Der Fall Fritzl: Werk des Grauens
Der Fall Fritzl: Ein Mann hält seine Tochter jahrelang im Keller gefangen und zeugt sieben Kinder mit ihr. Régis Jauffret hat ein Buch darüber geschrieben. Hier erzählt er, was er bei seinen Recherchen entdeckte.
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Als ich im Radio hörte, dass ein Mann namens Josef Fritzl in Amstetten seine Tochter 24 Jahre im Keller gefangen gehalten und mit ihr sieben Kinder hatte, wusste ich sofort: Darüber werde ich einen Roman schreiben. Er heißt „Claustria“, zusammengesetzt aus „Austria“ und „Claustrum“, lateinisch für Verschluss. Es war elf Uhr morgens, ich kochte gerade in meiner Wohnung in Paris Kaffee, und mir fiel es wie Schuppen von den Augen – hier erfüllt sich das Höhlengleichnis von Platon. In Platons Höhle sind die Menschen gefangen und sehen die Außenwelt nur als Schatten an den Wänden. Für die Eingeschlossenen von Amstetten kamen die Projektionen vom Fernsehen, der Fernseher war für sie die einzige Möglichkeit, Tage und Wochen zu strukturieren, den Lauf des Lebens draußen zu verfolgen. Nach mehr als zwei Jahrtausenden ist eine der berühmtesten Geschichten der Menschheit Wirklichkeit geworden.
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