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Mauerfall: Ausreise - drei Monate vor Mauerfall
Als die DDR am 9. November `89 anfing unter zu gehen, war sie für Christian Tretbar, inzwischen Tagesspiegel-Mitarbeiter, schon längst Geschichte. Alles begann beim Föhnen im Badezimmer der Neubauwohnung in Leipzig, aber was Christians Mutter mit der Frage, "kannst du dir vorstellen, auch woanders zu wohnen", bezweckte, ahnte er, damals zehn Jahre alt, nicht.
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Es muss irgendwann im Juli gewesen sein. Vielleicht war es sogar der 13. Juli 1989. Warum sonst sollten meine Eltern einen Kalenderschnipsel mit diesem Datum bis heute aufbewahren, wenn es nicht der Tag war, an dem sie von der Abteilung Inneres des Magistrats der Stadt Leipzig mitgeteilt bekommen haben, dass unsere Ausreise in die BRD genehmigt wird. Ich stand frisch geduscht vor dem Spiegel im Bad unserer Neubauwohnung in Leipzig-Grünau, Erdgeschoss zwar, aber neu und mit Zentralheizung, als meine Mutter ins Bad kam. Ob ich mir denn vorstellen könne, auch woanders hinzu zu ziehen, in eine andere Stadt, in ein anderes Land gar, fragte sie mich, als sie mir die Haare föhnte. Natürlich konnte ich es mir vorstellen. Ich war zehn und hatte eigentlich gar keine Ahnung, worauf sie mich vorbereiten wollte.
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