PRO & Contra: Soll es in Mitte einen „Platz des 17. Juni“ geben?
Wenn man Jugendliche in Ost und West heute fragt, wie sie über die DDR denken, gibt es mit schöner Regelmäßigkeit die Antwort, dass da immerhin alle Arbeit hatten; nur die Sache mit der Mauer sei natürlich nicht so gut gewesen. Was es sonst noch gab an Unterdrückung, Gewalt, polizeilicher und juristischer Willkür, wird gern ausgeblendet – weil es nicht mehr präsent ist.
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Wenn man Jugendliche in Ost und West heute fragt, wie sie über die DDR denken, gibt es mit schöner Regelmäßigkeit die Antwort, dass da immerhin alle Arbeit hatten; nur die Sache mit der Mauer sei natürlich nicht so gut gewesen. Was es sonst noch gab an Unterdrückung, Gewalt, polizeilicher und juristischer Willkür, wird gern ausgeblendet – weil es nicht mehr präsent ist. Wenn man Glück hat, erwischt man noch jemanden, der immerhin „Das Leben der Anderen“ gesehen hat und deshalb ahnen kann, wie sich der Stasi-Staat angefühlt hat. Kaum jemand weiß, dass es DDR-Bürger waren, die – immerhin 15 Jahre vor dem Prager Frühling – als Erste im Ostblock versucht haben, gegen die Sowjetmacht aufzubegehren. Aus einer historischen Tat, auf die das ganze Volk stolz sein könnte, wurde ein weißer Fleck. Natürlich kann man mit einem Platz, der an den Aufstand erinnert, nicht die Erzählungen der Eltern und Lehrer ersetzen. Aber er würde es zum Beispiel Lehrern, die den Aufstand im Unterricht behandeln wollen, erleichtern, am authentischen Ort die Geschichte zu veranschaulichen – vor allem dann, wenn dort auch Fotos und Tafeln an die Vorgänge erinnerten. Die Schüler, aber auch die Touristen, die in die Stadt kommen, wüssten dann immerhin, dass die Stadt den Aufstand würdigt und sein Andenken bewahrt. Erbärmlich, ein solches Ziel mit verwaltungstechnischen Winkelzügen zu torpedieren. Susanne Vieth-Entus
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