In friedlicheren Zeiten schliefen in dem rot markierten, eingeschossigen Mannschaftsgebäude der Bundeswehr auf dem Luftwaffenstützpunkt al-Azraq in Jordanien deutsche Soldatinnen und Soldaten. Bis am 9. März offenbar eine iranische Rakete einschlug und den Trakt in Teilen zerstörte. Der Irankrieg mag »nicht unser Krieg« sein, wie es Verteidigungsminister Boris Pistorius in dieser Woche ausdrückte. Auch Bundeskanzler Friedrich Merz schließt eine militärische Beteiligung aus. Satellitenbilder zeigen: Unser Risiko ist es doch. Das Personal war zum Zeitpunkt des Angriffs bereits ausgedünnt. Das Notkontingent befand sich in Schutzräumen. Die Bundeswehr nimmt an, der Beschuss habe den Amerikanern gegolten, die das Camp ebenfalls nutzen. Es braucht gar kein Eingreifen, um vom Krieg bedroht zu sein. ded
Was war diese Woche gut, was war schlecht für die Demokratie?
Gut: Der befürchtete Rechtsruck bei den Betriebsratswahlen im VW-Werk Zwickau blieb aus. Das AfD-nahe »Bündnis freier Betriebsräte« holte 11,5 Prozent der Stimmen, weit weniger als die AfD bei den meisten politischen Wahlen. Es hält weiterhin nur vier von 35 Mandaten. Die innerbetriebliche Demokratie zeigt sich resilient.
Schlecht: In der Partei Die Linke zeigen sich mehr und mehr antisemitische Haltungen. Das kann es in ostdeutschen Ländern noch schwieriger machen, Mehrheiten gegen die AfD zu finden.
Gegenstand der Politik
Foto: Sean Gladwell / Getty Images
Das Buch
Versteht man Olaf Scholz richtig, dann werden seine für 2027 annoncierten Memoiren das Gegenteil seiner selbst. Er habe sich »ganz fest vorgenommen, dass das Buch auf keiner Seite langweilig ist«, so der ehemalige Kanzler auf dem Literaturfestival Lit.Cologne. Klingt nach einem Kraftakt. Politikerbücher wie das von Scholz oder seiner Vorgängerin Angela Merkel dienen dazu, den Verfasser in ein günstiges Licht zu rücken. Ähnlich verhält es sich mit der Inszenierung als bibliophiler Staatsmann. Der frühere US-Präsident Barack Obama empfiehlt jährlich Bücher. Altkanzler Helmut Schmidt pflegte eine Freundschaft zum Schriftsteller Siegfried Lenz. Lektüre allein macht aus einem Scholz noch keinen Schmidt oder Obama, doch bei seinem Kölner Auftritt hob auch er hervor, wie gern er immer gelesen habe. Selbst in seinen Regierungsämtern, auf Flügen. Es habe ihm geholfen, die Welt besser zu verstehen. Der »Süddeutschen Zeitung« verriet Scholz einmal, Robert Musils »Der Mann ohne Eigenschaften« habe seine Weltsicht geprägt. Wer daraus den Witz ableitet, Scholz solle den Titel für seine Autobiografie übernehmen, hat nicht begriffen, dass manche Pointen so naheliegend sind, dass man besser darauf verzichtet. akü
Wer als Tourist den Kölner Dom besuchen möchte, muss dafür bald Eintritt zahlen. Die Maßnahme soll nicht nur die Kasse für Pflege und Schutz des Doms füllen. Vielleicht wird sie auch die Atmosphäre in einem Gebäude beruhigen, das man bei starkem Andrang für eine sakrale Erweiterung der Empfangshalle des Hauptbahnhofs halten könnte. Helfen würde hier das universelle Zeichen für Stille, der Zeigefinger vor den Lippen, und ein lautmalerisches »Pssssst« – und die Kirche wird zum Ruheabteil. fra
Aufgezeichnet
Trump deutet »Übernahme« Kubas an
»Keine Angst, Trump interessiert sich nicht für Helgoland … viel zu klein … kein Öl …«
Miriam Wurster / DER SPIEGEL
Landauf, landab
Preisalarm: In Deutschland lag die Inflation im Zeitraum 2020 bis 2025 bei 21,9 Prozent. Zwischen den Bundesländern gibt es allerdings Unterschiede, wie Daten des Statistischen Bundesamts zeigen. So lag in Brandenburg die Preissteigerung bei 23,7 Prozent und damit 1,8 Prozentpunkte über dem Schnitt, in Hamburg hingegen 2 Prozentpunkte darunter, also bei nur 19,9 Prozent. Laut dem Ifo-Institut Dresden hat etwa in den ostdeutschen Flächenländern besonders der Bereich »andere Waren und Dienstleistungen« die Inflation getrieben. Dazu zählen Friseurbesuche oder die Kosten für Pflegeheime. Als Grund wird unter anderem die Anhebung des Mindestlohns vermutet. flk
