Berlin: Mathilde Weinert (Geb. 1937)
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Berlin: Mathilde Weinert (Geb. 1937)

„Aber wir verstanden wenigstens die Sprache, wenigstens das.“

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Es ist ein bequemer Sessel. Bezogen mit einem hellen, weichen Stoff, mit einem Hocker davor, auf den Mathilde ihre Füße legen kann. Sie setzt sich am späten Nachmittag in den Sessel, schlägt die Erzählungen von Tania Blixen auf, liest eine Weile, schlägt das Buch wieder zu und schaltet den Fernseher ein, eine Frau erklärt, wie man den Garten winterfest macht, Mathilde denkt an ihren Oleander, den sie bald vom Balkon hereinholen muss, für die Schlepperei war doch immer Günther zuständig, aber mit Günther spricht sie nur noch sonntags, wenn sie auf der Bank vor seinem Grab sitzt, sie schaltet auf einen anderen Sender um und dann sieht sie sie wieder, diese Bilder: Menschen in Zelten, hinter Zäunen, in Baracken; rennende Menschen, mutlose Menschen. Sie sieht andere, glatzköpfige, deren gegrölte Sätze sie kaum verstehen kann. Und sie sieht Bürger, die sie gut verstehen kann, die, mit bunten Einkaufstüten in der Hand, kurz anhalten und mit einem Reporter sprechen: „Irgendwann muss doch auch mal Schluss sein mit den Flüchtlingen.“

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