Kritik: Rote Nasen
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Kritik: Rote Nasen

Lars Brandts Roman „Alles Zirkus“ erzählt von der Gleichzeitigkeit privater und politischer Krisen und verhilft dabei einer seltenen literarischen Gestalt zum Auftritt: dem Clown.

Von Gregor Dotzauer

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Die Welt, um gleich aufs große Ganze zu gehen, lässt sich unter anderem als Affenstall, Haifischbecken oder Riesenzirkus beschreiben. Schließlich übt sie sich abwechselnd in unfreiwilliger Komik, brutalem Darwinismus oder ergötzlich inszenierter Theatralik, vielleicht sogar in allem zugleich – was die einzelnen Metaphern, die ohnehin nicht gerade deskriptionsscharf sind, erst recht ins Ungefähre verschwimmen lässt. Wer wie Lars Brandt die Gegenwart unter dem Romantitel „Alles Zirkus“ fassen will, muss sich darüber im Klaren sein, dass der gute alte Wanderzirkus längst durch Hightech-Akrobatik Konkurrenz bekommen hat. Auch deshalb verirren sich, nachdem die Commedia dell’arte mit ihren Arlecchini und Pierrots nur noch kunsthistorischen Artenschutz genießt, Clowns als Spaßmacher wesentlich öfter in die Krankenhäuser als in die zeitgenössische Literatur: Sie taugen im Grunde nur noch zum Zitieren eines Archetypus.

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