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Wie reagiert die Fifa auf verbotenes Statement?: Argentinien feiert und provoziert mit Banner zum Falklandkrieg
Nach dem 2:1 gegen England sorgen argentinische Spieler für einen Eklat. Die Fifa könnte in Erklärungsnot kommen. Die britische Regierung verlangt eine Untersuchung.
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Das argentinische Team feierte ausgelassen, nachdem es spät einen 0:1-Rückstand gegen England in ein 2:1 gedreht hatte. Wie schon vor vier Jahren in Katar steht die Albiceleste damit im WM-Finale und trifft am Sonntag in East Rutherford auf Spanien (21 Uhr MEZ, ZDF und Magenta TV).
Doch während der Party auf dem Platz entrollten die argentinischen Spieler ein Plakat zum langjährigen Streit um die Falkland-Inseln. „Las Malvinas son argentinas“ („Die Malwinen sind argentinisch“), stand darauf geschrieben.
Hintergrund ist der Falklandkrieg zwischen Argentinien und Großbritannien im Jahr 1982 um die zum britischen Kolonialreich gehörenden Inseln vor dem argentinischen Festland, der mit einer Kapitulation Argentiniens endete. Islas Malvinas ist die argentinische Bezeichnung für die Inseln, in Großbritannien sind sie als Falkland-Inseln bekannt.
Gelöst ist der Streit um die Inseln bis heute nicht. In der Region Patagonien etwa, die weniger als 1000 Kilometer von den Falklandinseln entfernt liegt, „ist der Anspruch auf die Malvinas im öffentlichen Raum sehr sichtbar“, hatte Wolfgang Muno, Inhaber des Lehrstuhls für Vergleichende Regierungslehre in Rostock und ausgewiesener Argentinien-Experte, vor dem aufgeladenen Spiel dem Tagesspiegel gesagt.
Argentiniens Vizepräsidentin heizt die Stimmung auf
Die argentinische Vizepräsidentin Victoria Villarruel hatte das unterstrichen, indem sie die Engländer mit Verweis auf die umstrittenen Inseln als „Piraten“ bezeichnet hatte. Ihr Vater hatte im Krieg um die Falklandinseln für Argentiniens Militärdiktatur gekämpft.
Nicht nur die Veteranen des Falklandkrieges wollten die aufgeladene Stimmung deeskalieren. „Sport ist kein Krieg: Das Halbfinalspiel ist ein Sportereignis von weltweiter Tragweite, keine bewaffnete Revanche und keine historische Kompensation“, hieß es in einem Brief.
Sie werden immer argentinisch sein. Wir waren uns bewusst, was dieses Spiel für dieses Land bedeutete.
Leandro Paredes über den Konflikt um die Inseln
Auch Argentiniens Trainer Lionel Scaloni hatte zuvor versucht, die politische Spannung aus der Partie zu nehmen. „Es ist ein Fußballspiel, ganz einfach“, hatte er gesagt. „Das mit Politik zu vermischen, wäre Wahnsinn.“ Aber nun ist es doch genau dazu gekommen.
„Sie werden immer argentinisch sein“, hatte Leandro Paredes über die Inseln anschließend erklärt. „Wir waren uns bewusst, was dieses Spiel für dieses Land bedeutete. Wir haben versucht, unser Land und all jene, die diesen traurigen Moment unserer Geschichte miterlebt haben, zu repräsentieren, damit sie sich mit uns identifizieren und wir ein positives Bild vermitteln konnten“, sagte der Mittelfeldspieler weiter.
Die britische Regierung hat zu diesem Vorfall bereits Stellung genommen. „Wir erwarten von der Fifa, dass sie das untersuchen“, sagte der britische Wirtschaftsminister Peter Kyle im BBC-Fernsehen. Politik müsse aus dem Fußball herausgehalten werden, so der Minister weiter.
Der Weltverband verbietet Spielern und Offiziellen rund um die Spiele der Weltmeisterschaft, sich so eindeutig politisch zu äußern. Dem argentinischen Verband drohen durch das Zeigen des Plakats Geldstrafen. Auch Sperren für die beteiligten Spieler sind theoretisch möglich. Spannend wird zu sehen sein, wie der Fußball-Weltverband auf dieses politische Statement reagieren wird.
Im Verlaufe des Turniers wurde immer wieder spekuliert, dass der Fifa eine Titelverteidigung allzu gut passen würde. Die von KI generierten Memes von Fifa-Präsident Gianni Infantino und Messi sind omnipräsent: Mal trägt der Fifa-Boss Argentiniens Superstar schützend auf dem Arm und jubelt mit ihm, mal liegen sie gemeinsam mit dem WM-Pokal im Bett.
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Messi tritt seit 2022 als Botschafter Saudi-Arabiens auf, das 2034 die WM ausrichten wird. Die Albiceleste ist aktuell der einzige ernsthafte Widersacher der europäischen Teams. Und hier ist der Widerstand gegen den Führungsstil Infantinos besonders groß. Der südamerikanische Fußballverband (Conmebol) hingegen hat ihm bereits Rückhalt für die Wiederwahl 2027 zugesichert.
Genährt werden Spekulationen durch die eine oder andere Schiedsrichter-Entscheidung. Beim ersten WM-Spiel der Argentinier gegen Algerien zeigte Messi einmal mehr seine Klasse, alle drei Tore hatte er erzielt. Nach einem rüden Foul hätte er aber auch gut und gern eine Rote Karte sehen können. Man kann nur spekulieren, was das für den weiteren Turnierverlauf bedeutet hätte.
Argentinien spielt hart, aber bekommt wenige Gelbe Karten
Dem 1:0 gegen Österreich in der Gruppenphase war ein Foul vorausgegangen, das ebenfalls ungeahndet blieb. Beim 3:2 gegen Ägypten war ein potenzieller Elfmeter für den Gegner vom Video Assistant Referee (VAR) nicht überprüft worden.
Inklusive der beiden Gelben Karten für Lisandro Martinez und Cristian Romero im Halbfinale hat Argentinien in bislang sieben Spielen acht Verwarnungen kassiert. Angesichts des teils harten Stils mag diese Statistik überraschen.
Der Skandal um US-Stürmer Folarin Balogun, der nach einer Roten Karte im ersten K.-o.-Spiel gegen Bosnien-Herzegowina im Achtelfinale gegen Belgien nach einer Intervention von Präsident Donald Trump mitwirken durfte, erschütterte das Ansehen der Fifa und Infantinos zutiefst.
Dass der amtierende Weltmeister ausgerechnet vor dem Finale der XXL-WM, in dem es erstmals eine pompöse Halbzeitshow geben soll, bestraft wird, erscheint nach aktuellem Stand zumindest eher unwahrscheinlich. (mit dpa)
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