Die Konzert-Tipps der Woche: „Neu!“ und ein bisschen Kraftwerk – Michael Rother live in Berlin
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Musiker Michael Rother.

© IMAGO/opale.photo/IMAGO/Renaud Monfourny

Die Konzert-Tipps der Woche: „Neu!“ und ein bisschen Kraftwerk – Michael Rother live in Berlin

Ein Krautrock-Pionier in der Neuen Nationalgalerie und Spannendes bei Young Euro Classic.

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Es wird mal wieder einiges geboten auf den Berliner Konzertbühnen: ein Krautrock-Held in den besten Jahren, ein Trip in die 90er mit Eurodance-Veteranen, eine isländische Oscar-Gewinnerin und ein bärtiges Indierock-Original.

Bei Young Euro Classic erwarten Sie zwei spannende und ungewöhnliche Orchester. Und die Abhörstation auf dem Teufelsberg wird zur Konzertbühne.

Hier sind unsere Konzert-Tipps für die kommende Woche!

1 90er und 2000er Live Open Air

Captain Hollywood
Held des Eurodance: Captain Hollywood im Jahr 1996.

© IMAGO/Idols / Avalon

Den in der BRD stationierten Truppen der US-Army hat die einheimische Popkultur einiges zu verdanken. Nicht nur, dass Radiosender wie AFN US-Pop bekannt machten oder Elvis seinen Wehrdienst in Hessen ableistete.

Manche GIs machten auch nach ihrer Dienstzeit im Gastland Karriere. Neben Turbo B, der mit Snap! zum Star wurde, zählt Tony Harrison zu den prominentesten Paradiesvögeln.

Der Rapper und Breakdancer hatte mit Twenty 4 Seven an den Fleischtöpfen der Musikindustrie geschnuppert, ehe er als Captain Hollywood eine typische 90er-Karriere durcheilte.

Eurodance-Hits wie „More and More“ oder „Only With You“, die auf MTV und Viva in Dauerrotation liefen, katapultierten ihn auf den deutschen Pop-Olymp, von dem er nach turbulenten Jahren schnell wieder runterpurzelte. Wie andere 90er-Jahre-Sternchen lebt auch Harrison, der am Sonntag 64 wird, vom Echo seines einstigen Ruhms.

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Gemeinsam mit Rednex („Cotton Eye Joe“) und Oli P., der mit Coverversionen von Grönemeyer („Flugzeuge im Bauch“) und Maffay („So bist du“) Riesenerfolge feierte, wird Captain Hollywood bei der Konzertsause 90er und 2000er Live den Hof der Kulturbrauerei in einen hochsommerlichen Hexenkessel verwandeln. (wun)

2 Youth Symphony Orchestra of Turkmenistan

Youth Symphony Orchestra of Turkmenistan - Young Euro Classic
Besuch vom Kaspischen Meer: Youth Symphony Orchestra of Turkmenistan.

© MAGADOV-HASAN

Das ungewöhnlichste Programm bei Young Euro Classic hat das Youth Symphony Orchestra of Turkmenistan mitgebracht. Das Ensemble unter Leitung von Gründer Rasul Klychev stellt sich mit drei Werken aus seiner Heimat vor: Chary Nurymovs Klavierkonzert (1975, Solist: Shaislam Komildjanov), Veli Muhatovs sinfonische Dichtung „Mein Vaterland“ (1950) und Nury Halmmedovs „Wind der Karakum-Wüste“.

Ausgebildet in Moskau, lassen sie traditionelle Formen in ihre Werke einfließen. Hinzu kommen Aidan Golds Konzert für Schlagwerk „Lieder aus Turkmenistan“ (2018).

„Diable qui danse“ op. 265 von Pierre Thilloy ist in Deutscher Erstaufführung zu hören. Sowie Arturo Márquez’· Danzón Nr. 2. (wei)

3 Sky Concert: Stegreif auf dem Teufelsberg

Stegreif Orchester auf dem Teufelsberg: Sky concert
Einen geheimnisvollen Ort neu erleben: Das Stegreif Orchester auf dem Teufelsberg.

© Sebastian Lange

In Projekten wie „Freebruckner“ oder „Freemahler“ improvisierte das Stegreif Orchester über Klassiker der Musikgeschichte, um festgefahrene Interpretationsmuster aufzuweichen. Das „improvisierende Sinfonieorchester“, dessen Musiker sich meist frei im Raum bewegen, ist nun in der ehemaligen Abhörstation auf dem Teufelsberg zu erleben.

Vier Klangstationen machen die Geschichte des ikonischen Gebäudes neu erfahrbar: vom Trümmerberg über die Abhörstation im Kalten Krieg bis zum Ort für Kunst und Kultur. Die kammermusikalischen Ensembles tauchen immer auf und sorgen für ein besonderes Erlebnis des Ortes. (wei)

4 Or­ches­tra of the Ameri­cas & Pen­de­recki Youth Orchestra

Orchestra of the Americas - Young Euro Classic
Das 2004 gegründete Orchestra of the Americas bringt Talente aus 30 Ländern zusammen.

© Mariangela Quiroga

Montag kommen bei den Young Euro Classic zwei Jugendorchester zusammen: das Or­ches­tra of the Ameri­cas mit Musikern aus 30 Ländern sowie das polnische Pen­de­recki Youth Orchestra. Sie spielen unter der Leitung von Carlos Miguel Prieto Musik von beiden Kontinenten.

