Flur voller Fotos: Ein Klingeln in Moabit – und plötzlich taucht eine vergessene Kriegsfotografin wieder auf
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Alltagszene in Kuba, aufgenommen von der verstorbenen Berliner Kriegsfotografin Sabine Sauer.

© Sabine Sauer

Flur voller Fotos: Ein Klingeln in Moabit – und plötzlich taucht eine vergessene Kriegsfotografin wieder auf

Durch Zufall findet Janina Panning Fotos bei ihrem Nachbarn. Dadurch stößt sie auf das außergewöhnliche Leben von Sabine Sauer, das sie nicht mehr loslässt. Ihr Werk ist nun in Berlin zu sehen.

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Als Janina Panning bei ihrem Nachbarn in Moabit klingelte, fand sie mehr als das Backpapier, nach dem sie den älteren Mann fragen wollte. Als er sie hereinbat, stand sie in einem Flur voller Reportage- und Portraitfotos. Es stellte sich heraus, dass der 84-Jährige der Witwer von Sabine Sauer ist, einer renommierten, aber vergessenen Kriegs- und Krisenfotografin.

Für Janina Panning begann eine Spurensuche. Sie erfuhr, dass Sabine Sauer 2009 im Alter von nur 49 Jahren unerwartet an Krebs gestorben war. Zuletzt war die Fotografin für den „Spiegel“ tätig. Sie dokumentierte den Berliner Mauerfall, die rumänische Revolution, die Nachwirkungen des Genozids in Ruanda und die Folgen der US-Atomtests auf den Marshallinseln.

Proteste am Atomtestgelände in Nevada in den USA im Jahr 1991.

© Sabine Sauer

Im Jahr 1991 fotografierte Sabine Sauer Proteste in den USA gegen Atomwaffentests. Friedensaktivisten hatten neben dem Testgelände in Nevada Camps errichtet.

Eine Bewohnerin der von USA für Atombombentests genutzten Marshallinseln im Pazifik.

© Sabine Sauer

Später im selben Jahr reiste sie nach Enewetak, einer Insel im Pazifischen Ozean, auf der die USA in den 1950er Jahren zahlreiche Atombombentests durchgeführt hatten.

Bewohner der Marshallinseln im Pazifik.

© Sabine Sauer

Wegen der Strahlung war die Insel schwer zu erreichen. Als sie nach einem Sturm ihren Flug verpasste, blieb Sabine Sauer sechs Wochen länger und fotografierte die Inselbewohner.

Bis heute weist die Bevölkerung auf den Marshallinseln erhöhte Krebsraten auf. Viele Kinder kommen mit Missbildungen zur Welt.

„Sabine reiste um die Welt, um Geschichten sichtbar zu machen“, sagt Panning. „Sie war bekannt für ihren Mut und ihr besonderes Gespür für Menschen.“ Teilweise habe sie undercover gearbeitet, um soziale Missstände aufzudecken.

Mauerfall in Berlin.
Aufnahmen vom Mauerfall, die im kollektiven Gedächtnis geblieben sind.

© Sabine Sauer

Janina Panning beschloss, das Leben und die Arbeiten von Sabine Sauer wieder bekannt zu machen. Gemeinsam mit ihrer Projektpartnerin Laureen Thews sprach sie mit Wegbegleitern und entdeckte bisher unveröffentlichte Bilder.

Daraus entstanden ein Kurzdokumentarfilm und eine Ausstellung mit Fotografien von Sabine Sauer, die am Freitag eröffnet und für drei Tage am Moritzplatz in Kreuzberg zu sehen ist. Dort wird auch der Film gezeigt.

Selbstporträt von der verstorbenen Kriegsfotografin Sabine Sauer.

© Sabine Sauer

Ausgangspunkt der Recherche war Sabine Sauers Ehemann Knut Hetzer. Der beschreibt seine verstorbene Frau so: „Sabine war eine starke, selbstbewusste Frau. Wenn sie den Raum betrat, teilte sich die Menge.“

Rumänien während der Revolution 1989.

© Sabine Sauer

Oft waren ihre Reisen gefährlich. Während der rumänischen Revolution wurde die Fotografin mit der Waffe bedroht, erfuhr Panning.

Aufnahme in Ruanda kurz nach dem Völkermord 1994.

© Sabine Sauer

Im Juli 1994 begleitete Sabine Sauer kurz nach dem Ende des Völkermords der Hutu-Miliz an den Tutsi einen Konvoi von Ärzten nach Ruanda.

In Berlin lebte Sabine Sauer mit ihrem Mann auf der Insel Valentinswerder, die abgeschieden im Tegeler See liegt und nur per Boot erreichbar ist. „Sie haben dort die Ruhe gesucht, im Gegensatz zu ihren stressigen Jobs“, sagt Panning. Knut Hetzer war Bühnenbildner.

Wendezeit in Berlin.

© Sabine Sauer

Auch Aufnahmen aus Berlin gehören zum wiederentdeckten Werk. Hier dokumentierte Sabine Sauer die Wendezeit.

Ein Junge, der in Berlin auf der Straße lebte.

© Sabine Sauer

Bei einem anderen Projekt begleitete sie Straßenkinder.

„Ihr Sohn war erst sechs Jahre alt, als Sabine starb“, sagt Panning. „Knut und er wollten schon früher eine Ausstellung machen, aber es war lange zu schmerzhaft für sie.“ Ihnen habe die Kraft und das Geld gefehlt.

Sie selbst habe das Projekt zwei Jahre neben ihrem Beruf in der Werbebranche vorbereitet und aus privaten Ersparnissen finanziert. Später kam ihre Partnerin dazu. „Ich hatte Sehnsucht danach, eine echte Geschichte zu erzählen und nicht nur Werbung zu machen“, sagt Panning. In der Ausstellung und im Film solle es auch darum gehen, was von einem Menschen bleibt, wenn er stirbt.

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