US-Militärbasen enteignen oder Fußball-WM boykottieren? : Diese Antworten auf Trumps Grönland-Pläne diskutieren die Europäer
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Der Tower der Ramstein Air Base im Sonnenuntergang.

© dpa/Andreas Arnold

US-Militärbasen enteignen oder Fußball-WM boykottieren? : Diese Antworten auf Trumps Grönland-Pläne diskutieren die Europäer

Die Sorge in Europa ist groß: Macht US-Präsident Trump seine Drohungen wahr und erobert Grönland? Gleich mehrere Gegenmaßnahmen stehen nun zur Diskussion – teils öffentlich, teils hinter vorgehaltener Hand.

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Seit Tagen sendet US-Präsident Donald Trump unmissverständliche Drohgebärden in Richtung Grönland. Es sei essenziell für die Sicherheit der Vereinigten Staaten, die dänische Arktisinsel zu besitzen, sagt er. Anderenfalls würden angeblich Russland oder China sich Grönland einverleiben. Am Freitag drohte er Ländern, die sich seinem Besitzanspruch auf die Insel entgegenstellen, mit Zöllen.

Bereits kurz vor seiner erneuten Amtsübernahme vor rund einem Jahr hatte Trump wiederholt wissen lassen, dass die USA die Kontrolle über Grönland beanspruchen und dafür notfalls militärische Mittel einsetzen würden. Auch dieses Mal droht Trump mit Waffengewalt, wiewohl die Arktisinsel Nato-Territorium ist. Ein Krisengespräch mit Dänemark und Grönland in Washington endete am Mittwoch ergebnislos.

Würden die USA tatsächlich einen Nato-Partner angreifen? Die Bundesregierung bemüht sich darum, die Aussagen Trumps und seiner Regierung herunterzuspielen. Er sei „sehr gespannt, aber auch ein Stück weit entspannt“, sagte Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) am Donnerstagabend in den ARD-„Tagesthemen“. Er glaube nicht, „dass es hier zum Äußersten kommt“. Vielmehr vermute er, „dass wir es hier mit einem Machtspiel zu tun haben“.

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hatte zuvor bereits einen Anknüpfungspunkt mit den US-Interessen gesucht. „Wir teilen die amerikanischen Besorgnisse, dass dieser Teil Dänemarks besser geschützt werden muss“, sagte er Anfang der Woche. Pistorius ergänzte am Donnerstag, man nehme Trump das Hauptargument weg, „indem wir sagen, wir sichern dieses Territorium, deine Sicherheitsbedenken, die teilen wir nicht nur, sondern wir setzen uns dafür ein, ihnen gemeinsam zu begegnen“. 

Einen ersten Schritt dazu unternahmen mehrere europäische Nato-Länder bereits. Soldaten, darunter auch eine kleine Truppe der Bundeswehr, sollen eine Aufklärungsmission in Grönland durchführen. Es geht darum zu prüfen, welche militärischen Beiträge nötig sein könnten, um die Sicherheit in der Region zu gewährleisten.

Die US-Regierung gab sich davon unbeeindruckt. „Ich glaube nicht, dass Soldaten in Europa den Entscheidungsprozess des Präsidenten beeinflussen oder dass das irgendeinen Einfluss auf sein Ziel hat, Grönland zu erwerben“, sagte Trumps Regierungssprecherin Karoline Leavitt im Weißen Haus. 

Während die Erkundungsmission läuft, diskutieren europäische Politiker und Diplomaten weitere Optionen – teils öffentlich, teils hinter vorgehaltener Hand.

Hardt bringt WM-Boykott ins Spiel

Der außenpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Jürgen Hardt (CDU), etwa brachte am Freitag nötigenfalls einen Boykott der im Sommer anstehenden Fußball-WM in den USA ins Spiel. „Eine Turnierabsage käme allenfalls als ultima ratio in Betracht, um Präsident Trump in der Grönlandfrage zur Vernunft zu bringen“, sagte Hardt der „Bild“. Der CDU-Mann fügte hinzu, dass der US-Präsident deutlich gemacht habe, „welch hohen Stellenwert die WM für ihn hat“.

Deutlich zurückhaltender äußerte sich Sport-Staatsministerin Christiane Schenderlein (CDU). Zuständig seien „die dafür verantwortlichen Verbände, in diesem Fall DFB und Fifa“, sagte sie der „Bild“.

US-Militärstützpunkte in Europa schließen?

Im Hintergrund sprechen europäische Diplomaten und Beamte einem „Politico“-Bericht zufolge allerdings auch über weitreichendere Möglichkeiten. Zwar seien sich die Europäer einig, dass es aussichtslos wäre, wenn sie militärisch mit den USA konfrontiert wären. Gleichwohl, heißt es, gebe es Möglichkeiten, Washington im Falle eines Scheiterns von Verhandlungen unter Druck zu setzen.

