
© Jörg Schulze
Wagner-Werkstatt (13): Der Zaunpfahl der Kanzlerin
Das gab's noch nie: Eine Journalistin, die in Wagners Allerheiligstes vorgelassen wird und dort sechs Wochen zubringen darf. Diesmal erlebt sie eine witzige Kanzlerin und schwierige Kost fürs eingefleischte Wagnerherz.
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Ich habe es ja immer gesagt: Unsere Bundeskanzlerin kann richtig witzig sein. Das Jackett gewordene Schrebergartentum, das streift man ihr bloß über, sobald irgendwo ein Rotlicht brennt; dieser ganze Ossi-Thatcherismus ist eine Erfindung von Beratern. Bei ihrer ersten – historischer Moment! – Ansprache je auf einem Empfang der Bayerischen Staatsregierung fand Angela Merkel nun ein paar höchst beziehungsreiche, ja hintersinnige Dankesworte. Lieber Horst, sagte sie (gemeint war der Bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer als oberster Ausrichter des Staatsempfangs im Neuen Schloss nach der Eröffnung der Festspiele), lieber Horst, sprach Frau Merkel also und schraubte das Mikrofon einen halben Meter weiter runter, ich möchte es kurz machen und mich bedanken: Bei Richard Wagner für den „Lohengrin“, bei den Künstlern für die Kunst und bei den Schwestern Festspielleiterinnen dafür, dass sie sich so gut vertragen! Rumms! Zaunpfahl! Ha! Mächtiges Raunen im weißblauen Festzelt. Darüber fiel prompt nicht groß auf, dass Angie sich beim Horst für die leckeren Häppchen und Schlückchen irgendwie gar nicht bedankte, was dazu führte, dass Kabinettskollege Rainer Brüderle noch zwei Stunden nach der Kanzlerinnenansprache leicht orientierungslos durch den Garten irrte: „Wo isch’n hier der Wein? Wo isch’n hier der Wein?“
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