sondern bereits mit kaltem Wasser extrahiert
Foto: Veronika Silberg / DER SPIEGELKaffee ist längst nicht mehr nur Wachmacher. Jedenfalls nicht der Kaffee, den optimierungsfreudige Menschen abwiegen, gleichmäßig ins Brühsieb drücken und mit exakt bestimmtem Druck von gefiltertem Wasser durchfließen lassen. Kaffee kann auch Handwerk sein – und ein teures Hobby.
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Aber braucht es wirklich immer den teuersten Schnickschnack für die beste Brühe? Unser Test zeigt: nicht unbedingt. Wir haben fünf Geräte getestet, mit denen man in der eigenen Küche Cold Brew aufsetzen kann. Kalter Kaffee, der aber nicht nur heruntergekühlt, sondern kalt extrahiert wird.
Als Sommergetränk eignet sich der leichte und blumige Cold Brew pur, auf Eis oder als Drink, zum Beispiel mit Tonic Water oder als Cold Brew Negroni. Überraschend ist, wie unterschiedlich der kalte Kaffee aus den fünf Modellen im Test schmeckt.
Geht man nur nach dem Geschmack, hat uns das Brewjar am meisten überrascht – und überzeugt. Mit geringem Aufwand lassen sich große Mengen Cold Brew mit gutem Geschmack herstellen. Wer möchte, kann das Glas auch für andere Dinge verwenden, nachhaltiger geht es kaum. Wer etwas mehr Show möchte, tropft seinen Kaffee am besten durch die Shizuku von Hario. Zwar lässt sich die Tropfgeschwindigkeit nicht regulieren, das Ergebnis ist jedoch fruchtiger und balancierter als beim Konkurrenzprodukt von Dripster.
Für ein frisches und leichtes Ergebnis bietet sich die Mizudashi an. Dunkler und gedämpfter schmeckt es aus der BEAN. Letzere eignet sich besonders gut, wenn der Cold Brew als Grundlage für Mixgetränke dienen soll.
Diese Cold-Brew-Zubereiter haben wir getestet:
Brewjar
Bodum BEAN Eiskaffeebereiter
Hario Mizudashi Cold Brew Coffee Pot
Tradena Dripster 2 in 1
Hario Shizuku Slow Drip Brewer
So haben wir getestet
Es gibt zwei Techniken, um Cold Brew herzustellen: Die sogenannte Full Immersion, bei der man ein Sieb mit Kaffeepulver in kaltes Wasser stellt, sowie das Cold-Drip-Verfahren, bei dem das Wasser langsam von oben durch den Kaffee tropft. Unter den fünf Geräten, die wir ausprobiert haben, sind drei einfache Full-Immersion-Kannen und zwei Cold-Drip-Modelle.
Da sich über Geschmack bekanntlich streiten lässt, haben wir gemeinsam mit dem hauptberuflichen Kaffeekenner Osama Shammo gebrüht und gekostet. In jedem Gerät haben wir am Vorabend einen Liter Wasser und 100 Gramm Kaffee aufgesetzt. Gleiche Bedingungen für alle. Wenn Sie es genau wissen wollen: Wir haben für unsere Tests eine extra für Cold Brew geröstete Natural-Geisha-Varietät aus Costa Rica verwendet. Neben dem Geschmack haben wir zudem die Verarbeitung, die Handhabung und das Preis-Leistungs-Verhältnis geprüft.
Alle Details zum kalten Kaffee sowie Tipps und Tricks von Shammo, um den perfekten Cold Brew zuzubereiten, finden Sie am Ende des Artikels.
Aleksei Simon
Sowohl 2023 als auch 2024 wurde Osama Shammo bei den Deutschen Kaffeemeisterschaften als drittbester Barista ausgezeichnet. Der 35-Jährige wurde in Syrien geboren und studierte Betriebswirtschaftslehre in Aleppo. In Deutschland jobbte er zunächst als Barista, inzwischen ist er als sogenannter Quality & Education Manager bei der Hamburger Rösterei Elbgold tätig. Derzeit trinkt er etwa sechs bis sieben Tassen Kaffee pro Tag, sagt er.
