
© Philipp Sickmann
Kunstaktion in Mitte: Poesie auf Beton
Zwischen den zahllosen Baustellen in Berlin Mitte werden die Passanten von Zitaten großer Denker überrascht: Der Künstler Wolfgang Nieblich hat sie auf Betonklötze gesprüht, die eine oberirdische Wasserleitung tragen.
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Schwer hängt der Himmel über der Riesenbaustelle, die im Stadtplan als „Mitte“ verzeichnet ist. Straßensperrungen, Sackgassen, Spurverengungen, Zäune, Gitter, Absperrungen so weit das Auge reicht. Der Bauch Berlins ist aufgerissen, an unzähligen Stellen, die Hauptstadt hat Erneuerungsfieber. Und weil’s so rasant voran geht, gilt: absolutes Halteverbot. Weiträumig, überall dort, wo gerade keine Bagger stehen. Ober- wie unterirdisch wachsen die prestigeträchtigen Problemprojekte: Hohenzollernschloss, Staatsoper, die Kanzler U-Bahn. Nur Schinkels Bauakademie ist immer noch ein potemkinscher Palazzo, Backsteinornamentik auf Plastikplane. Klassizistische Tristesse, ohne Hoffnung auf Investorenliebe. Und als wäre das nicht genug, ist der Bau auf Höhe der Beletage von Rohren umzingelt: Die blauen winden parallel zum „Werderschen Markt“ vorbei, die magentafarbenen auf der Seite des Schinkel-Denkmals. Aufgeständerte Abwasserleitungen sind das, in denen braune Brühe aus den Baugruben gen Spree gurgelt.
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