Die besten Comics des Quartals: Lucky Luke reitet an die Spitze der Kritikerauswahl
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Ein Panel aus dem Album „Lucky Luke – Die Grimm Brothers“.

© Story House Egmont / 2026 Lucky Comics

Die besten Comics des Quartals: Lucky Luke reitet an die Spitze der Kritikerauswahl

Alle drei Monate wählen 30 deutschsprachige Comickritiker die besten Neuerscheinungen der Saison. Hier die Liste der zehn aktuellen Favoriten.

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Das Berliner Comicduo Flix und Reinhard Kleist lässt in seinem neuen Gemeinschaftswerk den Westernhelden Lucky Luke auf die Gebrüder Grimm treffen.

Das Ergebnis ist eine liebevolle Hommage, die seit ihrem Erscheinen Anfang Juni auch viele Kritikerinnen und Kritiker begeistert hat. Eine Jury aus 30 deutschsprachigen Comicfachleuten, der auch der Autor dieses Artikels angehört, hat das Album „Die Grimm Brothers“ jetzt zum besten Comic des Quartals gewählt.

Im Zentrum von „Die Grimm Brothers“ steht eine fiktive Lesereise der deutschen Märchensammler durch die USA zur Zeit des „Wilden Westens“. Weil sich in Amerika zunächst niemand für diese Art von Geschichten interessiert, regt Lucky Luke an, die Geschichten mit Cowboys und Westernhelden anzureichern.

Bild aus diesem Album: Flix & Reinhard Kleist: "Lucky Luke - Die Grimm Brothers"Quelle: Story House Egmont / 2026 Lucky Comics
Eine Szene aus dem Album „Lucky Luke – Die Grimm Brothers“.

© Story House Egmont / 2026 Lucky Comics

So entsteht ein humorvolles Crossover, das Märchenfiguren wie Rotkäppchen oder Schneewittchen mit dem Lucky-Luke-Universum verbindet und unterhaltsam die soziale Wirkung von Mythen und erfundenen Geschichten thematisiert.

Flix hat in diesem Fall die Rolle des Autors und Szenaristen übernommen, Reinhard Kleist hat das Album gezeichnet. Mit seinem Skript erweist sich Flix einmal mehr als versierter Humorist mit sicherem Gespür für Pointen und Timing. Neben viel Slapstick gelingen ihm dabei auch treffende Seitenhiebe auf den Kulturbetrieb.

1 „Lucky Luke - Die Grimm Brothers“

Titel: Flix & Reinhard Kleist: "Lucky Luke - Die Grimm Brothers"Quelle: Lucky Comics 2026 /Story House Egmont
Flix und Reinhard Kleist: „Lucky Luke – Die Grimm Brothers“, Egmont, 48 Seiten, Lesealter ab 8 Jahren, Softcover 9,99 Euro, Hardcover 17 Euro, Vorzugsausgabe mit signiertem Print und Bonusinhalten 59 Euro.

© PR/Lucky Comics 2026 /Story House Egmont

Kleists detailreiche Zeichnungen tragen unverkennbar seine Handschrift – besonders bei den charakterstarken Figuren und ihren expressiven Gesichtern. Die Actionszenen sind präzise choreografiert, die Kulissen mit schwungvollem Tintenstrich gestaltet. Gleichzeitig bleibt er stilistisch näher an der von Morris geprägten Ästhetik als manche andere Hommage-Bände. Mehr zu dem im Berliner Egmont-Verlag veröffentlichten Album und seinen Hintergründen hier.

Der Tagesspiegel präsentiert die Comic-Bestenliste in Kooperation mit dem RBB-Sender Radio 3, der Fachzeitschrift „BuchMarkt“ und der Website Comic.de.


2 „Herr Hase und die patagonischen Karotten“

Lewis Trondheim: "Herr Hase und die patagonischen Karotten", Foto: Reprodukt
Lewis Trondheim: „Herr Hase und die patagonischen Karotten“, aus dem Französischen von Ulrich Pröfrock, Handlettering von Olav Korth, Reprodukt, 512 Seiten, 39 Euro.

