Kultur: Hermana mia – meine Schwester
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Kultur: Hermana mia – meine Schwester

In ihren Diageschichten spiegelt sich Fotografin Brigitte Tast in anderen Frauen – und sie sich in ihr

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Es war eine Filmszene, in der Schauspielerin Nastassja Kinski auf der Straße von einer fremden Frau umarmt und mit „hermana mia“ (meine Schwester) angesprochen wird. Dieser Moment hat die Künstlerin Brigitte Tast zu ihren Diageschichten inspiriert.

„Kennen sie das Gefühl, in einem eigentlich fremden Menschen eine verwandte Seele zu entdecken, eine Facette von sich selbst?“, fragt sie leise, als spreche sie zu sich selbst. „In so vielen Frauen, die ich in meinem Leben getroffen habe, konnte ich mich wieder erkennen, mich in ihnen spiegeln – und sie sich in mir“. Und doch hätten die wenigsten ihr eine Freundin sein können, dafür sei man zu verschieden gewesen. „Es gab aber eine Bindung, die sich nur schwer in Worte kleiden lässt, so wie sie auch zwischen sehr unterschiedlichen Schwestern besteht, erklärt die Künstlerin.

Ihre 150 Schwarzweißdias wirken wie ein visuelles Rondo. Immer wenn in der Musik nach den Zwischenthemen die Hauptmelodie wiederkehren würde, tauchen in dem Bilderzyklus Motive auf, die man schon gesehen hat. Nach einer Weile sind sie einem vertraut. Langweilig wird die 90-minütige Diaschau durch die Wiederholungen nicht. Vielmehr schenken sie Erholung, bevor die nächste Bilderwelle den Zuschauer ergreift und mit sich zieht.

„Ich schaue dich an – und sehe mich. Hermana mia – meine Schwester!“, sagt Tast mit sanfter Stimme. Sie steht bei einer Probe für ihre Performance in der nächsten Woche neben der Leinwand im Filmmuseum an einem kleinen Pult mit Leselampe und kommentiert die Fotografien. Würden ihre Blätter dabei nicht ab und zu leise rascheln, könnte man glauben, sie würde selbstvergessen ihre innersten Gedanken aussprechen. Das Publikum wird zum erbetenen Voyeur. Obwohl auf den meisten Bildern fremde Frauen zu sehen sind, wirken sie wie Offenbarungen der Künstlerin. Es ist die private, ehrliche Art, in der sie ihre „Schwestern“ in Szene gesetzt und fotografiert hat, durch die sie auch viel von sich selbst preis gibt. Bei genauem Hinsehen fügt sich die Collage aus Eigen- und Fremdbeobachtungen zu ihrem Selbstportrait. Zwischendurch erscheinen immer wieder Aufnahmen aus Berlin. Orte, die sind, wie die Künstlerin selbst: nicht vordergründig schön, sondern apart im Detail.

Ungekünstelt wirkt die 58-Jährige, in sich ruhend. Würde sie mit ihrer Arbeit nicht Einblick in ihre Seele gewähren, könnte man sich kaum vorstellen, dass dort einst Stürme tobten, „zwischen Wünschen-pechschwarz und Ansprüchen-schneeweiß“, wie sie sagt.

Nicht nur ihre Liebe zu Berlin blieb lange unerwidert, auch zwischenmenschliche Beziehungen scheiterten: an zu viel Angst vor Nähe oder einem zu starken Bedürfnis nach Halt. Wie sie denn das Ende ihrer Diageschichten beschreiben würde? Als Erkenntnis, sagt sie versonnen lächelnd und leise, wie zu sich selbst.

Juliane SchoenherrDie Fotoausstellung „Hermana Mia-Meine Schwester“ von Brigitte Tast ist ab 6. März im Frauenzentrum zu sehen. Ihre Diageschichten „Gespiegeltes“ präsentiert die Künstlerin am 7. März um 20 Uhr im Filmmuseum. Beide Ausstellungen enden am 2. April.

Juliane Schoenherr

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