„Ein Lichtblick“: Deutsche Industrie überrascht mit kräftigem Auftragsplus
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 Ludwigshafen: Ein Schornstein mit der Aufschrift „BASF“ steht auf dem Werksgelände des Chemiekonzerns BASF. Die deutsche Industrie hat im März überraschend viele Aufträge erhalten.

© dpa/Uwe Anspach

„Ein Lichtblick“: Deutsche Industrie überrascht mit kräftigem Auftragsplus

Trotz Irankrieg und Energiekrise: Industriebetriebe in Deutschland konnten sich im März über einen satten Zuwachs im Neugeschäft freuen. Eine Branche legte besonders zu.

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Die deutsche Industrie hat im ersten Monat nach Beginn des Irankriegs überraschend viele Aufträge erhalten, vor allem aus dem Ausland. Das Neugeschäft wuchs im März um 5,0 Prozent im Vergleich zum Vormonat, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag mitteilte.

Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen hatten lediglich mit einem Plus von 1,0 Prozent gerechnet, nachdem es im Februar einen Zuwachs von 1,4 Prozent gegeben hatte. Werden Großaufträge ausgeklammert, reichte es diesmal sogar zu einem Anstieg von 5,1 Prozent – dem größten seit mehr als drei Jahren.

„Der Zuwachs in den Auftragsbüchern ist ein Lichtblick für die Unternehmen“, sagte Ökonom Michael Herzum von Union Investment. Grund für allzu viel Optimismus sollte dies allerdings nicht geben. „Die Auswirkungen des Iran-Konflikts spiegeln sich in den März-Daten noch kaum wider, da zu Kriegsbeginn die Tragweite des Krieges nicht absehbar war“, betonte Herzum.

Viele Wirtschaftsbereiche legten zu

Das Bundeswirtschaftsministerium bleibt ebenfalls vorsichtig. Es verwies auf den Energiepreisschock durch den Iran-Krieg, der zeitlich verzögert auch auf andere Güter durchschlagen und daher zu Vorzieheffekten geführt haben dürfte. „Vor diesem Hintergrund dürften im März verstärkt Bestellungen in Erwartung steigender Preise beziehungsweise möglicher Lieferengpässe getätigt worden sein“, so das Ministerium.

21,5 Prozent
mehr Aufträge meldeten Hersteller von elektronischer Ausrüstung.

Die Auslandsaufträge zogen im März um 5,6 Prozent an. Dabei stiegen die Aufträge aus der Euro-Zone mit 10,1 Prozent besonders stark, während die Bestellungen aus dem übrigen Ausland um 2,7 Prozent zulegten. Die Inlandsaufträge wuchsen um 4,0 Prozent.

Die positive Entwicklung verteilte sich auf fast alle Wirtschaftsbereiche. Besonders starke Zuwächse meldeten die Hersteller von elektrischen Ausrüstungen (+21,5 Prozent zum Vormonat), die Maschinenbauer (+6,9 Prozent) sowie die Hersteller von Datenverarbeitungsgeräten, elektronischen und optischen Erzeugnissen (+14,4 Prozent).

Engpässe bei Vorprodukten

Im gesamten ersten Quartal lag der Auftragseingang allerdings um 4,1 Prozent niedriger als im vorangegangenen Vierteljahr. Das Bundesamt begründet dies mit einem sehr hohen Volumen an Großaufträgen Ende 2025. Dafür hat nicht zuletzt der Staat gesorgt, der mehr in Verteidigung und Infrastruktur investiert. „Von den höheren Rüstungsausgaben profitieren auch nachgelagerte Branchen wie etwa der deutsche Maschinenbau“, sagte der Chefvolkswirt der VP Bank, Thomas Gitzel.

Der am 28. Februar ausgebrochene Iran-Krieg sorgt für große Unsicherheit und hat die Energiepreise in die Höhe getrieben. Das schlägt auf die Stimmung durch: Das Geschäftsklima im Verarbeitenden Gewerbe hat sich im April eingetrübt – getrieben durch sehr pessimistische Erwartungen, besonders in der chemischen Industrie.

Viele Unternehmen berichteten von Lieferengpässen bei Vorprodukten. „Darauf dürften die Aufträge im zweiten Quartal negativ reagieren und wohl zurückgehen“, sagte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. Auch das Bruttoinlandsprodukt könne dann schrumpfen, nachdem es im ersten Quartal noch um 0,3 Prozent gewachsen war. „Der Nahost-Krieg fordert seinen Tribut, selbst wenn er bald enden sollte“, betonte Krämer. Er rechnet für Deutschland in diesem Jahr mit einem Wirtschaftswachstum von 0,6 Prozent. (Reuters)

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