© PR/Reprodukt

Einer der produktivsten und witzigsten Comiczeichner Europas landete mit einem jetzt erstmals auf Deutsch veröffentlichten Frühwerk auf Platz zwei der Kritikerauswahl. Das Buch „Herr Hase und die patagonischen Karotten“ führt zurück zu den Anfängen der Karriere von Lewis Trondheim, zu dessen über 150 Comics umfassendem Oeuvre neben der alltagsphilosophischen Funny-Reihe „Die erstaunlichen Abenteuer von Herrn Hase“ auch die zusammen mit Joann Sfar entwickelte Fantasy-Persiflage „Donjon“ gehört.

Sein jetzt beim Berliner Reprodukt-Verlag veröffentlichtes Werk „Herr Hase und die patagonischen Karotten“ erschien im Original 1992 und war damals von Trondheim weitgehend improvisiert und ohne fertiges Skript gezeichnet worden. Die Story beginnt damit, dass die langohrige Hauptfigur den Botschafter von Patagonien um eine Karotte aus dessen Heimat bitten will, weil die angeblich Flügel verleihen soll. Über 500 Seiten wächst sich das Vorhaben zu einem surrealen Trip aus.


3 „Red“

Josephine Mark: "Red", Foto: Kibitz
Josephine Mark: „Red“, Kibitz, Lesealter ab 12 Jahren, 248 Seiten, 26 Euro.

© PR/Kibitz

Auf dem dritten Platz findet sich eine weitere deutsche Eigenproduktion, die bereits auf der Kritikerliste des ersten Quartals 2026 vertreten war: „Red“, das aktuelle Buch von Josephine Mark, die sich mit Erfolgstiteln wie „Trip mit Tropf“ und der Comicadaption von „Der Bärbeiß“ einen Namen gemacht hat.

Mit schwarzem Humor und dynamischem Tintenstrich erzählt sie in „Red“ eine tragikomische Kriminalgeschichte, deren Hauptfiguren ein dreibeiniger Hund und eine Seniorin sind, die 30 Jahre nach dem Tod ihres Mannes herausfinden will, was damals wirklich geschah.


4 „Andy Morgan“

Comic-Cover des am 22.03.2026 gestorbenen belgischen Zeichners Hermann.
Greg/Hermann: „Andy Morgan“ Bd. 1 – Deluxe Edition, enthält die Abenteuer „Oase in Flammen“ und „Das Gesetz des Taifuns“, Avant, 128 Seiten, 50 Euro.

© Avant-Verlag

Auf Platz vier wählte die Jury die Neuauflage eines frankobelgischen Comicklassikers: „Andy Morgan“. Die ab 1966 von Michel Louis Albert Régnier alias Greg geschriebene und von Hermann Huppen, Künstlername Hermann, gezeichnete Abenteuerserie war vielen deutschen Lesern der 1970er Jahre durch ihre Veröffentlichung im „Zack“-Magazin bekannt.

Jetzt hat der Berliner Avant-Verlag damit begonnen, die Abenteuer im Überformat in zwei parallel erscheinenden Ausgaben neu herauszugeben: als „Deluxe-Edition“ in Farbe sowie als „Avant-Edition“ in Schwarz-Weiß.

Hauptfiguren sind der Kapitän und Ex-Interpol-Agent Andy Morgan, sein Freund Barney und ein Schiffsjunge, der in der deutschen Übersetzung Ali heißt. Gemeinsam bereisen die drei exotische Länder und erleben zahlreiche Abenteuer, von denen jeweils zwei in jedem Band der Neuauflage enthalten sind.

Hier gibt es einen Nachruf auf den im März dieses Jahres gestorbenen „Andy Morgan“-Zeichner.


