Architektur: Poesie der Rosenblüte
zum Hauptinhalt
oper peking

© Imago

Tagesspiegel Plus

Architektur: Poesie der Rosenblüte

Architektur und Moral: Totalitäre Staaten machen erfinderisch - nicht nur in China.

Stand:

Sie nutzen Google? Sie können sich Artikel des Tagesspiegels in der Google-Suche
nun bevorzugt anzeigen lassen. Mehr erfahren oder direkt aktivieren.

Architekten bauen (gerne) für die Ewigkeit. Diktaturen halten sich keine Ewigkeit. Allein schon diese Tatsache mag vielen Architekten die Skrupel nehmen, wenn sie in Libyen oder Vietnam, China oder Kasachstan die gigantischen Projekte verwirklichen können, von denen jeder Baumeister insgeheim träumt. Das Kalkül totalitärer Herrscher geht nicht auf, zumindest nicht auf Dauer. Die spektakulären Architekturen, die sie als Kulissen ihrer Macht bauen ließen, künden nach ihrem Ableben nicht mehr von ihrem Ruhm und ihrer Macht. Albert Speers nach dem Krieg formulierte „Ruinenwerttheorie“, nach der die NS-Bauten so solide gebaut sein sollten, dass sie wie die Bauten des Römischen Reichs noch nach tausend Jahren als Ruinen die Größe des deutschen Volks demonstrieren sollten, hat sich schon nach einer Generation erledigt. Das Nürnberger Parteitagsgelände taugt nicht als Beweis. Auch Ceausescus Palast des Volkes, der nach dem Pentagon als zweitgrößtes Gebäude der Welt galt, gereicht nicht mehr ihm zur Ehre. Dort sind inzwischen Senat und Parlament eingezogen, und gegenwärtig tagt dort der Natogipfel, einst des Diktators liebstes Feindbild.

showPaywall:
true
isSubscriber:
false
isPaid:
true
console.debug({ userId: "", verifiedBot: "false", botCategory: "" })