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Kultur: Vulkanös
Der Sopranistin Martha Mödl zum 100.
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Eine 100-jährige Martha Mödl stellt man sich gerne vor: Noch ein bisschen kleiner wäre sie gewiss als 2001, als sie das letzte Mal an der Komischen Oper in Mussorgskys „Boris Godunow“ zu erleben war, noch liebenswürdiger und gewitzter, noch ein bisschen verhuschter auch (wie nur Frauen ihrer Generation verhuscht sein konnten, ohne an Präsenz zu verlieren) – und doch nach wie vor mit einem weiten Herzen in die Welt blickend. Die Mödl liebte es, im Restaurant des Savoy an der Charlottenburger Fasanenstraße am Fenster zu sitzen und zu schauen, einfach nur zu schauen. Sie liebte es, weil sie, die sinnlichste der großen Wagner-Heldinnen der fünfziger und sechziger Jahre, gerne Zuschauerin war und still für sich. Und sie liebte es, weil sie sich mit 80 Jahren die Augen hatte operieren lassen und fortan tatsächlich etwas sah. Ihr langes legendäres Bühnenleben zwischen Hamburg, Mailand, Wien, New York und Bayreuth hatte sie demnach nahezu blind verbracht (Kontaktlinsen vertrug sie nicht, Brillen verboten sich) – sicher auch eine Erklärung für die verzehrende Intensität, mit der sie sich in ihre Rollen stürzte.
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