Genfer Salon: Stau in der Oberklasse - DER SPIEGEL
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Genfer Salon Stau in der Oberklasse

Größer, besser, teurer - die Automobilkonzerne überbieten sich beim diesjährigen Genfer Automobilsalon mit Luxuslimousinen. Doch der Weltmarkt für Nobelkarossen schrumpft.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Chromglanz allerorten, herausgeputzte Messestände und funkelnder Lack. Auf dem Genfer Autmobilsalon dominiert Edeloptik. Dazu passend werden einige neue Nobelkarossen präsentiert. Der neue Maybach etwa, allerdings nur undeutlich zu erkennen hinter getöntem Panzerglas. Dann der Ferrari Maranello 575 M, eine Weiterentwicklung des bekannten Modells mit einem von 485 auf nun 515 PS aufgemöbelten Motor. Und natürlich der VW Phaeton, der erste Volkswagen, der nicht fürs Volk, sondern vielmehr für wenige Auserwählte, also so etwas wie Volksvertreter, entwickelt wurde.

"Ein gutes Auto" von VW

Die Wolfsburger möchten mit der gut fünf Meter langen Limousine in dem Markt mitmischen, in dem bislang Modelle wie die Mercedes S-Klasse, der BMW 7-er, der Audi A8 oder die großen Jaguar-Limousinen angeboten werden. DaimlerChrysler-Konzernchef Jürgen Schrempp urteilte beim Messerundgang über den größten VW aller Zeiten wortkarg: "Ein gutes Auto." Ob es sich auch gut verkauft, gilt derzeit als eine der spannendesten Fragen in der Branche. Immerhin soll das stärkste Modell mit Zwölfzylindermotor rund 100.000 Euro kosten. Zum noch fehlenden Image von VW in der Oberklasse kommt, dass der Markt für Luxusautos nach aktuellen Studien weltweit schrumpft. Die in diesem Segment aktiven Hersteller dürfte dies empfindlich treffen, denn mit den großen Modellen lassen sich auch die größten Gewinne einfahren.

Aber auch bei allen anderen Fahrzeugfabrikanten herrschen augenblicklich gedämpfte Erwartungen. Bernd Gottschalk, der Präsident des Verbandes der deutschen Automobilindustrie (VDA) sagte in Anspielung an einen in diesem Jahr zunächst ordentlich gestarteten US-Markt: "Eine Schwalbe aus den USA macht noch keinen Sommer." Der neue Audi-Vorstandschef Martin Winterkorn sagte, der Markt sei "eng und hart" geworden. Dennoch sei es sein Ziel, den Audi-Absatz "mittelfristig deutlich auszubauen". Winterkorn setzt dabei vor allem auf Nischenmodelle - und auf Sportwagen. Darauf lässt zumindest seine rhetorische Fragen schließen: "Warum gibt es eigentlich eine so große Lücke zwischen dem Audi TT und den Supersportwagen von Lamborghini?"

Nicht nur Nobelkarossen

Familien, die ein Fahrzeug brauchen, wird das alles herzlich wenig interessieren. Doch gerade für sie gibt es in diesem Jahr in Genf ein breites Angebot an Neuheiten. Ford zeigt den Minivan Fusion auf Fiesta-Basis, Opel fährt den Minivan Concept M mit Erdgasantrieb vor. Peugeot präsentiert gleich eine komplette Van-Familie vom kleinen 206 SW über den kompakten 307 SW bis hin zur neuen Großraumlimousine 807. Die feiert gemeinsam mit ihren baugleichen Modellkollegen Citroën C8, Fiat Ulysse und Lancia Phedra Weltpremiere. Ebenso der Renault Espace, der offiziell noch als Studie in Genf steht, doch der nahezu unverändert in wenigen Monaten auf den Markt kommen wird.

Sportlich und kompakt blickt BMW in die Zukunft. Die Münchner präsentieren mit der Studie CS1 schon einmal die groben Karosserieformen der kommenden 1-er-Baureihe, für deren Produktion gerade in Leipzig eine neue Fabrik entsteht. Die japanischen Hersteller treten in Genf ebenfalls eindrucksvoll auf: Mazda zeigt die komplette Modellpalette der neuen Baureihe 6, Nissan präsentiert viel versprechende Studien und Mitsubishi scheint ebenfalls die Kurve zurück auf die Erfolgsspur zu kriegen. Vizechef Rolf Eckrodt jedenfalls ist optimistisch: "Wir bringen jetzt 18 neue Modelle in den kommenden drei Jahren. Vorher war nichts in der Pipeline, die Wende ist geschafft."