
© REUTERS/JONATHAN ERNST
„Die letzten zwei Jahre waren die pure Hölle“: Offener Streit zwischen zwei US-Republikanern um Gewaltvorwürfe in der Familie
Der Abgeordnete und Trump-Vertraute Max Miller war mit der Tochter seines Kollegen Bernie Moreno verheiratet. Die erhebt schwere Anschuldigungen. Lange schwieg Moreno dazu – doch nun attackiert er Miller.
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Gewaltvorwürfe in der Familie sorgen für einen offenen Bruch zwischen zwei US-Republikanern. Der Abgeordnete Max Miller, der Ohio im US-Repräsentantenhaus vertritt, soll seine Ex-Frau Emily körperlich und seelisch angegriffen haben.
Deren Vater ist Bernie Moreno, republikanischer US-Senator. Lange vermied dieser es, sich öffentlich gegen Miller zu stellen, der einst den Wahlkampf von US-Präsident Donald Trump organisierte und von Trump als „toller Typ“ beschrieben wurde.
Doch nun fordert Moreno, sein Parteikollege Miller solle sein Mandat und seine Kandidatur für die Wiederwahl aufgeben und sich „professionelle Hilfe“ suchen. „Die letzten zwei Jahre waren die pure Hölle. Er ist eine Gefahr für meine Tochter – und ich halte jede Minute den Atem an, die er mit meiner Enkelin verbringt“, schrieb Bernie Moreno bei X.
Seine Tochter Emily Moreno wirft Miller laut Gerichtsunterlagen vor, sie während der Ehe körperlich misshandelt und dabei auch ihre gemeinsame zweijährige Tochter verletzt zu haben.
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Sie erklärte unter anderem, Miller habe sie mit heißem Wasser verbrüht, gegen eine Wand gedrückt und ihr eine Waffe an den Kopf gehalten. Außerdem sei ihrer gemeinsamen zweijährigen Tochter das Schlüsselbein gebrochen worden. Gerichtsdokumenten zufolge sagte ihre Tochter zu einem Zeitpunkt zu ihrer Mutter: „Papa bringt dich um.“
Miller bezichtigt seine Ex-Frau, psychische Probleme zu haben
Der 37-jährige Miller weist sämtliche Anschuldigungen zurück, keine Behörde und kein Gericht hätten einen Missbrauchsvorwurf gegen ihn bestätigt. „Wäre es wahr, wäre ich im Gefängnis“, sagte er. Er verklagte seine 33-jährige Ex-Frau wegen Verleumdung und erklärte, diese habe „signifikante“ psychische Probleme, sei bipolar, eine Lügnerin, eine Stalkerin und eine „gefährliche Person, die ihn und ihre gemeinsame Tochter in Gefahr“ gebracht habe.
Der Ethikausschuss des Repräsentantenhauses leitete eine Untersuchung gegen Miller ein. Dabei geht es neben den Vorwürfen häuslicher Gewalt auch um möglichen Konsum illegaler Drogen. Miller erklärte, er habe „nichts zu verbergen“.

© Getty Images via AFP/ANNA MONEYMAKER
Am Mittwoch beschrieb Bernie Moreno den aktuellen Alltag in seiner Familie: „Meine Tochter lebt in ständiger Angst vor diesem Mann. Er entspricht nicht einmal dem minimalsten Standard für einen Abgeordneten.“ Miller und Emily Moreno teilen sich weiterhin das Sorgerecht für ihre kleine Tochter, die sich wechselnd bei Vater und Mutter aufhält. Zur Übergabe kommt es dabei in einem lokalen Polizeirevier.
„Erst am Sonntag war ich derjenige, der meine Enkelin abholte, weil ich nicht will, dass meine Tochter mit diesem Mann interagieren muss“, führte Moreno aus. „Die Kleine hat einen blauen Stoffhasen, mit dem sie einschläft. Max weigerte sich, uns diesen mitzugeben. Er hat das Kuscheltier 48 Stunden lang als Geisel genommen. Die Kleine weint die ganze Nacht, weil sie ohne ihren blauen Stoffhasen nicht schlafen kann. Erst nach zwei Tagen überlässt er das Kuscheltier. Das ist das Level an Verdorbenheit, mit dem wir es hier zu tun haben.“
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Miller gilt als Unterstützer der Ukraine
Auch diese Geschichte leugnete Miller öffentlich. „Er hat es zwei Jahre lang vermieden, sich öffentlich gegen mich zu stellen. Warum wohl? Warum bot meine Ex-Frau mir Tage nach dem angeblichen Übergriff noch an, mir Essen zu kochen?“, sagte er dem US-Nachrichtensender CNN.
