Kultur: Überraschende Rundungen
„Traum und Trauma“: Bilder des Malers Hermann Lüddecke in der Villa Kellermann
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Nun bleibt sie uns also doch noch ein wenig erhalten, die Villa Kellermann mit ihrer unvergleichlichen Aussicht auf den Heiligen See, ihren kulinarischen Genüssen, der morbiden Pracht eines längst vergangenen Luxus und einem Hauch verruchter Schwelgerei. Wer es sich gönnt, in diesem frostigen Winter just zu den sparsamen Öffnungszeiten – Donnerstags ab 18 Uhr, Samstag und Sonntag ab 12 Uhr – seinen genusssüchtig Leib in diese Umgebung zu führen, wird nach knarzig-bockiger Tür im Foyer von barock-schwülstigen weiblichen Rundungen überrascht.
Noch bis zum 15. Februar stellt der Falkenseer Künstler Hermann Lüddecke seine wolllüstigen Realismen aus. Immer gibt es auf den akkurat konturierten Acrylgemälden das Weib zu sehen, wie es wohl nur in der männlichen Fantasie existiert. Mal trägt die Nackte mit den üppigen Formen, die zuweilen an Botero erinnern, einen roten Pump, den sie naiv- herausfordernd dem Betrachter entgegenstreckt, ihre üppigen Beine in schwarzen Seidenstrumpf gehüllt, darüber nichts, und in der Hand – wie merkwürdig, selbst der wird zum Hampelmann – Einstein als Handpuppe mit bekannt gestreckter Zunge.
Häufig imaginiert Lüddecke den Mann im Hintergrund, ob er nun, wie bei dem „der Maler“ genannten Bild, mit Zigarette und Base-Cap vollständig in seine Arbeit versunken scheint, während im Vordergrund die Schöne lasziv sich räkelt, oder ob bei dem „Krankenbesuch“ er wächtergleich bedrohlich mit dunkler Brille, die wohl nur notdürftig seine Gier nach ihr verdeckt, hinter ihr steht, während die grünen Äpfel seitlich kullern. Auch bei „Leda und der Liedermacher“ wendet einer der hinreißend hingegossenen Nackten den Rücken zu, der ziemlich stark an den Maler mit Base-Cap und Zigarette erinnert.
Die Männer befinden sich meist im Bildhintergrund und sie sind bekleidet. Die Frau, das Trauma, immer mit ausschweifendem Körper und fein frisierter Scham, füllt den zentralen Raum. Der 1938 in Falkensee geborene und dort lebende Maler hat der Ausstellung den treffenden Titel „Traum und Trauma“ gegeben. Sein Traum vom Weibe will sich mit der Realität offenbar nicht abmühen, lieber bestückt er das verführerische Rundfleischsubjekt mit symbolischen Objekten. Papageien („Vögel“) tummeln sich auf den zarten Händen, mal eine schmale Gerte, die wozu auch immer dienen kann. Zwar liegt das Objekt des männlichen Begierdenblicks in dem raumgreifenden Bild „Der rote Salon“ ermattet rücklings auf dem rötlichen Diwan, überlange Stiefel reichen fast bis zu ihren Hüften und eine rote Jacke öffnet sich wollüstig über dem weißen Fleisch. Als könne sie kein Wässerchen trüben, schaut sie lasziv am Bildrand entlang, aber in ihrer rechten Hand befindet sich die schlanke Gerte. Ein Reitobjekt? Ein Folterinstrument? Man weiß es nicht, im Hintergrund steht ein spanisch anmutender Reiter mit Pferd – und schon schwelgt man in vielen altbekannten Sinnlichkeitsmythen, die vom feurigen Spanier bis zur nackten Maya von Goya reichen.
Wenn es der Zufall will und man während seines Restaurantbesuchs in der Nähe dieses Bildes isst, sollte man die Speisen je nach Stimmung entweder sedierend oder aber aphrodisierend aussuchen. Die Bilder können in jedem Falle mehr als nur die Speichelproduktion anregen. Die hier erstmalige Zusammenarbeit der Villa Kellermann mit dem Kunst-Kontor von Friederike Sehmsdorf soll weitergehen. Man kann gespannt sein.
Die aktuelle Ausstellung „Traum und Trauma“ mit Bildern von Hermann Lüddecke läuft noch bis zum 26. Februar
Lore Bardens
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