Komische Oper Berlin: Es war einmal in Kakanien
zum Hauptinhalt
Hurrapatriotismus und Rüschengardinen: Szene aus dem Finale des 2. Akt.

© Monika Rittershaus

Tagesspiegel Plus

Komische Oper Berlin: Es war einmal in Kakanien

Heikle Mission in Sachen Johann Strauß: Der Regisseur Tobias Kratzer zeigt an der Komischen Oper seine Sicht auf den "Zigeuner“baron.

Von Frederik Hanssen

Stand:

Sie nutzen Google? Sie können sich Artikel des Tagesspiegels in der Google-Suche
nun bevorzugt anzeigen lassen. Mehr erfahren oder direkt aktivieren.

Es war Claus Peymann, der das Wort zuletzt bedenkenlos in den Mund genommen hat. 1997, noch als Wiener Burgtheater-Direktor, nannte er den damaligen Berliner Kultursenator Peter Radunski einen „Zigeunerbaron“. Der ätzende Spitzname blieb an dem CDU-Politiker weit über das Ende seiner Amtszeit hängen. Allerdings waren die Operettenkenntnisse des späteren BE-Intendanten nur rudimentär: In Johann Strauß 1885 uraufgeführtem Evergreen wird der Titelheld nämlich durchweg positiv dargestellt. „Als flotter Geist doch früh verwaist, hab’ ich die ganze Welt bereist“ sind seine ersten Worte, im Gegensatz zu allen anderen Figuren des Stücks tritt er den Roma, die auf seinem Gutsbesitz leben, offen entgegen – und wird von ihnen dann auch als „Woiwode“ anerkannt, als ihr Anführer. Weshalb er sich gegenüber den standesdünkelhaften Dorfbewohnern ironisch als „Zigeunerbaron“ bezeichnet.

showPaywall:
true
isSubscriber:
false
isPaid:
true
console.debug({ userId: "", verifiedBot: "false", botCategory: "" })