Von Erhart Hohenstein: Theater wird Sammlungszentrum
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Einst Tanzgaststätte, dann Theater. Nun wird das Haus in der Zimmerstraße zum Depot und Werkstatt der Schlösserstiftung. Der Umbau begann in dieser Woche. 

© S. Diestel

Von Erhart Hohenstein: Theater wird Sammlungszentrum

Beginn der Umbauarbeiten für Depot und Werkstätten der Schlösserstiftung an der Zimmerstraße

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Vom Tanz- zum Theaterhaus, nun begannen in der Zimmerstraße die Umbauarbeiten zur Werkstatt und zum Depot für die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten (SPSG). Seit Anfang dieser Woche ist das Grundstück des ehemaligen Tanz- und Gesellschaftshauses „Zum Alten Fritz“ an der Zimmerstraße Baustelle. Auf dem etwa 10 000 Quadratmeter großen Gelände hat die Entkontaminierung der nach 1948 hinzugefügten Gebäude begonnen. Nach der etwa einmonatigen Entgiftung der Bauten soll ihr Abbruch folgen, der im Frühjahr 2010 abgeschlossen sein soll. Darüber informierten gestern der stellvertretende SPSG-Generaldirektor, Heinz Berg, und Baudirektor Alfons Schmidt. Anschließend will die Stiftung, die das Areal für 1,2 Millionen Euro von der Stadt Potsdam erworben hatte, an der Zimmerstraße Werkstätten und Depots unterbringen. Er soll bis zum Frühjahr abgeschlossen sein.

Dazu wird das denkmalgeschützte Vorderhaus mit seiner Front zur Zimmerstraße erhalten und saniert, die Hofbauten einschließlich des Theatersaals werden abgerissen. An ihrer Stelle entstehen drei Neubauten, sie sollen bis 2014 fertiggestellt sein. In einem zweiten Bauabschnitt werden dann an der Lennéstraße auf dem Gelände des Schirrhofs (Handwerkerhof) weitere zehn neue Gebäude für Werkstätten und Depots errichtet. Diese Baumaßnahmen sind bis 2017 geplant. Laut Baudirektor Schmidt ist ein früherer Abschluss des auf 26 Millionen Euro veranschlagten Gesamtvorhabens nicht möglich, weil es ohne Unterbrechung der Arbeit des Schirrhofes umgesetzt werden muss.

In die zuerst fertig gestellten Gebäude auf dem Theatergrundstück sollen Depots und Werkstätten aus dem Neuen Palais verlagert werden. Dazu zählt die Graphische und Plansammlung. Mit rund 100 000 Einzelobjekten besitzt sie den umfangreichsten Sammlungsbestand der SPSG, der unverzichtbare Grundlage für die Sanierungs- und Restaurierungsarbeiten in den Schlössern und Gärten ist. Der Bestand lagert zurzeit unter ungenügenden brandschutztechnischen und klimatischen Bedingungen. Mit dem Umzug in die Zimmerstraße wird gleichzeitig Baufreiheit für die grundlegende Sanierung des Neuen Palais geschaffen. Ebenso erhält das Dokumentations- und Informationszentrum (DIZ) der Stiftung an der Zimmerstraße sein neues Domizil.

Die auch öffentlich genutzten Abteilungen wie Plansammlung und DIZ sollen vom ehemaligen Theaterkassenfoyer auf kurzem Weg im Vorderhaus erreichbar sein. Ob die Theaterkantine erhalten und wiederhergestellt wird, ist noch nicht entschieden.

Für die nun begonnenen Arbeiten sind laut dem von der Stiftung eingesetzten Projektleiter Demir Arslantepe alle Vorkehrungen getroffen, um die Anwohner so wenig wie möglich durch Staub und Lärm zu belästigen. Zudem werde das Wohnviertel durch die Sanierung und Neubebauung des HOT-Geländes städtebaulich aufgewertet, ergänzte Baudirektor Schmidt. Dazu trage auch die Neubebauung in einer „durchlässigen“ Architektur bei, die die Blickbeziehungen zwischen Park und Vorstadt wieder öffne.

Das Gelände an der Zimmerstraße war bis über das Kriegsende 1945 hinaus als Tanzgaststätte „Zum Alten Fritz“ genutzt worden. Noch 1947 wurden hier durch den Privatunternehmer P.H. Winter mit seiner Potsdamer „Bunten Bühne“ Theaterstücke aufgeführt. Ab 1948 wurde es mit einem Aufwand von zwei Millionen Mark für das Hans-Otto-Theater ausgebaut und am 16. Oktober 1949 mit Goethes „Faust I“ als ständige Spielstätte eröffnet. Trotz immer neuer Um- und Anbauten blieb es ein Provisorium. Am 1. Dezember 1991 wurde der Spielbetrieb mit dem Stück „Noch ist Polen nicht verloren“ eingestellt. Seitdem stand der Komplex weitgehend leer.

Erhart Hohenstein

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