
© Tagesspiegel/Nassim Rad
Checkout – Was vom Tag bleibt: Rauchfrei ins Wochenende!
Heute freuen wir uns über die neue Gesundheits-Offensive der Regierung, über die Selbstlosigkeit von BMW – und die sexuelle Offenheit von Papst Leo XIV.
Stand:
nun bevorzugt anzeigen lassen. Mehr erfahren oder direkt aktivieren.
Vielleicht ist alles gar nicht so schlimm. Ich weiß, die These ist angesichts der Weltlage gewagt.
Es nicht zu wagen, macht es aber auch nicht besser. Und positives Denken soll so gut sein fürs Seelenheil. Lassen Sie sich ein paar Zeilen lang darauf ein?
Dann kommt jetzt eine richtig gute Nachricht: Die Koalition hat ihre Arbeit wieder aufgenommen. Und sie kümmert sich jetzt um Ihre Gesundheit! Zigaretten will sie so teuer machen, dass einem schon beim Kauf schlecht wird (und nicht erst nach der zweiten Schachtel). 20 Prozent der Deutschen finden das gar nicht lustig.
Ich aber sage: Liebe Regierung, packt doch auch die Zuckersteuer wieder aus und gleich mit obendrauf. Dann holt man noch mehr Leute ab. Oder wie man es in anderen Ländern ausdrückt: Health is wealth.

© imago/Hans Blossey
Natürlich habe ich gut reden, weil ich weder rauche noch nasche. Dafür zahle ich bei der Pflege drauf. Vom Tankrabatt profitiere ich ohne Auto auch nicht. Aber wir wollen ja positiv bleiben. Also wer hat hier gesagt, dass Deutschland kein Autoland mehr ist? Jetzt wird nicht nur der Sprit, sondern auch der Führerschein verbilligt. Wenn das kein Neustart ist.
Entkräftet ist übrigens auch die Annahme, dass es den Autokonzernen nur ums Geld geht. BMW jedenfalls möchte dem Landtagspräsidenten in Magdeburg offenbar keinen Dienstwagen mehr zur Verfügung stellen. Die AfD bewirbt sich stattdessen um, Sie können es sich denken, einen Tesla.
Das bringt mich direkt nach Südafrika (Schmacht), dem Geburtsland von Tesla-Chef Elon Musk. Dorthin geht der Friedensnobelpreis – Anwältin und Menschenrechtlerin Navanethem Pillay hat ihn gewonnen. Congratulations!
Eigentlich hatte ich den Papst auf dem Zettel. Aber wahrscheinlich ist der dann im kommenden Jahr dran, wenn seine neueste Initiative die ersten Früchte trägt. Leo XIV. rief die Bischöfe aller Erdteile dazu auf, mutig die Fragen anzugehen, die sich aus dem Scheitern von Familienmodellen und, jetzt kommt’s, aus „aktuellen Veränderungen in den Bereichen Intimität und Sexualität“ ergeben. Sehen Sie? Der wagt was.
Nachschlag:
Mit einem Tagesspiegel-Abo können Sie in diese Themen noch tiefer einsteigen:
Wir lieben, dass Sie uns lesen! Wenn Sie Qualitätsjournalismus unterstützen wollen, helfen Sie uns mit einem Abo: Jetzt Probeabo sichern
Wenn Sie schon ein Abo haben: Empfehlen Sie es gern Ihren Freunden!
Unser Special Guest!
Diese Frau hat viel Schreckliches von ihren Mandantinnen gehört. Umso erstaunlicher ist es, dass die Strafverteidigerin Christina Clemm mehr positive Geschichten erzählen will. Ich begrüße das.
Clemm ist seit fast 30 Jahren im Geschäft und hat unter anderem Collien Fernandes beraten. In ihrem neuen Buch „Ein ungehaltenes Plädoyer“ schildert sie, wie Gewalt die gesellschaftlichen Verhältnisse spiegelt, in denen sie stattfindet – und was dagegen zu tun ist. Meine Kollegin Tanja Kunesch hat mit ihr gesprochen.
Frau Clemm, wie schalten Sie nach Verhandlungen ab?
Ich fahre immer mit dem Fahrrad. Mir tut es gut, rauszukommen, mich zu bewegen. Was mich selbst erstaunt, ist, dass es nicht besser wird mit der Zeit. Es gibt keine Gewöhnung an das Grauen. Es wird eher immer unerträglicher. Vielleicht liegt das Entsetzen auch daran, dass ich auf der Seite der Verletzten stehe, dass ich ihr Leid unmittelbarer mitbekomme.

