„Zum ersten Mal seit Jahrhunderten“: Polizei in Israel verbietet Lateinischem Patriarchen Zutritt zur Grabeskirche
zum Hauptinhalt
Kardinal Pierbattista Pizzaballa trifft im April 2025 zu einer Sitzung des Kardinalskollegiums im Vatikan ein.

© dpa/Andrew Medichini

„Zum ersten Mal seit Jahrhunderten“: Polizei in Israel verbietet Lateinischem Patriarchen Zutritt zur Grabeskirche

Mit Palmsonntag beginnt für Christen die Karwoche, in der an Leiden, Sterben und Auferstehung von Jesus erinnert wird. Eine Zeremonie mit Kardinal Pizzaballa in Jerusalem platzte. Es hagelt Kritik.

Stand:

Sie nutzen Google? Sie können sich Artikel des Tagesspiegels in der Google-Suche
nun bevorzugt anzeigen lassen. Mehr erfahren oder direkt aktivieren.

Heftige Vorwürfe gegen Israel wegen des Umgangs mit dem höchsten Vertreter der katholischen Kirche im Heiligen Land: Die israelische Polizei hat den Lateinischen Patriarchen von Jerusalem daran gehindert, zum Beginn der Karwoche die Palmsonntagsmesse in der Grabeskirche zu feiern. Pierbattista Pizzaballa sei das Betreten der Grabeskirche in Jerusalem untersagt worden, hieß es in einer Erklärung des Patriarchats.

Mit ihm sei zudem der Kustos im Heiligen Land, Francesco Ielpo, gewesen. Der Franziskaner ist der oberste Wächter der Heiligen Stätten, einschließlich der Grabeskirche. Pizzaballa und dem Kustos im Heiligen Land sei somit die Feier der Palmsonntagsmesse in der Kirche „zum ersten Mal seit Jahrhunderten“ verwehrt worden.

„Die Tatsache, dass dem Kardinal und dem Kustos der Zutritt verwehrt wurde, die die ranghöchsten Vertreter der katholischen Kirche an den heiligen Stätten sind, stellt eine offensichtlich unangemessene und völlig unverhältnismäßige Maßnahme dar“, hieß es in der Stellungnahme weiter.

Regierung in Italien empört sich

Auch die italienische Regierung äußerte deutliche Kritik. Regierungschefin Giorgia Meloni erklärte, das Vorgehen der Polizei sei „eine Beleidigung nicht nur für die Gläubigen, sondern für jede Gemeinschaft, die die Religionsfreiheit anerkennt“. Italiens Außenminister Antonio Tajani schrieb im Onlinedienst X, er habe den israelischen Botschafter in Rom einbestellt. Das Gespräch sei für Montag geplant.

Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen von unseren Redakteuren ausgewählten, externen Inhalt, der den Artikel für Sie mit zusätzlichen Informationen anreichert. Sie können sich hier den externen Inhalt mit einem Klick anzeigen lassen oder wieder ausblenden.

Ich bin damit einverstanden, dass mir der externe Inhalt angezeigt wird. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr Informationen dazu erhalten Sie in den Datenschutz-Einstellungen. Diese finden Sie ganz unten auf unserer Seite im Footer, sodass Sie Ihre Einstellungen jederzeit verwalten oder widerrufen können.

Der Palmsonntag bildet den Auftakt der Karwoche, in der Christen an das Leiden und Sterben von Jesus Christus und schließlich an seine Auferstehung an Ostern erinnern. Am Palmsonntag tragen Gläubige traditionell Oliven- und Palmzweige, um daran zu erinnern, wie die Menschen Jesus Christus bei seinem Einzug in Jerusalem vor seiner Kreuzigung mit Palmwedeln zujubelten.

Seit Beginn des Iran-Krieges am 28. Februar haben die israelischen Behörden aber größere Versammlungen untersagt, auch in Kirchen und Moscheen. Das Lateinische Patriarchat hatte deshalb bereits angekündigt, auf die traditionelle Palmsonntagsprozession zu verzichten. Diese führt normalerweise vom Ölberg in die Altstadt von Jerusalem und zieht tausende Gläubige an.

Die israelische Polizei betonte in einer Mitteilung, dass alle heiligen Stätten in der Altstadt von Jerusalem aus Sicherheitsgründen wegen des Iran-Kriegs derzeit geschlossen seien – vor allem solche, die „nicht über standardmäßige Schutzräume verfügen, um die öffentliche Sicherheit zu gewährleisten“. Eine Anfrage von Pizzaballa sei am Vortag geprüft und ihr in Übereinstimmung mit den Schutzmaßnahmen des Zivilschutzes nicht stattgegeben worden.

Das Gebiet in der Altstadt sei bei Notfällen schwer für Rettungskräfte zu erreichen, was ein „reales Risiko für Menschenleben“ darstelle. Die Religionsfreiheit bleibe dennoch weiterhin gewahrt, jedoch unter den notwendigen Einschränkungen, hieß es von der Polizei weiter.

Das Lateinische Patriarchat betonte jedoch, Pizzaballa und Ielpo hätten sich an alle seit Beginn des Kriegs auferlegten Beschränkungen gehalten. Sie seien „privat und ohne jegliche Merkmale einer Prozession“, wie eigentlich am Palmsonntag üblich, unterwegs zur Kirche gewesen, hieß es in der Mitteilung. Das Verhalten der Polizei verstoße „gegen die Grundprinzipien der Vernunft und der Religionsfreiheit“. (AFP, dpa)

Zur Startseite

showPaywall:
false
isSubscriber:
false
isPaid:
false
console.debug({ userId: "", verifiedBot: "false", botCategory: "" })