5 „Langer Atem“ 

südkoreanischer Comic "Langer Atem" von Jeong-in Mun, Quelle: Rotopolpress
Jeong-in Mun: „Langer Atem“, aus dem Koreanischen von Sera Kuk, Rotopol, 220 Seiten, 28 Euro.

© Rotopolpress

Die südkoreanische Zeichnerin Jeong-in Mun erzählt in ihrer Graphic Novel „Langer Atem“ von Überlebenskämpfen und Entbehrungen, aber auch von der Schönheit der Natur. Das Buch wurde auf den fünften Platz der Bestenliste gewählt.

Ausgehend von der harten Überlebensgeschichte ihrer alleinerziehenden Großmutter, die sich und ihre Kinder als Taucherin ernährte, schildert die Autorin, wie die damit verbundenen Herausforderungen die Familie über zwei Generationen hinweg geprägt haben.

Die in Frankreich lebende Zeichnerin verbindet Meeresszenen mit Bildern aus dem Familienalltag. In poetischen Schwarz-Weiß-Zeichnungen verwebt sie zudem die Geschichte ihrer Vorfahrinnen mit der eigenen Biografie als Künstlerin. Die Tagesspiegel-Rezension des Buches von Birte Förster gibt es hier.


6 „Die Frau als Mensch: Schamaninnen“ und „Mit dem Wind tanzen“

Ulli Lust - Die Frau als Mensch 2: Schamaninnen
Ulli Lust: „Die Frau als Mensch: Schamaninnen“, Reprodukt, 304 Seiten, 29 Euro.

© reprodukt

Platz sechs teilen sich zwei Sachcomics, die beide dieselbe Punktzahl der Jury bekommen haben.

Das ist zum einen eine weitere deutsche Veröffentlichung, die bereits im ersten Quartal des Jahres auf der Favoritenliste landete: der zweite Band von Ulli Lusts Werk „Die Frau als Mensch“ mit dem Untertitel „Schamaninnen“. In diesem Nachfolger zu ihrem 2025 mit dem Deutschen Sachbuchpreis ausgezeichneten Bestseller vermittelt die Berliner Autorin und Zeichnerin erneut einen frischen Blick auf die Menschheitsgeschichte und erzählt unter anderem von einer Gruppe Nomadinnen und Nomaden vor rund 30.000 Jahren in Mitteleuropa.

Auf Basis umfangreicher Recherchen und Gespräche mit Fachleuten vermittelt sie anschaulich, wie das Leben unserer Vorfahren und vor allem unserer Vorfahrinnen ausgesehen haben könnte. Letzteres ist in der traditionellen Forschung und Geschichtsschreibung immer noch zu oft eine Leerstelle, die Lust jetzt zum zweiten Mal auf kluge wie unterhaltsame Weise füllt.


Emmanuel Lepage: "Mit dem Wind tanzen", Foto: Splitter Verlag
Emmanuel Lepage: „Mit dem Wind tanzen“, Übersetzung Tanja Krämling, Splitter, 224 Seiten, 35 Euro

© PR/Splitter Verlag

Ebenfalls auf Platz sechs kam der Franzose Emmanuel Lepage, der sich in den vergangenen Jahren mit meisterhaft aquarellierten Reiseberichten wie „Ein Frühling in Tschernobyl“ einen Namen als Comicreporter gemacht hat. Nun hat er zum zweiten Mal auf Einladung eines Wissenschaftsteams, das sich dem Schutz von Seeelefanten widmet, den Schauplatz seines Albums „Reise zum Kerguelen-Archipel“ im Indischen Ozean aufgesucht.

In seinem aktuellen Album „Mit dem Wind tanzen“, das im Mai beim Bielefelder Splitter-Verlag auf Deutsch veröffentlicht wurde, fängt er in malerischen Bildern den harten Alltag und die Natur der eisigen Region ein und vermittelt, wie sich der Klimawandel auswirkt.