© TSP/Mario Heller
Sie sagen, Verantwortung für Gewalt ist eine kollektive Aufgabe, über die wir in der Gesellschaft diskutieren müssen. Jede Landtagswahl spaltet das Land mehr, der Doppelpunkt beim Gendern lässt Gemüter hochkochen wie kaum etwas anderes. Wie soll das funktionieren?
Wir müssen endlich darüber sprechen, in welcher Gesellschaft wir leben wollen. Dazu braucht es positive Erzählungen. Und die gibt es. Zum Beispiel, wie viel Solidarität es unter den Menschen innerhalb von Mietshäusern gibt, wie viele Menschen alte, kranke Nachbar:innen unterstützen, wie viele füreinander sorgen. Solidarität wirkt oft so anstrengend, so gewollt, das Gegenteil ist der Fall.
Machen Sie es sich da nicht zu einfach? Ihr ganzes Buch zeigt doch, wie systemisch viele Probleme sind.
Ja, es gibt unzählige Probleme. Ich beschreibe sie, weil ich Veränderung bewirken möchte. Wir können doch nicht einfach zuschauen, wie alles den Bach runtergeht. Wir dürfen nicht zulassen, wie die Rechtsextremen immer mächtiger werden. Ich kenne viele, die sagen: „Wenn die AfD kommt, dann gehen wir weg.“ Für manche ist das sicher notwendig. Aber für Widerstand ist es sicher noch nicht zu spät. Noch haben wir die Möglichkeit, etwas zu verändern, laute Stimmen. Meine Aufgabe ist es, diese zu erheben.
Das ganze Interview lesen Sie hier:
Bild des Tages
Das Foto wurde heute ausgewählt von Artdirektorin Bettina Seuffert

© AFP/MARTIN BUREAU
Von oben sieht es in Paris derzeit deutlich friedlicher aus als unten auf den Straßen. Bei den Schülerprotesten kam es wieder zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und jungen Menschen.
Was sonst noch war
Erste öffentliche Hinrichtung seit 1936: „Das ist Teil einer Kriegerkultur“
Fall Hanning beim BND: Auch wie der Staat mit Ex-Beamten umgeht, ist ein Problem
„Politisch und moralisch rückgratlos“: Reichinnek kritisiert Treffen Schröders mit Putin
„Schwerer politischer Fehler“: 120 Linken-Politiker kritisieren Einigung zum Antisemitismus scharf
Check this out
Der Tipp wird heute präsentiert von Tagesspiegel-Chefin Claudia Reinhard

