Telekom-Aktionäre "Wir sind alle stocksauer"
Köln - Nach seiner Rede musste sich Sommer herbe Vorwürfe anhören. Lars Labryga, Geschäftsführer der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK) sagte, die Anleger seien unzufrieden mit Kurs und Management der Telekom. Vor allem die vielen Negativmeldungen hätten zu einer nachhaltigen Verunsicherung der Aktionäre geführt, sagte er. Sein Kollege Marc Tüngler von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz wurde noch schärfer: "Sie haben das Vertrauen der Anleger in die Aktie als Anlageform erschüttert, Herr Sommer", sagte er unter tosendem Applaus.
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Wenig erfreut zeigten sich die Aktionärsschützer von den Inhalten der Rede des Vorstandsvorsitzenden. So halten sie beispielsweise den Kauf von VoiceStream für überteuert und wenig erfolgversprechend. "Der VoiceStream-Deal ist auf breitester Front nicht verstanden worden", sagte Labryga. Er kritisierte, dass die neuen amerikanischen Töchter bisher nur fünf Millionen Kunden hätten und auch die Verbreitung des VoiceStream-Netzes nicht ausreichend sei.
Als einen reinen "Selbstbedienungsladen" bezeichnete Tüngler das Aktienoptionsprogramm des Vorstandes. Sein Kollege Labryga rechnete vor, dass nach der jetzigen Planung für eine Ausübung der Optionen genügen würde, wenn der Kurs der T-Aktie in den nächsten zehn Jahren um rund ein Prozent jährlich ansteigen würde. Im günstigsten Fall rechnet Labryga mit Belohnung von 15 bis 20 Millionen Euro pro Vorstand.
In der Frage der Fehlbewertung von Telekom-Immobilien stellte Tüngler den Antrag auf eine Sonderprüfung. "Wir wollen endlich Klarheit, wir wollen Tabula rasa", sagte er. Den Bund als Mehrheitsaktionär forderte er auf, sich bei der Abstimmung über den Antrag zu enthalten. Auch Labryga zeigte sich zu diesem Thema verärgert: "Das kennen wir vom Neuen Markt", sagte er.
Beide Aktionärsvereinigungen forderten die Aktionäre auf, dem Vorstand die Entlastung zu verweigern.
"Wir sind alle stocksauer und werden Sie nicht entlasten", sagte auch Anneliese Hieke, Chefin des Vereins Aktionärinnen. Wahrscheinlich könnten sich die Telekom-Manager bei ihrem Gehalt nicht vorstellen, was es für einen Kleinaktionäre bedeute, ein Minus von 40.000 Mark und mehr auf dem Konto zu haben. Sie habe den Einduck, die Telekom verfolge nur noch die Interessen des Hauptaktionärs Bund.
Hieke hatte bereits vor der Hauptversammlung sechs Gegenanträge eingebracht und fügte in ihrer Rede zwei weitere hinzu: Der Bund solle für das Geschäftsjahr 2000 auf seine Dividende verzichten und sich bei der Hauptversammlung nicht an der Abstimmung beteiligen. Denn der Bund sei der Begünstigte bei der Überbewertung der Immobilienvermögen gewesen. Die Hürde für die Ausübung der Aktienoptionen solle für den Vorstand bei 63,50 Euro angesetzt werden.