Kultur: Die strenge Disziplin des Luxuriösen
Neues Bauen: die Villa Wall von Kleihues am Wannsee
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Eine herrschaftliche Villa zu entwerfen, das war für Hermann Muthesius, Peter Behrens, Bruno Paul oder Cäsar Pinnau ein architektonisches Schaulaufen, ein Ereignis, durch das sie auch selbst in die höhere Gesellschaft Eingang fanden. Mittlerweile ist den Architekten diese begehrte Bauaufgabe abhanden gekommen, zumindest in Berlin. Das größte Villengebiet Europas vom Ende des Kurfürstendamms über Dahlem und Grunewald, Nikolassee bis Wannsee und darüber hinaus bis Babelsberg bietet so viel attraktiven Altbestand, dass sich für jeden Grad der gesellschaftlichen Stellung und jedes Repräsentationsbedürfnis das passende Objekt finden lässt. Hinzu kommt, dass sich in einem prächtigen Neo-Rokoko-Schlösschen an der Hundekehle nach landläufiger Meinung eben besser Hof halten lässt als in einem modernen Neubau auf irgendeinem Lückengrundstück, und sei er noch so aufwändig und architektonisch untadelig ins Werk gesetzt. Zudem hat sich der Lebensstil des gehobenen Klientels gewandelt. Die Familie ist kleiner, statt fünf Bediensteter reichen ein oder zwei, man lebt privater und verbringt freie Zeit lieber an Lido oder Lago.
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