© Julia Donaldson and Axel Scheffler 2026/Macmillan Children's Books
Menschen mit kleinen und mittelkleinen Kindern kennen das Problem vielleicht: Eigentlich will man morgens zumindest mal kurz das Radio anmachen, um die Welt reinzulassen. Aber: Wie zur Hölle soll man dem verwirrt dreinschauenden Nachwuchs dann erklären, was da kommt? Heute zum Beispiel: Der amerikanische Kriegsminister will die Tötung eines Attentäters durch ein Erschießungskommando live für die Bevölkerung streamen. Ok.
Zu diesem Themenkomplex gäbe es nun natürlich Kulturprodukte zuhauf, aber ich plädiere mal für ein Kontrastprogramm. Und zwar: „Die Grüffelo Oma“. Ja, Sie haben richtig gelesen.
27 Jahre nach „Der Grüffelo“ schickt Julia Donaldson (die übrigens mehr Bücher verkauft hat als J.K. Rowling) eine weitere Verwandte, womöglich das Schwiegermonster des alleinerziehenden Grüffelo-Vaters, in die Waldhöhle. Und gibt Lesern dabei mal eben die Hoffnung in die Kraft von Geschichten und kultureller Evolution zurück (wo wir dann doch wieder bei Hegseths Snuff-Fantasien wären).
Die Zeichnungen kommen von dem Hamburger Axel Scheffler, den man nach Verkaufszahlen den erfolgreichsten lebenden Illustrator der Welt nennen kann. Dass er sich nicht so fühlt und wieso er ganz gerne OpenAI verklagen würde, hat er mir im Interview erzählt:
Spätlese

© [M] TSP/Glage, Foto: PR/Helmut Theiss, Material: Magnific
Wenn Sie heute nur einen Text lesen ... dann sollte es der meiner Kollegen aus dem Wissen-Ressort sein. Vorgestellt wird eine frühere Vollzugsbeamtin, die mittlerweile als Professorin arbeitet und sich mit der Kultur in der Polizei auseinandersetzt. Das nenne ich mal lebensnah.
Sandra Schmidt ist eine von 100 Top-Wissenschaftlern aus der Hauptstadtregion, die sich die Kollegen in einer ganzen Serie genauer angeschaut haben. Im letzten Teil geht es um Forschende, die das liberale System am Laufen halten. Für noch mehr gute Ideen können Sie sich durch alle weiteren Folgen klicken. Es lohnt sich:
Polizei, Vereine und Engagement gegen Rechts: Diese zehn Forscher arbeiten am Erhalt der Demokratie
Und wie sehen Sie’s?
Rüdiger G. hat sich nach dem gestrigen Checkout über die Erbschaftssteuer Gedanken gemacht. Als hätte er gewusst, dass es heute um das Gute im Schlechten geht und ein bisschen um die Kirche:
„Im Wort Sterben steckt das Wort erben, kommt noch St. hinzu also Sankt bzw. Heilig!
Kombiniert man das Ganze bedeutet dies Heiliges erben! Da das Sterben dem Erben vorangeht, sind also die Folgen sakrosankt! Von jeder Heiligenlegende weiß man doch, dass Heilige nur Gutes tun, gemäß der Überlieferung! Wenn das Erbe nun ausgeliefert wird, liefert dies nun ein erfreulich-trauriges Ergebnis: Wer geerbt hat, behält das Erbe im Ganzen, es sei denn, er hat nur zu wenig zu erben, dann erbt auch der Staat etwas!“
Ich gestehe: Das wäre mir dazu nicht eingefallen. Genau deshalb freuen wir uns immer über Ihre Mails.
Heute hätten wir von Ihnen gern ein paar Tipps, wie Sie sich ablenken, wenn Ihnen gerade mal wieder alles zu viel wird. Schreiben Sie uns an: team-checkout@tagesspiegel.de
Eine positive Nachricht habe ich mir bis zum Schluss aufgehoben: die Hoffnung, dass das Böse besiegt werden kann. In Berlin hirnen dieser Tage der Deutsche und der Europäische Fußball-Verband darüber, wie der bisherige Fifa-Boss abgelöst werden kann. Das Ganze wird schon als Anti-Infantino-Gipfel bezeichnet.
Die Daumen sind gedrückt. Das gilt natürlich auch, wenn am Wochenende wieder Fußball gespielt wird und die nächsten drei Punkte für meine Lieblings-Mannschaft fällig sind. Nun freue ich mich aber erst einmal auf mein alkoholfreies Feierabend-Bier. Haben auch Sie ein positives Wochenende und bleiben Sie gesund.
Cheers. Ihre
Katrin Schulze
- showPaywall:
- false
- isSubscriber:
- false
- isPaid:
- false