Brewjar
Brewjar: Einfach gut
Foto: Veronika Silberg / DER SPIEGEL»Eigentlich echt nur ein Glas und ein Sieb«, sagt Shammo und hebt die tropfende Edelstahlröhre aus dem Brewjar. Das Gerät von Tradena, das unter einem anderen Markennamen von unterschiedlichen Händlern verkauft wird, besteht aus einem großen Einmachglas von Quattro Stagioni und besagtem Edelstahlfilter, der sich mittig einsetzen lässt. Einfacher und selbsterklärender könnte die Zubereitung kaum sein: Wasser ins Glas, Kaffee in den Filter, rein damit ins Wasser, Deckel drauf, stehen lassen. Das Glas passt in jeden Kühlschrank und ist spülmaschinengeeignet. Nach elegantem Kaffee-Connaisseur sieht man mit dem Glas vielleicht nicht aus, aber das Ergebnis ist überraschend gut.
Aufbau des Brewjar: Simpel
Foto: Veronika Silberg / DER SPIEGELUnd der Geschmack, Herr Shammo? »Säure und Bitterkeit sind medium, der Geschmack ist also sehr ausbalanciert. Ein schöner Körper. Der Kaffee schmeckt süß wie Honig und hat sowohl fruchtige Orangennoten als auch dunkle Schokolade im Geschmacksprofil. Wirklich lecker. Er schmeckt jedoch ein wenig metallisch. Das kann aber auch ein Effekt des Siebs sein, der mit der Zeit nachlässt.«
Bodum BEAN Eiskaffeebereiter
Bodum-Modell: Wie eine herkömmliche French Press, aber mit Extradeckel
Foto: Veronika Silberg / DER SPIEGELDer Cold-Brew-Kaffeebereiter von Bodum ist nicht teuer. Das Design ist relativ einfach und das Gerät komplett aus Plastik. Eigentlich nichts anderes als eine klassische French Press, nur eben aus Kunststoff und mit einem Extradeckel, um den Kaffee im Kühlschrank luftdicht zu verschließen. Beim Herabdrücken des Tauchfilterdeckels hakt es in unserem Test etwas. Weil das Kaffeepulver in der Kanne bleibt, sollte der Kaffee spätestens nach 24 Stunden in ein anderes Gefäß umgefüllt werden. Im Vergleich zu anderen Geräten im Test wird der Kaffee nicht so fein gefiltert, er bleibt einfach drin. Das Ergebnis ist sehr viel trüber und dunkler als bei den anderen Modellen.
Nach dem Zubereiten sollte der Kaffee aus der BEAN umgefüllt werden, um nicht zu stark zu werden
Foto: Veronika Silberg / DER SPIEGELUnd der Geschmack, Herr Shammo? »Auch bei diesem Modell schmeckt man dunkle Schokolade heraus. Allerdings hat der Kaffee deutlich weniger Säure und so gut wie gar keine Bitterstoffe. Er schmeckt sehr gedämpft, staubig und süß, ein wenig wie Kakao. Leider fehlt Komplexität und Fruchtigkeit. Ich finde trotzdem, dass man ihn gut trinken kann. Gerade, wenn man ohnehin eine French Press zu Hause hat, kann man den geschmacklichen Kompromiss eingehen. Nur hierfür extra ein eigenes Gerät kaufen? Ich weiß nicht.« Eine herkömmliche French Press tut es also auch.
Hario Mizudashi Cold Brew Coffee Pot
Hario Mizudashi: Ein Liter Fassungsvermögen
Foto: Veronika Silberg / DER SPIEGELAuch die Mizudashi ist eine preiswerte Möglichkeit, um Cold Brew herzustellen. Das Design wirkt auf mich zurückhaltend und elegant mit einem schön geschwungenen Glaskörper. Trotz Plastikdeckel wirkt das Gerät relativ wertig. Das Filtersieb lässt sich in der Mitte aufschrauben und besteht aus einem sehr feinen Netz.
Einziges Manko: Es reicht nicht bis ganz nach unten. Das bedeutet, die untere Hälfte des Wassers in der Kanne kommt mit dem Kaffee gar nicht in Kontakt. Dadurch ist das Ergebnis etwas wässriger als bei anderen Geräten. »Hier würde ich gegebenenfalls etwas mehr Kaffee verwenden«, sagt Osama Shammo. Optisch hat der Cold Brew aus der Mizudashi eine leuchtende, helle Farbe und ist durch das feine Sieb sehr klar.
