
© picture alliance/dpa
Studie über ersten Berlinale-Leiter: Alfred Bauer hat seine Rolle in der NS-Filmbürokratie heruntergespielt
Die Vorstudie des Instituts für Zeitgeschichte gibt Einblicke in die Aufgaben der Reichsfilmintendanz, ist aber auch ein charakterliches Führungszeugnis.
Stand:
nun bevorzugt anzeigen lassen. Mehr erfahren oder direkt aktivieren.
Das Fazit über die Selbstdarstellung des ersten Berlinale-Leiters Alfred Bauer in den Nachkriegsjahren fällt deutlich aus. „Bauers penetrant und dreist anmutender Aktionismus war dabei nicht nur seiner wirtschaftlichen Notlage geschuldet, sondern er wollte damit vor allem sein reines Gewissen zur Schau stellen.“ In einer wissenschaftlichen Studie erwartet man so eine drastische Wortwahl nicht, der Tonfall fällt auch aus den sachlichen Erläuterungen über die Rolle Bauers in der Reichsfilmintendanz zwischen März 1942 und April 1945 heraus.
Die Frage, wie sich Bauer erfolgreich durch sein Entnazifizierungsverfahren lavieren konnte (die letzte der drei Hauptverhandlungen datiert auf den 15.Mai 1947), war einer der drei Forschungsbereiche zum Werdegang des 1986 verstorbenen Bauer, die am vergangenen Mittwoch in einer Vorstudie des Instituts für Zeitgeschichte veröffentlicht wurden. Die zweimonatigen Recherchen in deutschen und amerikanischen Archiven, erschwert durch den Ausbruch der Corona-Pandemie, erlauben nun ein zusammenhängenderes Bild von Bauers Arbeit als einer von zwei RFI-Referenten, von seiner Rolle und seinem persönlichen Engagement.
- showPaywall:
- true
- isSubscriber:
- false
- isPaid:
- true