Alex ruft an in "Nighttime Visitor": Wegdrücken oder abnehmen?
Ihnen graut es davor, dass jemand anruft? Dann lassen Sie die Finger vom Minispiel "Nighttime Visitor". Hier versucht der Bösewicht Sie durch das Klingeln Ihres virtuellen Handys zu lokalisieren. Es ist nicht das erste Spiel, in dem Telefone eine Rolle spielen.
Das Gefühl, ein klingelndes Gerät solle bitte endlich verstummen, kennt wohl jeder, der sich hin und wieder unter Menschen aufhält. Ich zum Beispiel saß neulich im Publikum einer Stand-up-Comedy, als in meiner Nähe ein Handy zu klingeln begann. "Wer bitte ist das?", raunte der Organisator, als niemand panisch in seine Hosentasche griff. Letztlich blieb der Generalverdacht an einem Komiker hängen, der seine Unschuld beteuerte.
Erst auf dem Heimweg bemerkte ich, dass jemand während der Vorstellung auf meinem Diensthandy angerufen hatte, das ich, anders als mein Privathandy, nicht stummgeschaltet hatte. Das Zweitgerät klingelt offenbar so selten, dass mir der Alarmreflex fehlt. Ich wirkte zufällig zu souverän, um verdächtigt zu werden.
Oh Gott, Alex ruft an
Ein gerade veröffentlichtes Minispiel, für das mich dieses Erlebnis fast disqualifiziert, heißt "Nighttime Visitor", man kann es über die Games-Plattform itch.io kostenlos für Windows herunterladen . Der Plot und die Steuerung sind einfach: Es gilt, einen Bürotrakt zu verlassen, ohne von einem irren Typen namens Alex erwischt zu werden. Das erinnert an den Horrorspiel-Klassiker "Slender" , nur ohne Wald. Oder "Alien: Isolation", in supersimpel und mit Alex statt Alien.
Bei "Nighttime Visitor" ist der eigene Klingelton die große Gefahr. Rechtzeitig zu reagieren ist extrem wichtig, denn Alex ruft dauernd auf dem virtuellen Handy der Hauptfigur an. Klingelt es laut und lange, kann der Bösewicht möglicherweise erahnen, wo man sich gerade befindet.
Eigener Anruf unmöglich: Manchmal hat man keinen Empfang
In der Spielrealität, in der es keine Stummschalt- und keine Ausschalt-Funktion gibt, bleiben zwei Optionen: Man nimmt ab und hört sich Alex' Botschaften und gruseliges Atmen an oder man drückt seinen Anruf möglichst schnell weg. Blöd nur, dass man langsamer vorankommt, wenn man ständig auf das Handy schaut.
"Nighttime Visitor" ist bislang eine Ideen-Skizze, ein alles andere als perfekter Prototyp, den der Nutzer raincoil in kurzer Zeit programmiert und bei einem Halloween-Gamejam eingereicht hat . Doch die Idee, das Mobiltelefon der Hauptfigur prominent ins Spiel einzubinden, macht das Spiel zumindest zu einer netten Inspiration für andere Entwickler. Interessant ist etwa die Option, selbst bei Alex anzurufen, um zu prüfen, ob er sich in der Nähe befindet oder - die große Hoffnung des Spielers - außer Hörweite.
Handys gibt es in einigen Spielen
Schon jetzt gibt es zahlreiche Videospiele, in denen Handys auftauchen, mitunter halten sie sogar die Geschichte zusammen. In den neueren Teilen der "Grand Theft Auto"-Serie zum Beispiel hält man per Telefon Kontakt zu Auftraggebern und Kollegen . Auch im Teenie-Entscheidungsspiel "Life is strange" bekommt man laufend neue Nachrichten aufs Handy.
Mittlerweile gibt es sogar Spiele-Apps, die echte Smartphone-Apps simulieren, wie den ebenfalls bei itch.io veröffentlichten, nicht ganz ernst gemeinten "Millennial Swipe Sim 2015 ". In diesem Spiel eines "Buzzfeed"-Mitarbeiters, das es auch als iOS-App gibt , kann man nachempfinden, wie sich das Über-den-Bildschirm-Wischen in Flirt-Apps wie Tinder anfühlt.
Wisch-Simulator eines Buzzfeed-Mitarbeiters: Die Tinder-Erfahrung machen
Wischt man die Pixelmännchen zu langsam weg, füllt sich ein "Langeweile"-Balken. Ist er voll, verliert man - und bekommt einen Grabstein mit der Zahl seiner Wischbewegungen angezeigt.
Ganz so erschreckend ist das Spielende bei "Nighttime Visitor" nicht: Wird man von Alex erwischt, landet man zwar in einer surrealen Parallelwelt und muss das Spiel im Prinzip neu starten. Ob das aber der Tod ist oder nicht, bleibt unklar.
Und zumindest eins hat man zu diesem Zeitpunkt bereits gelernt: Alex ist nicht ansatzweise so gruselig, wie man ihn sich nach seinen Anrufen vorstellt. Beim nächsten Fluchtversuch kann man also getrost regelmäßig ans Telefon gehen.
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