Im Blick haben die Europäer dabei laut Bericht vorwiegend, wie abhängig die USA von europäischen Stützpunkten und Luftwaffenbasen sowie deren Marineunterstützung und Geheimdienstkooperation sind – gerade bei Operationen in Afrika und im Nahen Osten. Eine Option besteht deshalb darin, den USA diese Infrastruktur nicht mehr bereitzustellen, wie einige Diplomaten „Politico“ sagten.

Die USA haben zahlreiche Stützpunkte in Europa, Zehntausende US-Soldaten sind auf dem Kontinent stationiert. Allein in Deutschland waren es im Jahr 2022 nach Angaben des Bundestags 38.000 amerikanische Militärs. Es gibt rund zwei Dutzend US-Militärstützpunkte in der Bundesrepublik, der bekannteste ist wohl die Airbase Ramstein bei Kaiserslautern.

Klar sei den Europäern jedoch, dass ein offener Streit mit den USA extrem riskant wäre und die transatlantischen Beziehungen zerstören könnte. Zu weiteren diskutierten Gegenmaßnahmen zählen dem Bericht nach deshalb eher softe Mittel wie Verzögerungstaktiken in politischen Prozessen, verstärkte Lobbyarbeit bei den Republikanern in Washington, eine PR-Kampagne in den USA oder sichtbare Solidaritätsbekundungen durch Besuche europäischer Soldaten auf Grönland.

Was wäre mit der Ukraine-Unterstützung?

Hinzu kommt noch die Furcht, mit einem offenen Konfrontationskurs die USA bei der Unterstützung für die Ukraine gänzlich zu verlieren. Zumal nicht nur das von Russland angegriffene Land, sondern auch die meisten EU-Staaten auf Sicherheitsgarantien der USA angewiesen sind.

Am deutlichsten unter europäischen Politikern äußerte sich wie so oft Frankreichs Präsident Emmanuel Macron. „Sollte die Souveränität eines europäischen und verbündeten Landes beeinträchtigt werden, wären die Kettenreaktionen beispiellos“, sagte Macron diese Woche. „Frankreich und Europa müssen ihre Interessen verteidigen, wo immer sie bedroht sind, ohne die Eskalation zu suchen“, sagte Macron.

Frankreichs Rolle sei es, „an der Seite eines souveränen Staates zu stehen, um dessen Gebiet zu schützen“, so Macron weiter. Er prangerte zudem „einen neuen Kolonialismus“ an, den er bei manchen „aufseiten der Alliierten“ sehe, ohne einen Namen zu nennen.

Neue Debatte um gemeinsame europäische Abschreckung

Für die Bundesrepublik ist der aggressive Grönland-Vorstoß der Trump-Regierung besonders problematisch, führt er doch einmal mehr ein Dilemma vor Augen: Die Nato-Bündnistreue der USA wird immer fragiler, während Deutschlands Sicherheit elementar vom nuklearen Schutzschirm der Vereinigten Staaten abhängt.

Die Vizechefin der SPD-Bundestagsfraktion, Siemtje Möller, plädiert deshalb für eine neue „ernsthafte Debatte darüber, inwieweit die französischen und britischen nuklearen Fähigkeiten künftig im Rahmen einer gemeinsamen europäischen Abschreckung genutzt werden können“. Im „Handelsblatt“ verwies sie auf Macron, der diese Möglichkeit bereits mehrmals angeregt hatte.

Möller erklärte, dass Deutschland sich im Fall der Fälle aber auch beteiligen müsse, wenn es von der Abschreckung der Europäer profitieren wolle. Wie das aussehen könne, müsse mit „unseren Partnern besprochen werden“.

Ihr linker Parteikollege Ralf Stegner lehnte ihren Vorstoß wiederum ab. Die „irrlichternde Außenpolitik“ der USA dürfe „nicht als Begründung dafür herhalten, einer nuklearen Aufrüstung das Wort zu reden“, sagte der Außenpolitiker dem „Handelsblatt“. Er begründete seine Haltung damit, dass es mutmaßlich gegen den Atomwaffensperrvertrag und den Zwei-plus-vier-Vertrag zur Wiedervereinigung verstoße, wenn Deutschland europäische Atomwaffen stationieren oder finanzieren würde.

Derweil sagte Trump jüngst, „dass es überhaupt nichts gibt, was Dänemark dagegen tun kann, wenn Russland oder China Grönland besetzen wollen, aber es gibt alles, was wir tun können“. Dass der US-Präsident vor militärischen Interventionen nicht zurückschreckt, machte nicht zuletzt der Angriff auf Ziele in Venezuela Anfang Januar deutlich, Gefangennahme des Machthabers Nicolás Maduro inklusive. Darauf nun noch einmal zu verweisen – diese Chance ließ Trump denn auch nicht ungenutzt.

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