Berlin: Russischer Glanz
zum Hauptinhalt
Tagesspiegel Plus

Berlin: Russischer Glanz

Botschafter-Ehepaar Kotenev will ein neues Bild seines Landes vermitteln – mit Chic und Charme

Stand:

Sie nutzen Google? Sie können sich Artikel des Tagesspiegels in der Google-Suche
nun bevorzugt anzeigen lassen. Mehr erfahren oder direkt aktivieren.

An Negativ-Schlagzeilen mangelt es Russland nicht. „Russland entfernt sich von der Demokratie und beschneidet Menschenrechte“, urteilte eine US-Studie im Dezember. „Moskau sperrt deutsche Welle“, hieß es kurz darauf. „Russland erzwingt von der Ukraine höhere Gaspreise“, ging es Anfang des Jahres weiter. Wo bleibt da eigentlich das Positive? Die Frage mag sich vielen gar nicht erst stellen, aber den russischen Botschafter Wladimir Kotenev und seine Frau Maria bewegt sie doch heftig. Schließlich sind die beiden vor zwei Jahren angetreten, das Image ihres Landes in Deutschland mit den Mitteln der öffentlichen Diplomatie zu verbessern. Und merken bei allen Anstrengungen doch, was für eine Sisyphos-Arbeit das ist. Dabei sind die beiden nach außen hin eine Idealbesetzung für diese Aufgabe. Es macht ihnen keine Mühe, als Glamourpaar aufzutreten, was der Sympathiegewinnung in der westlichen Welt in aller Regel besonders zuträglich ist. Sie sprechen beide fließend Deutsch und kennen Deutschland aus drei Perspektiven. Von 1979 bis 84, also noch zu Zeiten des Kalten Krieges, war Kotenev, Jahrgang 1957, im West-Berliner Konsulat in Dahlem stationiert. Die Familie lebte auch dort, durfte aber damals keine unbefangenen Kontakte knüpfen. Berlin war die Hauptstadt der Spione, es gab zu viele widerstreitende Interessen. Einem Bombenattentat auf das Konsulat entkam er nur durch einen glücklichen Zufall. Anschließend wurde der junge Diplomat von 1984 bis 1986 nach Ost-Berlin versetzt, in die Botschaft Unter den Linden. Da waren Kontakte plötzlich möglich. Manche blieben krampfig, weil verordnetet, aber es entwickelten sich auch echte Freundschaften, die bis heute gehalten haben. Es folgten Stationen unter anderem in Österreich und der Schweiz, während in Berlin der Kalte Krieg mit dem Fall der Mauer zu Ende ging und vorübergehend Russland im Zuge der Gorbi-Manie auch im Westen in einem freundlichen Licht gesehen wurde. Mit der Wiedervereinigung verloren die Russen ihre Macht über die ehemalige DDR.

showPaywall:
true
isSubscriber:
false
isPaid:
true
console.debug({ userId: "", verifiedBot: "false", botCategory: "" })