Und der Geschmack, Herr Shammo? »Das ist jetzt das Gegenteil des Bodum-Geräts. Leider ist der Kaffee etwas unterextrahiert, also wässrig. Trotzdem schmeckt er spannender. Er hat sehr viel Süße, fast wie Milchschokolade, und sehr fruchtige Pfirsichnoten. Er erinnert mich an Pfirsich-Eistee. Wer es etwas leichter und spritziger mag, ist hiermit gut bedient. Bitterstoffe und Säure fehlen jedoch.«
Tradena Dripster 2 in 1
Tradena Dripster: Die Tropfgeschwindigkeit lässt sich anpassen
Foto: Veronika Silberg / DER SPIEGELAuf den ersten Blick ist der Dripster eines der schönsten Geräte, finde ich. Macht was her, dieser hohe Glaszylinder mit Ventil und Sieb. Der obere Teil ist jedoch aus dünnem durchsichtigem Kunststoff und das Ventil könnte wohl robuster sein. »Ich kann mir vorstellen, dass das nach einer Weile etwas Probleme macht und sich gegebenenfalls verfärbt«, sagt Shammo. Das zusätzliche Sieb ist sehr klein. Mit beiden Funktionen lassen sich nur geringe Menge Kaffee produzieren. Nichts für viele Gäste also.
Für ein gutes Drip-Ergebnis empfiehlt Shammo, runde Kaffeefilter auf den eingesetzten Kaffee zu legen. Damit verteilt sich das Wasser und tropft nicht nur an einer Stelle auf den Kaffee. Die etwas speziellen Cold-Drip-Filter muss man selbst besorgen, Tradena liefert keine mit. Ein Vorteil des Geräts: Durch das Ventil lässt sich die Tropfgeschwindigkeit justieren, so lassen sich Geschmack und Zubereitungszeit verändern.
Und der Geschmack, Herr Shammo? »Hier schmeckt man extrem stark die Röstaromen heraus. Unerwartet smoky, das hatten wir bei keinem der anderen Geräte. Gleichzeitig gibt es einen sehr klaren teeartigen Geschmack, wenig Säure und wenig Bitterkeit. Für mich schmeckt er etwas unbalanciert und hat einen leichten Nachgeschmack. Zwar ist da auch viel Schokoladiges, aber mir fehlt die Fruchtigkeit.«
Hario Shizuku Slow Drip Brewer
Hario Shizuku Slow Drip Brewer: Nicht so langsam, wie der Name vermuten lässt
Foto: Veronika Silberg / DER SPIEGELAuch das Design der Cold-Drip-Maschine von Hario wirkt hochwertig. Das Gerät ist relativ groß und komplett aus Glas. Ventil und Dichtungen sind aus festem, wertigem Gummi. Das Zusammenstecken ist einfach und selbsterklärend. Filter werden mitgeliefert, und es können etwas größere Mengen getropft werden als mit dem Tradena Dripster. Dafür kann die Tropfgeschwindigkeit nicht eingestellt werden. Wer den Prozess verlangsamen möchte, kann Eiswürfel in den oberen Teil des Geräts füllen. Eine Feinjustierung ist jedoch nicht möglich.
Eiswürfel im Hario Shizuku: Mehr Geschmack, reduzierte Tropfgeschwindigkeit
Foto: Veronika Silberg / DER SPIEGELUnd der Geschmack, Herr Shammo? »Erstaunlicherweise schmeckt er sehr süß, obwohl er durch die Unterextraktion wässriger ist. Säure und Bitterkeit sind eher niedrig, ein wenig fehlen auch hier die Fruchtnoten. Ich würde es delikat nennen. Ich denke, wenn man hier mit Eiswürfeln arbeitet und so die Tropfgeschwindigkeit verlangsamt, kann man aber auch noch etwas mehr Geschmack herausholen.«
Cold Brew Coffee erklärt
Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels haben wir das Brewjar als Tchibo Brewjar bezeichnet. Das ist falsch. Der Hersteller Tradena vertreibt das Produkt an mehrere Händler, darunter Tchibo. Wir haben die entsprechenden Textstellen korrigiert.