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Ein Kanzler im Medienwechsel: Bismarcks Mixtape
Dass Bismarck plötzlich spricht, ist eine Sensation. Was er spricht, ist indes eher kurios als denkwürdig. Und gibt doch zu denken: darüber, wie neue Medien wahrgenommen werden. Ein Exkurs.
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Man wüsste gern, was den Mann bewegte: War es tatsächlich Humor oder die grandiose Unterschätzung dessen, was er da vor sich hatte? Oder hielt Bismarck das einfach für angemessen: die Rezitation als eine dem Politiker zugängliche Kunstform, der Vortrag selbst als ein Gruß aus dem Reich in die USA und in das jüngst besiegte Nachbarland Frankreich? Bereitete er sich akribisch auf seinen „Auftritt“ vor dem Walzen-Phonographen vor oder redete er aus dem Stegreif? Egal, was es war, dass den Reichskanzler davon abbrachte, sich nicht - wie nach Expertenaussagen vorbereitet - mit einer Rede politisch zu äußern, sondern mit genau dieser Performance in die Geschichte der Tonaufzeichnung einzugehen: Es lässt nun, bald 125 Jahre später, in jedem Fall aufhorchen. Dass Bismarck den Nachgeborenen ein krudes Mixtape mit gesprochenen Fragmenten aus Corpsliedern, (internationaler) Folklore, Marseillaise und einem Ratschlag an den Sohn vermachte, das erscheint – nun, da es entdeckt und eine Sensation ist – auch und vor allem eins: komisch.
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