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Trumps Rede zur Lage der Nation, die längste der Geschichte: „Unser Land ist zurück – größer, reicher, stärker“
Falsche Zahlen und trotzdem viel Applaus: Am späten Dienstagabend (Ortszeit) hat US-Präsident Donald Trump seine Rede zur Lage der Nation gehalten. Die wichtigsten Punkte aus den 107 Minuten.
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Alles läuft einfach bestens – so lässt sich der Inhalt von Donald Trumps erster Rede zur Lage der Nation seit seiner Amtseinführung am 20. Januar 2025 zusammenfassen. Es ist die längste Ansprache dieser Art seit Beginn der Aufzeichnungen.
Am Dienstag um 22:00 Uhr (Ortszeit) betrat Donald Trump den Saal im Kapitol, unter tosendem Applaus seiner Republikanischen Partei. Zuvor waren First Lady Melania, sein jüngster Sohn Barron und weitere Familienmitglieder ähnlich euphorisch begrüßt worden.
In den insgesamt 107 Minuten konzentrierte sich der 79-Jährige auf die vermeintlichen Errungenschaften seiner zweiten Präsidentschaft – und brach damit den Rekord von Bill Clintons State of the Union, der 2000 genau 88 Minuten gesprochen hatte.
„Unser Land ist zurück – besser, größer, reicher, stärker als je zuvor“, tönte Trump zu Beginn seiner Rede vor beiden Kammern des US-Parlaments. „Wir werden besser, besser und besser. Das ist das goldene Zeitalter Amerikas.“

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Kriege und Chaos hätten die Welt beherrscht, als er das heruntergewirtschaftete Land übernommen habe, behauptete der US-Präsident. Das habe sich durch ihn nun alles verändert, zum Guten, natürlich.
Die Inflation? Schuld der Demokraten und seines Vorgängers Joe Biden, dessen Präsidentschaft er, wenig überraschend, als „Katastrophe“ bezeichnete.
Tatsächlich steht der Präsident innen- wie außenpolitisch unter Druck. Einer aktuellen Umfrage der Nachrichtenagentur Reuters und des Instituts Ipsos zufolge sind nur 40 Prozent der Amerikaner mit seiner Arbeit zufrieden. Mit großer Sorge blicken die Republikaner auf die Zwischenwahlen im November.
Trump: Keine illegale Migration mehr
In seiner Ansprache versuchte Trump nun, die Stimmung herumzureißen. Dank der aktuellen Regierung gäbe es mehr Arbeitsplätze, steigende Einkommen, sinkende Benzinpreise, eine florierende Wirtschaft, die größten Steuersenkungen in der US-Geschichte – und ein Ende der illegalen Migration. Grundlage hierfür sind Zahlen, die teilweise zwar stimmen, aber auch Spielraum zur Interpretation geben: So profitieren längst nicht alle Amerikaner, aber vor allem die Reichsten von den Reformen.
Amerika werde in der Welt endlich wieder respektiert, sagte Trump. Und: „Wir gehen nie wieder dorthin zurück, wo wir noch vor wenigen Monaten waren.“
In den vergangenen Monaten seien „null illegale Migranten ins Land“ gekommen, führte er aus, während sein Maga-Lager rhythmisch klatschend immer wieder „USA! USA! USA!“ skandierte.
Zugleich schlug er scheinbar ruhigere Töne an, wohl auch, um die kritischen Stimmen seiner eigenen Partei zu den brutalen Razzien der Einwanderungsbehörde ICE zu beruhigen. „Wir werden immer erlauben, Menschen legal einreisen zu lassen“, sagte er. „Menschen, die unser Land lieben und es erhalten wollen.“
Falsche Zahlen
Weiter lobte Trump seine Zölle, die erst kürzlich vom Supreme Court gekippt worden waren. Eine „unglückliche Entscheidung“ sei das gewesen, klagte der frühere Immobilientycoon vor einigen der höchsten Richter, die ebenfalls im Saal waren.

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Dann behauptete er, „in zwölf Monaten Zusagen für mehr als 18 Billionen Dollar aus aller Welt gesichert“ zu haben.
Wie er auf diesen Wert kommt, ist unklar. CNN bezeichnet die Zahl als frei erfunden: Am Abend von Trumps Rede gab die Website des Weißen Hauses an, dass sich die „großen Investitionsankündigungen“ während Trumps Amtszeit auf „9,7 Billionen Dollar“ beliefen, und selbst diese Zahl ist laut Hochrechnungen des US-Senders stark übertrieben.
Wer war da?
Zu Trumps rechter Hand saß, wie üblich, Vizepräsident JD Vance, zu seiner Linken Mike Johnson, Sprecher des Repräsentantenhauses und Republikaner aus dem US-Bundesstaat Louisiana. Immer wieder standen beide auf, um mit Applaus die Stimmung im Saal anzuheizen.

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Vance, so verkündete Trump, werde künftig persönlich einen „Krieg“ gegen großangelegte Betrugsfälle im Land führen, wie im Fall der „somalischen Piraten“ in Minnesota. Auf die somalische Community dort hat er sich besonders eingeschossen, bezeichnete sie in der Vergangenheit als „Müll“, den er nicht in seinem Land haben wollte.
Doch nicht nur die hochrangigsten Vertreter der Republikanischen Partei waren anwesend, sondern auch zahlreiche Gäste. Darunter: Erika Kirk, Ehefrau des bei einem Attentat ermordeten rechten Aktivisten und Trump-Unterstützers Charlie Kirk.

