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Das große Nervenflattern nach dem Rausch: Eisbären schlagen Köln nach Zitter-Schlussphase
Lange sah es nach einem souveränen Heimsieg der Berliner gegen die Haie aus. Doch trotz einer 3:0-Führung wird es kurz vor dem Ende noch mal richtig eng.
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Zuletzt musste Leo Pföderl einem fast ein wenig leidtun. Der Stürmer der Eisbären Berlin ist ein Spieler, der eine Art eingebauten Torinstinkt besitzt. Jahr für Jahr schoss und bereitete er Treffer vor – vor allem in den Play-offs, wenn es zählt. Letzte Saison stieg er zum Play-off-Rekordtorschützen auf.
Doch in diesem Jahr flutschte es bislang so gar nicht bei dem Bayer. In diesen Play-offs brachte er es bislang nur auf eine Vorlage. Bezogen auf die häufig zitierte Ketchup-Flasche, die man nur lang genug schütteln muss, bis wieder etwas herauskommt, wirkte es so, als befände sich nur ganz wenig der Tomatenpampe im Gefäß, und das klebt irgendwo am Boden fest. „Ich bin ja zum Toreschießen hier und natürlich macht man sich seine Gedanken, wenn es nicht so läuft“, sagte er nach dem Spiel über die vergangenen Tage und Wochen.
An diesem Sonntag war aber alles anders. Ausgerechnet im sonst so durchwachsenen Powerplay stand Pföderl wie so oft in seiner Karriere zweimal goldrichtig und drosch den Puck erst zum 1:0 (23.) gegen die Kölner Haie ins Tor. Zudem sorgte er für den letzten Akt in diesem Spiel (58.).
Pföderl war also der Mann des Nachmittags bei diesem 4:2 (0:0, 1:0, 3:2) der Gastgeber, die in der Halbfinalserie dieser Play-offs mit 2:1 führen. Und somit noch zwei Siege vom Finale entfernt sind. Am Mittwoch findet Spiel vier in Köln (19.30 Uhr, Magentasport) statt.
„Wir wissen alle, dass er einen Torjäger ist. Er hatte auch schon vor den Toren gute Momente“, sagte Trainer Serge Aubin. „Er hat insgesamt ein starkes Spiel gemacht, das wird seinem Selbstvertrauen gut tun.“
Hildebrand begann erstmals seit Ende Februar wieder im Tor
Die Haie lieferten lange einen verwunderlichen Arbeitsnachweis ab an diesem Nachmittag in der ausverkauften Arena in Friedrichshain (14.200 Zuschauende). Man hätte meinen können, dass sie das fulminante 5:1 vom Freitag mitnehmen in das dritte Duell dieser Teams − und Spiel drei kommt in den Play-offs für gewöhnlich eine große Bedeutung zu.
Wir haben heute über 60 Minuten Eishockey gespielt. Das ganze Team hat einen starken Job gemacht.
Serge Aubin, Trainer der Eisbären Berlin
Aber eigentlich liefen die Kölner fast das ganze Spiel den Berlinern nur hinterher und zeigten lange kaum einen originellen Ansatz, um Jake Hildebrand im Eisbären-Tor ernsthaft herauszufordern. Der US-Amerikaner stand zum ersten Mal seit Ende Februar als Starter zwischen den Pfosten.
Dass Hildebrand bis auf die paar Spielminuten am Freitag kaum Spielpraxis hatte, spielte den Gästen aber genauso wenig in die Karten wie die Sperre von Yannick Veilleux, der nach einem Check mit dem Stock im zweiten Spiel für zwei Spiele gesperrt wurde.
Neu im Kader war Mitch Reinke, der eine Verletzung auskuriert hat, die er sich Anfang März zugezogen hatte. Für ihn musste Markus Niemeläinen zuschauen, weil ja bekanntlich drei U23-Spieler aufgeboten werden müssen. Und Reinke fügte sich bestens ein – als Zulieferer für Pföderls Treffer.
Köln übertreibt es mit der Härte
Die Kölner wirkten überhaupt derart ratlos, dass sie zum Ende des zweiten Drittels damit begannen, ihre Unterlegenheit physisch ausgleichen zu wollen. In einem Maße, das über normale Play-off-Härte hinausging. So bekam Jonas Müller einen Schlag auf die Hand, der nicht geahndet wurde. Nach einer kurzen Pause war der Verteidiger zurück.
Juhani Tyrväinen verpasste Lean Bergmann wenig später einen Kniecheck, sodass der Berliner vom Eis geleitet werden musste. Dabei verletzte er sich so schwer am Bein, dass er nicht nur für den Rest der Play-offs, sondern für mehrere Monate ausfallen wird.
Und obwohl Janne Juvonen im Kölner Tor alles tat, um Schlimmeres zu verhindern, konnte er den zwischenzeitlichen Eisbären-Express kaum aufhalten. Zunächst erhöhte Jonas Müller, der ja zuvor den Schlag auf die Hand wegstecken musste, auf 2:0 (42.). Und dann sorgte Les Lancaster vermeintlich für klare Verhältnisse mit dem 3:0 (45.).
Die Eisbären waren in den ersten 30 Minuten sehr stark. Wir kamen nicht wirklich in die Partie und hatten kaum Chancen. Mir hat gefallen, wie wir uns weiter reingekämpft haben und nicht aufgegeben haben.
Kari Jalonen, Trainer der Kölner Haie
Aber plötzlich begann doch das große Nervenflattern in der Arena. Dominik Bokk gelang erst ein Tor zum 1:3 (53.), Oliwer Kaski verkürzte wenig später auf 2:3 (56.). Und plötzlich drohte ein zuvor dominanter Auftritt noch zu zerbröseln. Doch dann war eben noch mal Pföderl zur Stelle, der an diesem Tag dem Ketchup die richtige Würze verlieh und ins leere Tor einschoss.
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