
© Carol Loewen/Hoffmann & Campe Verlag
"Die Aussprache" von Miriam Toews: Worte für das Unsagbare
Am Leben, aber nicht in dieser Welt: Miriam Toews erzählt in ihrem Roman „Die Aussprache“ vom Missbrauch in einer bolivianischen Mennonitengemeinde.
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Vor zehn Jahren wurden in einer entlegenen Mennonitenkolonie in Bolivien, der Manitoba-Kolonie, 150 Kilometer nordöstlich von Santa Cruz, acht Männer verhaftet. Von 2005 bis 2009 hatten sie die Mädchen und Frauen in ihrer Gemeinde systematisch vergewaltigt. Mit einem Betäubungsspray wurden mindestens 130 Opfer sediert und missbraucht. Das jüngste von ihnen war drei Jahre alt. Immer wieder wachten sie benommen auf, mit zerrissenen Nachthemden oder nackt, mit schmutzigen Fingerabdrücken auf den Körpern, mit blauen Flecken und Schmerzen, Blut und Sperma verteilt auf den Laken. Geister seien am Werk, hieß es, oder der Teufel. Also wurden morgens die Betten frisch bezogen und geschwiegen – vier Jahre lang. 2011 verurteilte man die Männer zu 25 Jahren Haft.
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