Im Wahlkampf versprach der Ultrarechte José Antonio Kast, binnen 90 Tagen Befestigungsanlagen entlang der Grenze zu Bolivien und Peru zu errichten, um illegale Einwanderung zu verhindern. Nun, wenige Tage nach Amtsantritt, schickte Chiles neuer Präsident Bagger an die nördliche Grenze, wo sie, im Schatten der gigantischen Jesusstatue »Cristo de la Paz«, drei Meter tiefe Gräben ausheben sollen. 500 Kilometer lang soll der »Grenzschild« werden. Chile gilt als eines der sichersten Länder Lateinamerikas, doch die Kriminalität nahm zuletzt zu, wofür der Trump-Fan Kast irreguläre Migranten verantwortlich macht. jvm
250 Jahre USA – Was vom großen Versprechen auf Freiheit bleibt
Vor 250 Jahren erklärten die britischen Kolonien Nordamerikas ihre Unabhängigkeit. Die Gründungsväter bekannten sich in ihrem Manifest zu Menschenrechten und persönlichen Freiheiten. SPIEGEL GESCHICHTE beleuchtet ein Vierteljahrtausend US-Geschichte und geht der Frage nach: Haben die Vereinigten Staaten ihr Freiheitsverspechen gehalten?
Ein Atomreaktor ist im Prinzip eine Art Wasserkocher. Uran wird gespalten. Neutronen werden frei, die weiteres Uran spalten. Die Kettenreaktion erzeugt Hitze, dann Dampf, der Turbinen antreibt. Tolle Technik, denken sich dieser Tage EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen (CDU) und Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU). Erneut fordern sie eine Renaissance der Atomkraft. Klein sollen die künftigen Anlagen sein. Small Modular Reactor, SMR, heißen solche Maschinen. 77 Megawatt leistet etwa ein AKW-Modul der US-Firma NuScale. Die Sache funktioniert, ist aber viel zu teuer. Berechnungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung zufolge könnte eine Kilowattstunde Strom je nach SMR-Konzept zwischen 18 und 50 Cent kosten. Bei Windenergieanlagen lag der Preis 2024 zwischen 5 und 10 Cent. phb
Nachgezählt
14
Prozent höher liegt im Schnitt die Geburtenrate in Haushalten mit mindestens einem Tag Homeoffice pro Woche als in solchen ohne Homeoffice. Am höchsten ist der Effekt, wenn beide Partner zu Hause arbeiten.
Es ist amtlich: Die »sakura« hat begonnen, Japans berühmte Kirschblüte. Voraussetzung dafür ist, dass Experten der Wetterbehörde an ausgewählten Referenzbäumen mindestens je fünf Blüten gezählt haben. Dieser Baum in der Stadt Gifu im Zentrum des Inselreichs hat am Montag als einer der ersten alle Bedingungen erfüllt. Er gab damit das Startsignal für »hanami«, das jahrhundertealte Ritual des Kirschblütenbetrachtens. Japaner treffen sich dafür unter den prächtigen Bäumen zum Picknick und feiern die Schönheit und Vergänglichkeit des Lebens. me
Menschen sind bislang in der Saison 2025/2026 bei Lawinen in den europäischen Gebirgen umgekommen. Die Zahl der Todesopfer liegt damit höher als in jedem Jahr seit 2020/2021. Ein Grund dafür: Steigende Temperaturen wegen des Klimawandels verringern die Festigkeit von Schneedecken.
Tamburello ist der italienische Verwandte des Tennissports, gespielt mit einem dem Tamburin-ähnlichen Gerät: Zwei Teams mit je meist fünf Spielern schlagen einen 88‑Gramm-Gummiball übers 80-mal-20‑Meter-Feld, pro Seite ist nur ein Bodenkontakt erlaubt, Zuspielen ist verboten. Der Ursprung des Spiels reicht bis in die Antike zurück, in Italien gibt es schon seit 1896 Meisterschaften. Heute findet man Vereine von Norditalien bis Deutschland, die sich neben der klassischen Form auch in Indoor- und Beachvarianten miteinander messen. mfu
»Keine Angst, Trump interessiert sich nicht für Helgoland … viel zu klein … kein Öl …«
Miriam Wurster / DER SPIEGEL
Foto: Esteban Felix / AP
Foto: NuScale
Foto: Kohei Choji / AP
Foto: Boldrini / Action Plus / IMAGO
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