
© Dado Ruvic/Reuters
Gedenken an Genozid in Srebrenica vor 20 Jahre: Irgendwo lebt ein Massenmörder
Vor 20 Jahren wurden in Deutschland der Reichstag verhüllt und die Renten erhöht - während in Bosnien gemordet wurde. Seitdem arbeiten die Gerichte. Ein Kommentar
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An irgendeinem Ort dieser Erde lebt ein Mann, der früher einmal Dražen Erdemovic hieß. Er trägt diesen Namen nicht mehr. Nicht einmal seine Verwandten und früheren Freunde wissen, wo er lebt und wie er jetzt heißt. Erdemovic ist ein Massenmörder. Als Mitglied des 10. Sabotagekorps der bosnisch-serbischen Armee war der damals 23-jährige Soldat am Genozid von Srebrenica beteiligt, dem schwersten Kriegsverbrechen auf europäischem Boden nach 1945.
Über dem Ort Srebrenica in Ostbosnien war im April 1993 die Flagge der Vereinten Nationen gehisst worden. Sie sollte Einwohnern und Flüchtlingen eine UN- Schutzzone anzeigen. Hierher sollten sich Zivilisten retten können, Mütter, Väter, Großeltern, Söhne, Töchter, Enkel. Serbische Milizen aus Bosnien und Serbien sabotierten den Schutz von Beginn an. Sie sollten der Bevölkerung den Garaus machen, ihr Auftrag war es, das Gebiet „ethnisch zu säubern“. Das gelang ihnen. Unter den Augen der unbewaffneten UN-Blauhelme aus den Niederlanden, deren Basis direkt am Ort lag, massakrierten militärische wie paramilitärische Einheiten etwa 8000 bosnisch-muslimische Zivilisten, Jungen und Männer zwischen 13 und 80 Jahren. Das Morden begann am 11. Juli 1995, am Samstag vor 20 Jahren.
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