Taubenschlag: Betreutes Wohnen
Fester Schlafplatz, richtiges Futter und Gipseier: Wie ein Modellprojekt das Taubenproblem löst
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Spandau hat sich zuerst getraut. In dem kleinen Kellerraum der Stadtbibliothek liegt eine Plastikplane auf dem Boden. An drei Wänden stehen Holzschränke mit quadratischen Fächern, in der vierten befindet sich das Fenster, das die Tauben als Eingang nutzen. Wie es genau aussieht, wenn die Vögel hier ruhen, lässt sich nicht sagen. Sobald ein Mensch den Raum betritt, flüchten die Tiere durchs Fenster. Die Plane am Boden wird täglich ausgetauscht, das Futter aufgefüllt, vor allem aber prüfen die Mitarbeiter des gemeinnützigen Trägervereins Cuba, ob neue Eier gelegt wurden. Die werden sofort gegen Gipsimitate ausgetauscht – und später an pflegebedürftige Krähen verfüttert. Die Tauben halten die Imitate für echt und brüten weiter, in der Zeit legen sie keine neuen. Bis zu 30 Tage lang lassen sie sich täuschen, dann befördern sie das falsche Ei aus dem Nest, um Platz zu schaffen. So lässt sich die Population des Schwarms regulieren.
Mehr als 60 deutsche Städte wenden das Konzept des „betreuten Taubenschlags“ inzwischen an, darunter Augsburg, Saarbrücken und Frankfurt am Main. Die Reaktionen fallen durchweg positiv aus: Die Tiere verbringen einen Großteil des Tages in ihrem Schlag, setzen dort den meisten Kot ab – die Verschmutzung öffentlicher Flächen geht um 80 Prozent zurück. Zudem haben die Tauben hier Zugang zu sauberem Trinkwasser und Körnerfutter, was das Risiko von Erkrankungen senkt. Die Tiere scheiden keinen weißen, schlierenförmigen Kot mehr aus. Auch betteln sie nicht mehr an öffentlichen Plätzen um Futter und bleiben auf Distanz zum Menschen.
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