Hausmitteilung: Mythos Orient - DER SPIEGEL
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Hausmitteilung Mythos Orient

Phantasie und Wirklichkeit in der Literatur
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Die Renaissance der arabischen Literatur - Hauptthema der diesjährigen Frankfurter Buchmesse - hat SPIEGEL-Autor Erich Follath, 55, in einer ganz besonderen Stadt erlebt: in Beirut. Follath hatte die Metropole der Levante als Student in glanzvollen Vorkriegsjahren besucht, später als Reporter mehrfach im Bürgerkrieg, dann während des schwierigen Wiederaufbaus. Jetzt traf er dort unter anderen Elias Khoury, 56, den wohl bedeutendsten zeitgenössischen Schriftsteller des Landes. Die Hauptstadt des Libanon gilt heute wieder als touristischer und literarischer Geheimtipp. Wie Khoury kann sich jedoch keiner der dort lebenden Autoren ganz von seinen persönlichen Erlebnissen während der mörderischen Exzesse lösen. "Unter der gelegentlich überschwenglichen Lebensfreude liegt eine tiefe Melancholie, eine Mischung, aus der gelegentlich große Literatur entsteht", sagt Follath.

Bücher und Autoren aus dem Orient bilden, dem Messethema "Arabische Welt" entsprechend, einen Schwerpunkt in diesem Heft. Rezensiert wird etwa die von der Arabistin Claudia Ott vorgelegte komplette Neuübersetzung der Märchen aus "Tausendundeiner Nacht". Dieter Weiss, emeritierter Professor für Volkswirtschaft des Vorderen Orients, bespricht Hans Küngs Islam-Buch, mit dem der Tübinger Theologe seine Trilogie der Weltreligionen abschließt. Vorgestellt werden auch neue Werke des ägyptischen Nobelpreisträgers Nagib Machfus, der Palästinenserin Sahar Khalifa oder der Algerierin Assia Djebar, die vor vier Jahren den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels erhalten hat.

Unter den insgesamt mehr als hundert vorgestellten Büchern befinden sich zwei über deutsche Publizisten, die jahrelang Weggefährten waren: ein Porträt des SPIEGEL-Gründers Rudolf Augstein und eine unvollendete Autobiografie des im Mai verstorbenen ehemaligen SPIEGEL-Chefredakteurs Günter Gaus. Während das Gaus-Fragment den Untertitel "Erinnerungen eines linken Konservativen" trägt, zitiert Augstein-Biograf Dieter Schröder den Soziologieprofessor Ralf Dahrendorf, der Augstein "als letzten Nationalliberalen, im besten Sinn der Bismarck-Zeit", bezeichnet hat.

Auch in diesem Jahr halfen prominente Gastautoren bei der Vorstellung wichtiger Neuerscheinungen: Der frühere Bundesminister Erhard Eppler, 77, rezensiert Helmut Schmidts "Die Mächte der Zukunft"; Thomas Fischer, Vorstandschef der WestLB, bespricht Lothar Galls Biografie des legendären Bankiers Hermann Josef Abs; Alexander Kosenina, Germanistikprofessor in Bristol, setzt sich essayistisch mit Friedrich Schiller  auseinander, dessen 200. Todestag im Jahr 2005 schon jetzt Anlass für zahlreiche Publikationen ist. Und Bestsellerautorin Donna Leon, die mit Krimis berühmt wurde, überrascht mit einer durchaus politischen Kurzgeschichte.

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