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Kältehilfe für Kiew: Berliner Initiative bringt Gaskocher und Wärmflaschen in die Ukraine
In der ukrainischen Hauptstadt harren zigtausend Menschen seit Wochen in eisiger Kälte ohne Strom, Wasser und Wärme aus. Doch von Berlin macht sich Hilfe auf den Weg – privat organisiert.
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An einem dieser Sonntage, an denen eigentlich nichts anliegt, wird Janine von Wolffersdorff auf eine Nachricht des ARD-Korrespondenten Vassili Golod aufmerksam. Der deutsche Journalist steht in Kiew vor einer frostigen Kulisse, an den Straßenrändern türmt sich der Schnee, sein Atem gefriert. Und er erzählt, dass nach russischen Luftschlägen allein in der ukrainischen Hauptstadt Tausende Wohnungen ohne Strom und Wasser seien. Es sei eine „absolut prekäre Situation“, sagt er, „wenn Menschen zu Hause mit Mützen und Jacken herumlaufen“ und „Eis von der Innenseite der Fensterscheiben kratzen“ müssen.
Die Ukraine ist da schon seit geraumer Zeit aus den Schlagzeilen verdrängt worden. Doch die in Berlin lebende Unternehmensberaterin von Wolffersdorff ist sofort alarmiert. „Das geht doch nicht“, sagt sie. Und es ist nicht das erste Mal, dass dieser Satz Folgen hat – für sie selbst sowie für die Menschen, denen sie zu Hilfe eilt.
Kooperation mit deutschen Krankenhäusern
Auch nach der russischen Invasion im Februar 2022 hat sie empört gedacht, dass es nicht angehe, die attackierte Hauptstadt Kiew, so groß wie Berlin, sich selbst zu überlassen. Von Wolffersdorff schickte Hilfskonvois auf den Weg. Als schwerverletzte ukrainische Soldaten vom Gesundheitssystem nicht mehr aufgefangen werden konnten, initiierte sie eine Kooperation mit deutschen Krankenhäusern, wo seither Amputationsverletzte nachversorgt werden.
Ich habe es nicht mehr ausgehalten, in meinem geheizten Wohnzimmer zu sitzen, während die Menschen in Kiew frieren.
Janine von Wolffersdorff
Nun will „Life Bridge Ukraine“ wieder einspringen, um ärgste Not zu lindern. Eigentlich könne die von der unermüdlichen Frau gegründete NGO, die aus nicht viel mehr als ihr selbst besteht, das gar nicht leisten, sagt sie. „Ich mache ja keine Nothilfe. Aber ich habe es nicht mehr ausgehalten, in meinem geheizten Wohnzimmer zu sitzen, während die Menschen in Kiew frieren.“

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Das ist ein Muster im Leben von Janine von Wolffersdorff: Sie gibt sich einen Ruck, aus Empörung über die „humanitäre Katastrophe“, fragt sich, was die Menschen am nötigsten brauchen könnten, und versucht, möglichst große Mengen davon zu beschaffen – finanziert von Spendern, die meistens schnell und großzügig bereitstehen. Die erste nennenswerte Summe kam von der Berliner VBKI.
Am Mittwoch schickt sie 6000 Campingkocher mit 24.000 Gaskartuschen sowie 7040 Wärmflaschen von Polen aus in Lkws nach Kiew. Beides soll der Stadtbevölkerung vor allem am östlichen Dnjepr-Ufer helfen, wo die Situation am schlimmsten ist. 2600 Wohnblocks sollen nach Angaben von Bürgermeister Vitali Klitschko auch nach Wochen vom anhaltenden Stromausfall noch betroffen sein. In Größe und Bauart entsprechen diese Hochhäuser den Plattenbauten der sozialistischen Ära. Nach Angaben von Vizeregierungschef Olexij Kuleba waren in Kiew 800.000 Menschen ohne Strom.
Die „Survival Points“ reichen nicht
Angesichts der bitterkalten Frostperiode, die die 3,6-Millionen-Einwohner-Stadt im Griff hat, hat Klitschko seine Mitbürger aufgefordert, in Gebiete des Landes auszuweichen, in denen sie besseren Schutz vor der Kälte finden. 600.000 Menschen sollen dem Ruf gefolgt und bei Freunden und Verwandten auf dem Land untergekommen sein. Damit wird zwar die Belastung des Energienetzes reduziert. Doch wirft es auch ein Schlaglicht auf die mangelnde Vorbereitung der Stadtverwaltung.

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Sie hat zwar sogenannte „Survival Points“ bereitgestellt. In orangefarbenen Zelten können Anwohner ihre Mobilfunkgeräte aufladen und sich vorübergehend aufwärmen. Doch erreicht das Angebot nicht alte und bedürftige Menschen, die allein in den Wohntürmen festsitzen und allenfalls vom Hauswart unterstützt werden können. Trotz der Tatsache, mittlerweile ins fünfte Kriegsjahr zu gehen, sei man überrascht worden vom Ausmaß der Not, heißt es aus dem Rathaus. Man wisse mit Stromausfällen umzugehen, aber nicht mit Kälte. Die vergangenen Kiewer Winter seien relativ mild gewesen.

© Life Bridge Ukraine
Diese Versorgungslücke hofft Janine von Wolffersdorff mit ihren „Wintersets“ zu schließen. Am Samstag wird sie selbst vor Ort sein, um mit Feuerwehr und Sozialdienst der Stadt jene Menschen aufzusuchen, die der Kälte in ihren Wohnungen schutzlos ausgeliefert sind. Unterstützung hat ihr auch Flixbus zugesagt, um die Aktion mit einem simplen Kältebus-System zu begleiten. Für Campingkocher hat sie sich entschieden, weil sie nicht als improvisierte Heizungen missbraucht werden können und Gaskartuschen einfach nachzubestellen seien. Immer wieder würden umfunktionierte Kocher im Dauerbetrieb explodieren und Verletzungen verursachen.
Da die Ukrainer gewohnt sind, in stark geheizten Räumen zu leben, würden sie Wärmflaschen – anders als deutsche Familien, wo sie zur Grundausstattung gehören – kaum selbst besitzen. Deshalb hält von Wolffersdorff sie für ein probates, zudem preisgünstiges Mittel, die Not zu lindern.
Die vergangene Woche sei für sie „ein einziger Tag“ gewesen, sagt von Wolffersdorff ebenso aufgekratzt wie erschöpft über ihre spontane Initiative. Sie hat wieder etwas in Bewegung gesetzt. Wenn es ankommt, wofür sie höchstpersönlich sorgen will, wird es der Mühe wert gewesen sein, glaubt sie.
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