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Immer wieder begrüßte Trump zahlreiche Männer und Frauen, deren persönliche Geschichten und Schicksale offenbar seine Politik rechtfertigen und als Beweis dienen sollten, dass in den demokratisch regierten Städten und Bundesstaaten die Lage außer Kontrolle wäre.
Wir lieben euch alle.
Donald Trump, US-Präsident
So waren unter anderem die Eltern der Nationalgardistin anwesend, die während ihres Einsatzes in Washington, D. C., getötet worden war. Und die Mutter einer jungen ukrainischen Frau, die in der U-Bahn in Charlotte (North Carolina) von hinten erstochen worden war.
„Wir lieben euch alle“, sagte Trump. „Und wir sind stolz darauf, die Sicherheit des Landes wiederherzustellen.“ Geliebt würden auch die Armee, die Sicherheitsbehörden – und die Feuerwehr. Gerade die werde viel zu wenig erwähnt, bedauerte der Präsident.
Auszeichnung für Eishockey-Torwart
Bei der Rede auch dabei war das Eishockeyteam der Herren, das am Sonntag bei den Olympischen Spielen im Finale gegen Kanada Gold geholt hatte.

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Manche Spieler winkten fröhlich in die Kameras, andere kauten verlegen Kaugummi, als Trump ihnen zu ihrem patriotischen Sieg gratulierte.
Connor Hellebuyck zeichnete er mit der Presidential Medal of Freedom aus, der höchsten zivilen Auszeichnung der Nation. Der 32-jährige Torwart der US-Nationalmannschaft und Spieler bei den Winnipeg Jets in der NHL war maßgeblich am ersten Goldmedaillengewinn der US-Eishockeymannschaft seit 1980 beteiligt.
Trump fordert Reform des Wahlgesetzes
Weiter forderte Trump die Verabschiedung des „Save America Act“, der einen Nachweis der Staatsbürgerschaft und einen Wählerausweis für die Stimmabgabe vorschreibt. Beobachter gehen davon aus, dass dieses umstrittene Vorhaben keine Chance hat, den Senat zu passieren.
Zugleich behauptete er erneut, die Wahl 2020 sei von den Demokraten gestohlen worden. Seine zweite Amtszeit sollte eigentlich seine dritte sein, „aber es passieren seltsame Dinge“, sagte der Republikaner – obwohl diese Behauptung schon lange und mehrfach widerlegt worden ist.
Scharfe Worte in Richtung Iran
Scharfe Worte fand er in Richtung Iran: Das Regime hätte bereits Waffen entwickelt, „die Europa und unsere Stützpunkte in Übersee bedrohen können, und sie arbeiten daran, Raketen zu bauen, die bald die Vereinigten Staaten von Amerika erreichen werden“.
Zu den aktuellen Verhandlungen mit Teheran sagte Trump nun, man wolle einen „Deal“ machen – optimistisch, dass es tatsächlich dazu kommt, wirkte er jedoch nicht. Der Iran habe sich noch nicht einverstanden erklärt, auf Nuklearwaffen zu verzichten.

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„Ich werde niemals zulassen, dass der weltweit größte Förderer des Terrors, der sie bei Weitem sind, eine Atomwaffe besitzt. Das kann ich nicht zulassen“, betonte der US-Präsident am späten Dienstagabend.
Bereits mehrfach hat er dem Iran mit einem Angriff gedroht und zwei Flugzeugträger in die Region beordert – Beobachter halten einen Krieg für möglich.
Kopfschütteln bei den Demokraten
Der US-Abgeordnete Al Green wurde des Saales verwiesen, weil er während der Rede ein Schild mit dem Satz „Schwarze Menschen sind keine Affen“ hochgehalten hatte.

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Vor wenigen Wochen hatte der Präsident auf seiner Online-Plattform Truth Social ein Video geteilt, in dem der frühere demokratische Präsident Barack und dessen Ehefrau Michelle Obama als Affen dargestellt wurden – ein klassisches rassistisches Mittel zur Beleidigung und Herabwürdigung schwarzer Menschen. Das Weiße Haus versuchte erfolglos, den Vorfall herunterzuspielen, und löschte schließlich das Video.
Mit einer klaren und pointierten Rede konterten die Demokraten Trumps State of the Union. Darin sparte Virginias Gouverneurin Abigail Spanberger nicht an Kritik am US-Präsidenten, verwies auf die Schwachstellen seiner Wirtschafts- und Einwanderungspolitik.
Manche Demokraten hatten die Rede im Kapitol boykottiert und waren ihr ferngeblieben. Andere, wie Senatorin Elizabeth Warren, kamen demonstrativ. Sie sei anwesend für die Menschen aus ihrem Bundesstaat Massachusetts, sagte sie einer Reporterin von CNN. Denn sie wüssten alle, dass Trump lügen werde. Das solle er aber wenigstens direkt in ihr Gesicht machen müssen.
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