Krzysztof Pendereckis „Ciaccona in memoria Giovanni Paolo II“ für Streicher, 2005 zum Tod von Papst Johannes Paul II. komponiert. Dazu Brahms poetische 3. Sinfonie. Der Mexikaner Silvestre Revueltas komponierte seine lebendige „La noche de los Mayas“ 1939 als Filmmusik. Erstmals in Deutschland ist das Orchesterwerk „Antrópolis“ von Grammy-Gewinnerin Gabriela Ortiz zu hören. (wei)

5 Bonnie „Prince“ Billy

Der US-amerikanische Musiker Bonnie Prince Billy
Der US-amerikanische Musiker Bonnie „Prince“ Billy und ein unbekannter Hund.

© Danielle Bartley

Schon durch seine Produktivität ist Will Oldham eine Ausnahmeerscheinung im US-Indierock: Seit 1993 hat er – vor allem unter seinem Alias Bonnie „Prince“ Billy – über 30 Alben veröffentlicht, dazu Dutzende EPs und über 80 Singles, fast alle mit exklusiven Songs.

Noch erstaunlicher als das schiere Ausmaß seines Oeuvres ist die Tatsache, dass der 56-Jährige dabei keine künstlerischen Kompromisse eingegangen ist und sich als eine der eigenwilligsten Stimmen im weiten Feld zwischen Americana, Country und Folk etabliert hat. Oldhams Musik ist, auch wenn sie existenzielle Themen wie Tod und Verlust verhandelt, niemals hoffnungslos.

Eines seiner schönsten Lieder ist durch einen anderen noch berühmter geworden: Johnny Cash sang „I See a Darkness“ 2000, drei Jahre vor seinem Tod, als herzzerkrümelnde Moritat. In Bonnie „Prince“ Billy hat der Man in Black einen würdigen Erben gefunden. (wun)

6 Sound in the Garden mit Michael Rother

Konzert von Michael Rother Silent Green, Berlin Michael Rother & Friends celebrate 50 years of NEU
Michael Rother beim Konzert zum 50. Jubiläum des Neu!-Debütalbums.

© IMAGO/Roland Owsnitzki

Der unerbittliche Lauf der Zeit bringt es mit sich, dass von den Helden der goldenen Krautrock-Ära immer weniger unter uns weilen. So lebt jeweils nur noch ein hochbetagtes Gründungsmitglied des rheinischen Dreigestirns Kraftwerk, Can und Neu!: Ralf Hütter, 79, hütet argusäugig das Kraftwerk-Erbe, deren letzte Platte 2003 erschien. Irmin Schmidt, einziger Überlebender von Can, hat sich mit 89 von der Bühne zurückgezogen. Bleibt Michael Rother, 75, als letzter echter Aktivposten der Krautrock-Pioniere.

Der gebürtige Hamburger gründete 1971, nachdem er kurz bei Kraftwerk gespielt hatte, mit Schlagzeuger Klaus Dinger in Düsseldorf Neu!, deren Verschmelzung von repetitiven Motorik-Beats und Rothers mal trancigen, mal spacig-dissonanten Gitarrenakkorden Generationen von Musikern zum Vorbild wurde.

Während Neu! im konzeptionellen Disput zwischen Dinger und Rother zerrieben wurde, gründete letzterer 1973 mit Hans-Joachim Roedelius und Dieter Moebius, zwei Hauptvertretern der Berliner Krautrock-Szene, im niedersächsischen Bevern Harmonia.

Deren melodiöse Electronica-Instrumentals, auf denen teils auch Ambient-Pionier Brian Eno mitspielte, wiesen schon in die Richtung, die Michael Rother ab 1977 in einer verblüffend erfolgreichen Solokarriere einschlug.

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Auf seinen ersten Soloalben „Flammende Herzen“, „Sterntaler“ und „Katzenmusik“ etablierte Rother, unterstützt von Can-Schlagzeuger Jaki Liebezeit, einen melancholischen Romantizismus, der radiotauglich war und dadurch größere Hörerkreise erreichte.

Von allen Krautrock-Legenden hatte Michael Rother stets die geringsten Berührungsängste: Er stand mit jüngeren Bewunderern wie Sonic-Youth-Drummer Steve Shelley oder den Red Hot Chili Peppers auf der Bühne und war sich für festliche Anlässe nicht zu schade.

Knapp vier Jahre nach dem Konzert zum 50. Jubiläum des Neu!-Debütalbums tritt Michael Rother nun zum Abschluss der viertägigen „Sound in the Garden“-Reihe in der Neuen Nationalgalerie auf. Auf dem Programm stehen Stücke von Neu!, Harmonia und seiner Solojahre – ein betont undogmatischer Querschnitt seines Schaffens (Sa 15.8.).

Außerdem im Programm

Den Eröffnungsabend bestreiten Gigi Masin und Marco Baldini mit jazzigen Ambient-Texturen (Mi 12.8.), Tag 2 steht im Zeichen der futuristischen Techno-Exkursionen des Detroiter Ensembles Dopplereffekt (Do 13.8.). Hauptact des dritten Abends ist die isländische Komponistin Hildur Guðnadóttir, deren Scores zu „Joker“ und „Chernobyl“ mit Preisen überhäuft wurden (Fr 14.8.).

Am Sonntag wird außerdem der japanischen Künstlerin Fujiko Nakaya, die im Skulpturengarten eine ortsspezifische Nebelskulptur präsentiert (So 16.8., 10 Euro), mit Klanginstallationen gehuldigt. (wun)

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