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Laut dem Magazin „The Atlantic“, welches sich auf Personen aus dem Umfeld der Familie beruft, soll Bernie Morenos anfängliches Schweigen auf den Wunsch seiner Tochter zurückgehen. Diese habe nicht gewollt, dass ihre eigene Tochter eines Tages lesen müsse, wie ihr Großvater ihren Vater angriff. Auch habe Moreno während des laufenden Rechtsstreits gezögert, sich öffentlich zu äußern, da Millers Anwälte dies mit ziemlicher Sicherheit gegen seine Familie verwenden könnten.
Der gebürtige Kolumbianer Moreno gehört zum Trump-nahen Flügel der Republikaner und gilt etwa in der Migrationspolitik als Hardliner. Kürzlich griff er auch den früheren Corona-Berater des Weißen Hauses, Anthony Fauci, in einer Senatsanhörung mit Beschimpfungen an.
Miller behauptete derweil, man könne ihm aufgrund seiner politischen Arbeit, die unter anderem eine umfassende Unterstützung der Ukraine im russischen Angriffskrieg umfasst, nichts vorwerfen, also gehe man auf die persönliche Ebene.
„Sie wird immer meinen Nachnamen tragen“, sagt Miller über seine Tochter
Miller verglich sich selbst im Gespräch mit CNN wiederum mit US-Präsident Trump. Auch diesen hätten Medien und Öffentlichkeit mit diversen Missbrauchs- und Belästigungsvorwürfen kalt stellen wollen. „Aber wisst ihr was? Er hat sich durchgebissen und gab nicht auf““, sagte Miller.
Seine Tochter werde „das alles eines Tages sehen. Und sie wird nicht sehen, dass ihr Vater dem Druck aus der Politik und den sozialen Medien nachgegeben hat – wegen einer Sache, die er nie getan hat. Sie wird immer meinen Nachnamen tragen“, so Miller.
Bevor Miller Bernie Morenos Tochter heiratete, hatte er seinen künftigen Schwiegersohn noch verteidigt. Dieser habe in jungen Jahren Fehler gemacht, sei nun aber ein anderer Mensch. „Er ist ein Mann von unglaublichen Werten und Moralvorstellungen“, sagte er 2021 dem „Jewish Insider“. Bei der Hochzeit der beiden war auch Trump als Gast anwesend. Kennengelernt hatten sie sich bereits 2015, als beide für die Präsidentschaftskampagne von Marco Rubio arbeiteten.
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Dazwischen war Miller von 2019 bis April 2020 zeitweise mit der 13 Jahre älteren Stephanie Grisham liiert, ihrerseits einstige Pressesprecherin von Präsident Trump.
Auch sie warf Miller Gewalt in der Beziehung vor. Miller habe sie in seiner Wohnung gegen eine Wand gedrückt und ihr ins Gesicht geschlagen, nachdem sie ihm vorgeworfen hatte, sie zu betrügen. Miller bestritt alles, verklagte auch Grisham wegen Verleumdung. Schließlich kam es zu einer vertraulichen Vereinbarung. Grisham wirft Miller nun vor, gegen Verschwiegenheitsregeln verstoßen zu haben.
„Er ist ein guter Mensch“, sagt Trump
Präsident Trump hält sich bislang aus dem Konflikt zwischen Miller und Moreno größtenteils heraus. Es handle sich um Anschuldigungen, die Familie müsse die Sache klären, sagte er am Montag zu Reportern. „Er ist ein guter Mensch. Ich meine, ich habe ihn immer für einen sehr guten Menschen gehalten. Ich hoffe er kann die Sache regeln. Er tut mir leid“, sagte Trump.
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Nach übereinstimmenden US-Medienberichten rief Trump Miller am Montag aber an und äußerte Zweifel an dessen Chancen, wiedergewählt zu werden. „Die Dinge sehen nicht gut aus“, soll Trump gesagt haben. Für die Republikaner ist der Fall auch politisch heikel. Millers Wahlbezirk in Ohio könnte infolge der Vorwürfe bei den Wahlen im November an den demokratischen Kandidaten Brian Poindexter fallen.
Manche republikanische Wähler lässt die gesamte Affäre kalt. „Sie können sagen, was sie wollen, aber das wird meine Wahlentscheidung nicht beeinflussen. Ich bin auch nicht perfekt und auch nicht immer ein besonders guter Mensch“ sagte etwa eine Trump-Anhängerin in Ohio der „Washington Post“.
Andere sagten, Miller möge vielleicht seine Probleme haben, doch die Demokraten seien etwa wegen Rechten für Transgender-Personen viel schlimmer. Einige Republikaner sagten allerdings auch, sie würden sich angesichts der Vorwürfe gegen Miller wohl ihrer Stimme enthalten.
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