
© dpa/AP/Sue Ogrocki
Vene nicht gefunden: Hinrichtung per Spritze in Tennessee abgebrochen – Aufschub um ein Jahr
Drei Jahre lang wurden in dem US-Bundesstaat keine Exekutionen durchgeführt, weil es Zweifel an der Tötung per Spritze gab. Jetzt sollte sie einem Mann verabreicht werden – doch es kam anders.
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Drama in den USA: Im letzten Moment ist im Bundesstaat Tennessee eine geplante Hinrichtung per Todesspritze gestoppt worden. Bei dem Verurteilten Tony Carruthers sei am Donnerstag (Ortszeit) ein Zugang gelegt worden, doch für den gesetzlich vorgeschriebenen zweiten Zugang konnten die Mitarbeiter „keine weitere geeignete Vene finden“, teilte die zuständige Vollzugsbehörde mit. „Die Hinrichtung wurde dann abgebrochen“, erklärte die Behörde der Zeitung „USA Today“ zufolge.
Das Blatt zitierte Carruthers’ Verteidigerin Amy Harwell, wonach „sehr viel Blut“ geflossen sei. Der Zeitung „Memphis Commercial Appeal“ zufolge sagte eine Mitarbeiterin des Bürgerrechtsverbandes ACLU, dass die Vollzugsbeamten eine Stunde lang nach einer zweiten Vene gesucht hätten.
Der Gouverneur des Bundesstaates, Bill Lee, zog kurz nach der Nachricht über die abgebrochene Hinrichtung Konsequenzen. Die Exekution werde für ein Jahr aufgeschoben, teilte sein Büro mit. Ein Gnadenersuchen des Verurteilten hatte Lee wenige Tage zuvor noch abgelehnt. Eine weitere Stellungnahme lehnte er den Berichten zufolge ab.
Der Bundesstaat Tennessee foltert derzeit im Namen der Gerechtigkeit einen Mann, der seine Unschuld beteuert.
Melanie Verdecia, Rechtsbeistand
Maria DeLiberato, Juristin einer Bürgerrechtsorganisation, sagte nach der abgebrochenen Hinrichtung, die Vollzugsbeamten hätten versucht, den Backup-Zugang in Armen, Schultern, Fuß, Drosselvene und Brust zu legen. Es sei so gewesen, als ob Carruther mehrfach „erstochen“ worden sei. Sie sprach von „Folter“.
Die Chefin der Nichtregierungsorganisation „Bewohner Tennessees für Alternativen zur Todesstrafe“, Stacy Rector, erklärte nach Angaben der Agentur AFP, der gescheiterte Hinrichtungsversuch sei „grauen-erregend, aber nicht überraschend“. Ihre Organisation warne schon seit Jahren vor Problemen mit Giftspritzen und fordere mehr Transparenz.
„USA Today“ weist darauf hin, dass zum Tode verurteilten Häftlingen zwar kein schmerzfreier Tod garantiert sei. Doch die US-Verfassung schreibe vor, dass ihre Hinrichtungen frei von „grausamer und ungewöhnlicher Bestrafung“ sein müssen.
Der Verurteilte sitzt den Berichten zufolge bereits seit mehr als 30 Jahren in der Todeszelle, nachdem er unter anderem wegen dreifachen Mordes verurteilt wurde. Seine Anwälte versuchten bis zuletzt, mit einer DNA-Analyse seine Unschuld zu beweisen.
Melanie Verdecia, die den Verurteilten ebenfalls rechtlich vertritt, sagte: „Der Bundesstaat Tennessee foltert derzeit im Namen der Gerechtigkeit einen Mann, der seine Unschuld beteuert. So sollte unser System nicht funktionieren.“ Auch die ACLU hatte den Prozess gegen Carruther kritisiert. Zeugen seien nicht glaubwürdig gewesen.
Zweifel an Schuld des Verurteilten in Tennessee
„ABC News“ berichtete, es habe keine physischen Beweise gegeben, die Carruthers mit den Tötungen in Verbindung brachten. Er sei hauptsächlich auf der Grundlage von Aussagen von Personen verurteilt worden, die behaupteten, sie hätten gehört, wie er die Verbrechen gestanden oder über sie gesprochen habe. Dazu gehöre ein Mann, der später als Polizei-Informant entlarvt worden sei und den Medien sagte, er sei für seine Aussage bezahlt worden. Zudem gebe es Zweifel an Carruthers Schuldfähigkeit.
Stunden nach dem fehlgeschlagenen Hinrichtungsversuch in Tennessee wurde im Bundesstaat Florida ein verurteilter Doppelmörder mit Giftspritze hingerichtet. Der 47-jährige Richard Knight war schuldig gesprochen worden, im Jahr 2000 eine Frau und deren vierjährige Tochter getötet zu haben.
In Tennessee wurde zuletzt über die Tauglichkeit der Giftspritze debattiert. Sie ist USA-weit die häufigste Hinrichtungsmethode. Der Bundesstaat hatte sämtliche Hinrichtungen für drei Jahre ausgesetzt, nachdem bekannt geworden war, dass er die tödlichen Injektionen nicht ordnungsgemäß auf Wirksamkeit geprüft hatte.
US-Präsident Donald Trump ist hingegen ein Befürworter der Todesstrafe. Das Justizministerium erklärte im April, die Todesstrafe für Schwerverbrecher auf Bundesebene ausweiten zu wollen. Dabei sollen als neue Hinrichtungsmethoden unter anderem Erschießungskommandos eingesetzt werden.
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