8 „Endangered“

Ines Korth: "Endangered", Foto: Schwarzer Turm
Ines Korth: „Endangered“, Schwarzer Turm, 128 Seiten, 15 Euro.

© PR/Schwarzer Turm

Das neue Buch von Ines Korth, „Endangered“, kam auf den achten Platz. Darin erzählt die in Nordrhein-Westfalen lebende Autorin und Zeichnerin, die sich zuvor mit der Fantasy-Geschichte „Massu Schmiedstochter“, mehreren Comicbänden der Reihe „Die drei Fragezeichen“ sowie dem Aufklärungsbuch „Das Regelwerk“ einen Namen gemacht hat, eine queere Science-Fiction-Geschichte mit politischer Botschaft.

Hauptfigur ist die junge Nawra, die als eine von wenigen Erdenbürgern auf einem fernen Alien-Planeten in einem Pflanzenladen arbeitet. Als sich die öffentliche Meinung gegen Menschen wie sie wendet, droht ihr die Abschiebung. Eine gerade erst begonnene Liebesgeschichte mit einer mysteriösen Frau könnte ihr Schicksal besiegeln – oder ihre Rettung sein …


9 „Blutsauger“

André Breinbauer: "Blutsauger", Foto: Carlsen Comics
André Breinbauer: „Blutsauger“, Carlsen, Lesealter ab 12 Jahren, 248 Seiten, 28 Euro.

© PR/Carlsen Comics

Auf Platz neun kam das neue Buch des Österreichers André Breinbauer mit dem Titel „Blutsauger“. Der Zeichner, der zuvor „Medusa und Perseus“ als Comic adaptiert hat, verbindet in seinem neuen Werk klassischen Vampirhorror in der Tradition von Bram Stokers „Dracula“ mit Kommentaren zu aktuellem Mietwucher und tiefschwarzem Wiener Humor.

Hauptfigur der visuell an nachträglich kolorierte expressionistische Stummfilme erinnernden Geschichte ist eine junge Frau im Wien der Gegenwart. Sie hat es mit einem unheimlichen Nachbarn zu tun, der direkt aus Friedrich Wilhelm Murnaus Stummfilmklassiker „Nosferatu“ entstiegen sein könnte – und wird zudem mit den Machenschaften von Immobilienspekulanten konfrontiert.


10 „Metropolia: Die Außenbezirke“

Fred Duval / Ingo Römling: "Metropolia 2: Die Außenbezirke", Credit: Splitter
Fred Duval und Ingo Römling: „Metropolia 2: Die Außenbezirke“, Übersetzung Tanja Krämling, Splitter, 56 Seiten, 18 Euro

© PR/Splitter

Auf den zehnten Platz wählte die Jury eine deutsch-französische Co-Produktion: den zweiten Band der in Berlin spielenden Science-Fiction-Reihe „Metropolia“ mit dem Untertitel „Die Außenbezirke“. Das im Jahr 2099 angesiedelte Szenario hat erneut der Franzose Fred Duval („Reset“) geschrieben, die Visualisierung hat wie im ersten Band der Berliner Zeichner Ingo Römling („Malcolm Max“) übernommen.

Die beiden schicken erneut den Privatermittler Sascha Jäger auf Erkundungen in einer dystopischen Welt, um im Auftrag des allmächtigen Metropolia-Konzerns einen Kriminalfall zu lösen. Dieses Mal geht es um den Brandanschlag auf eine gigantische Baumaschine am Stadtrand, für den eine Gruppe von Umweltaktivisten verdächtigt wird.

Das ist der Ausgangspunkt einer Story, in der Duval aktuelle Themen von Urbanisierung und Ressourcenknappheit bis zur verzweifelten Lage von Flüchtlingen aufgreift. Herausragend sind ein weiteres Mal Römlings Zeichnungen und sein World-Building. Mit elegantem, kraftvollem Strich lässt er ein futuristisches Berlin lebendig werden, das bedrohlich und zugleich verdammt cool aussieht.

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